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Inklusion/Diversity
24.03.2016  Gabriele Kubitschek

Die Erzieherpersönlichkeit - ein stabilisierender Faktor

Es gibt Kinder, die haben es schwerer als andere - ihre Lebensumstände sind nicht die besten. Gerade bei diesen Kindern haben Fachkräfte große Chancen, etwas Positives zu bewirken, allein schon durch ihre Persönlichkeit.
Eine stabile, positive und vertrauensvolle Beziehung zählt, wie erwähnt, zu den wichtigsten Schutzfaktoren für Kinder. Doch gerade dann, wenn die Eltern selbst an einem schwierigen Punkt in ihrem Leben stehen, sich mit existenziellen Problemen, Ängsten oder gar mit Flucht und Vertreibung auseinandersetzen müssen, haben sie nicht immer die Kraft, ihrem Kind all das zu geben, was es bräuchte, um sich zu einer stabilen Persönlichkeit zu entwickeln. Hier können auch Menschen, die nicht direkt zur Familie gehören, Kindern zu einem wirklichen Halt werden. Und dazu gehören insbesondere auch Sie als Erzieherinnen und Erzieher:

Verlassen Sie sich auf Ihre fachliche und soziale Kompetenz

Gerade in Ihrer pädagogischen Arbeit, die mit einem hohen Anspruch an fachlicher und sozialer Kompetenz verbunden ist, nehmen Sie eine besondere Brückenfunktion ein. Denn einerseits können Sie die Eltern unterstützend entlasten, andererseits für die Kinder ein stärkendes Vorbild – eine wahre Bezugsperson – sein. Eine der Grundlagen dafür ist auch das von dem israelisch-amerikanischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky entwickelte Konzept der Salutogenese. In diesem Zusammenhang ist es von besonderer Bedeutung, dass das Kind von einer Reihe von emotionalen „Schutzhüllen“ umgeben ist, die es in seiner Resilienz stärken.

Nützen Sie Ihre Fähigkeit zur Selbstreflektion

Als Erzieherin und Erzieher zeigt sich Ihre hohe Verantwortung auch darin, dass Sie Ihre eigenen Werte, Vorstellungen und Handlungen immer wieder neu auf den Prüfstand stellen können. Dies erfordert viel persönliche Offenheit, Flexibilität und auch Selbstbewusstsein. Doch denken Sie daran: Niemand kann oder muss stets perfekt sein! Bleiben Sie auch sich selbst gegenüber verständnisvoll, gerade dann, wenn einmal etwas nicht ganz so läuft wie geplant. „Fehler“ können so zu wertvollen Impulsen werden, um für anstehende Probleme Lösungen zu finden. Und: Loben Sie sich auch einmal selbst dafür, wie viel Herz, Engagement und Fachkenntnis Sie in Ihren Beruf einbringen.

Zeigen Sie dem Kind gegenüber bewusstes Sprachverhalten und Liebe

Lassen Sie sich nicht zu Adultismus hinreißen! Das, was man selbst als Kind an abwertenden Worten oder Sprüchen zu hören bekommen hat, wird so lange das eigene Sprach- und Erwartungsverhalten mitfärben, bis man sich dessen bewusst wird. Worte können verletzen – oft mehr, als man denkt. Sie können emotionale Abneigungen verursachen, Stressreaktionen hervorrufen, ein negatives Selbstbild, Angst vor Entscheidungen und vieles mehr. Sprüche wie: „Natürlich du schon wieder!“ oder: „Kannst du denn nie etwas richtig machen?“ oder: „Wenn Erwachsene sprechen, haben Kinder still zu sein!“ schwächen das Selbstwertgefühl der Kinder.

Erkennen Sie Vorurteile und sich selbst erfüllende Prophezeiungen

Wird ein Kind von anderen als zu langsam, ungeschickt, dumm usw. beurteilt, so wird es auf diese Erwartungshaltungen selbst dann reagieren, wenn sie nicht explizit ausgesprochen werden! Es besteht die Gefahr, dass das Kind lernt, sich irgendwann auch selbst als Versager zu sehen bzw. im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung tatsächlich die Verhaltensmuster zeigt, die man ihm vorher nur zugeschrieben hat. Oft wird die vermeintliche oder tatsächliche Unterlegenheit von ihm dann auch mit Aggressivität oder innerem Rückzug kompensiert.

Setzen Sie Ihren pädagogischen Humor ein

Gelassenheit, Verständnis und Humor sind wichtige Bausteine, um eine positive und vertrauensvolle Beziehung zu einem Kind aufbauen zu können. Gerade dann, wenn Kinder in Situationen leben, die sie stark verunsichern und ängstigen, brauchen sie Bezugspersonen, die ihnen neben Klarheit, Kontinuität und Stabilität auch Humor und Freude anbieten.

Wir entnehmen diesen Beitrag dem Buch:
Gabriele Kubitschek: Resilienz im Alltag fördern. Mutmachgeschichten und Praxisideen für starke Kinder..
© Don Bosco München 2016
 

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