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Kita
14.04.2016  

Für Hohe Kita-Qualität: Familienorganisationen veröffentlichen Qualitätskriterien

Anlässlich der aktuellen Diskussion um den qualitativen und quantitativen Ausbau der Kitaplätze stellen die Familienorganisationen der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) dazu ein Positionspapier vor. Mit dem Ziel, eine hohe Qualität in den Kitas zu erreichen und zu sichern machen sie darin konkrete Vorschläge für Qualitätsstandards in wesentlichen Bereichen.
„Im quantitativen Ausbau der Kita-Plätze hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan“, so die Vorsitzende der AGF, Christel Riemann-Hanewinckel, „jedoch bleibt die Diskussion über die Qualität dahinter zurück. Hierfür haben wir mit dem Papier wichtige Qualitätskriterien vorgelegt, an deren Umsetzung möglichst schnell gearbeitet werden muss.“

Das Positionspapier „Handlungsfelder für eine hohe Qualität der Bildung, Betreuung und Erziehung in Kitas“ geht dabei vor allem auf folgende Qualitätsaspekte ein: Zugang zur Kinderbetreuung und deren Öffnungszeiten, Qualifikation und Weiterbildung der Fachkräfte, Fachkraft-Kind-Relation und die maximale Gruppengröße, Entwicklung von Leitlinien der pädagogischen Arbeit, Erziehungs- und Bildungspartnerschaft sowie langfristige Qualitätssicherung.

Bundesweit einheitliche Qualitätsstandards gefordert

Für die einzelnen Qualitätsaspekte machen die Familienorganisationen jeweils konkrete inhaltliche Vorschläge. So fordern sie z. B. bundesweit einheitliche Qualitätsstandards und eine Fachkraft-Kind-Relation von 1:4 (bei Kindern von ein bis drei Jahren). Die Familien sollen einen Anspruch auf ein Ganztagsangebot haben, wobei sie nur entsprechend ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit an den Kita-Kosten beteiligt werden sollen. Außerdem soll zumindest ein Teil der pädagogischen Fachkräfte über eine Hochschulausbildung verfügen. Insgesamt fordern die Familienorganisationen pädagogische Leitlinien mit einem wirklich inklusiven Ansatz, in dem die Bildungs- und Erziehungsarbeit auf die individuelle Begleitung und Unterstützung des Kindes abzielt.
Die Familienorganisationen fordern nun eine schnelle Umsetzung der Qualitätskriterien und rufen die beteiligten Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene dazu auf, möglichst umgehend entsprechende Schritte gemeinsam zu erarbeiten.

Das Positionspapier wurde in einem Diskussionsprozess mit Veranstaltungen und Fachgesprächen erarbeitet, in die das Fachwissen von zahlreichen Expert/innen unterschiedlicher Perspektiven eingeflossen ist.

Kernaussagen des Positionspapiers der AGF für eine hohe Qualität in der Kita:
  • Qualitätsstandards: Insgesamt muss es für die Qualität der Kitas verbindliche, bundesweit einheitliche und wissenschaftlich fundierte Standards geben.
  • Öffnungszeiten und Kosten: Viele Einrichtungen sind als Halbtagseinrichtungen konzipiert oder haben Öffnungszeiten, die mit einer beruflichen Vollzeittätigkeit nicht vereinbar sind. Zudem scheitert für ein Drittel der Eltern die außerfamiliäre Betreuung an hohen Kosten. Daher sind die Familien nur entsprechend ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit an den Kita-Kosten zu beteiligen und es sollte für alle Kinder einen Anspruch auf einen Ganztagsplatz geben. Während längerer Schließzeiten, z. B. in den Ferien, müssen vertraute Betreuungsangebote für Kinder verfügbar sein, zudem sind tragfähige Lösungen für die Randzeiten- und Nachtbetreuung zu entwickeln.
  • Ganzheitlicher Erziehungs- und Bildungsauftrag: Bildung in der Kita gilt nicht der Ansammlung von verwertbarem Wissen, sondern unterstützt die umfassende Persönlichkeitsentwicklung jedes einzelnen Kindes. Insofern muss die pädagogische Arbeit einem ganzheitlichen Erziehungs- und Bildungsauftrag folgen. Sie soll die Erziehungs- und Bildungsleistungen der Familien ergänzen und unterstützen und dabei eine umfassende soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes anstreben. Die Kinder selbst sind im Kita-Alltag angemessen zu beteiligen.
  • Vielfalt und Individualität: Die Kinder in den Einrichtungen spiegeln die Vielfalt der Gesellschaft und der Familien wider, aus denen sie kommen. Sie haben unterschiedliche Bedarfe an Unterstützung und pädagogischer Begleitung. Insofern muss in einem wirklich inklusiven Ansatz die Bildungs- und Erziehungsarbeit auf die individuelle Begleitung und Unterstützung des Kindes abzielen. Die Bildung und Erziehung muss somit einer Pädagogik der Vielfalt folgen, in der verschiedene Fähigkeiten, Begabungen und Erfahrungen – auch kultureller Art – im Alltag der Kita grundsätzlich als gleichwertig sichtbar und erlebbar sind. Die Kita-Angebote und -strukturen müssen an den individuellen Bedarfen der Kinder und ihrer Familien ausgerichtet werden. Sie müssen der Inklusion und interkulturellen Öffnung Rechnung tragen.
  • Fachkraft-Kind-Relation und Gruppengröße: Die Fachkraft-Kind-Relation ist ausschließlich auf pädagogisch qualifizierte Fachkräfte anzuwenden und ist auch bei Krankheit oder sonstiger Abwesenheit von Personal zu gewährleisten. Das Verhältnis sollte bei 1:4 für Kinder von ein bis drei Jahren und bei 1:9 für Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt liegen. Hinsichtlich der Gruppengröße empfiehlt sich für Kinder unter drei Jahren eine maximale Gruppengröße von höchstens acht Kindern und ab drei Jahren von höchstens 18 Kindern.
  • Verhältnis Kind, Eltern, Fachkraft: Die Qualität der Beziehungen zwischen Kind, Eltern und Fachkraft ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsarbeit. Die Familien sind die primären Orte für die Erziehung, Persönlichkeitsentwicklung und Bildung der Kinder. Sie üben diese Verantwortung zunehmend in Zusammenarbeit mit den Betreuungseinrichtungen aus. Zentraler Punkt dieser gemeinsamen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft ist das Wohl des Kindes unter Berücksichtigung seiner individuellen Lebenssituation. Daher müssen alle Eltern beteiligt werden – unabhängig vom familiären Hintergrund.
  • Ausbildung der Fachkräfte / Erziehungsberufe: Dem Fachkräftemangel sollte durch eine größere Attraktivität des Erzieher/innen-Berufs, der Aufstiegschancen sowie Neuorientierungen ermöglicht, begegnet werden statt durch den Einsatz von nicht ausreichend geschultem Hilfspersonal. Die Ausbildung zur Erzieherin / zum Erzieher sollte bundeseinheitlich geregelt werden. Zumindest ein Teil der pädagogischen Fachkräfte und in jedem Fall die Leitung sollte über eine Hochschulausbildung, mindestens auf Bachelorniveau, verfügen, wobei auch eine entsprechende Fortbildung für Erzieher/innen an Hochschulen möglich sein muss. Mittelfristig anzustreben wären Hochschulabschlüsse bei etwa 25 Prozent der Fachkräfte, die direkt mit den Kindern arbeiten. Zudem sollte die fachliche Ausbildung aktualisiert und stärker mit der Kita-Praxis verzahnt werden.
Das Gesamtpapier ist abrufbar auf der Website der AGF unter http://ag-familie.de

Quelle: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) e.V. vom 7.4.2016

 

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