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Kita
02.05.2016  Karsten Herrmann

Interaktionsqualität in der KiTa erfassen (Review)

Interaktionen von Kindern mit Erwachsenen, Peers und der räumlich-materialen Umwelt sind von zentraler Bedeutung für die Qualität von Bildungsprozessen in der KiTa. Darüber hinaus zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Interaktionskompetenz von Kindern und der Schulfähigkeit. In diesem Sinne nimmt die Förderung und Beobachtung der Interaktionsqualität eine zunehmende Bedeutung ein.
In einer in Frühe Bildung 4 (4) vorgestellten Studie untersuchten Antja von Suchodeletz, Catherine Gunzenhauser und Ross A.A. Larsen daher, ob das in den USA entwickelte Individualized Assessment Scoring System (inCLASS) ein auch für deutsche KiTas geeignetes Instrument zur Erfassung der Interaktionsqualität darstellt.
 
Wie die AutorInnen ausführen ist das inCLASS ein Verfahren zur Erfassung von Interaktionen auf der Individualebene des Kindes. „Im inCLASS beschreiben 10 Dimensionen […] mit jeweils mehreren untergeordneten Indikatoren und konkreten Verhaltensbeispielen Interaktionen von Kindern mit der Erzieherin, mit Peers sowie im Umgang mit Aufgaben“ (ebd. S., 212) . Die Dimension „Positiver Umgang mit der Erzieherin“ erfasst so zum Beispiel die emotionale Bindung des Kindes zur Erzieherin, bei der Dimension „Selbständigkeit“ wird beobachtet, ob das Kind persönliche Initiative zeigt, Neues ausprobiert, bei Problemen nicht aufgibt und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zeigt.
 
An der Adaptions-Studie nahmen 110 Kindergartenkinder aus dem süddeutschen Raum teil und der Einsatz von inCLASS erfolgte im regulären Kindergartenbetrieb. „Für jedes Kind wurden sechs Beobachtungsintervalle von durchschnittlich 10 Minuten pro Intervall […] durchgeführt“ (ebd. S. 213 und das konkrete Verhalten des Kindes wurde basierend auf den Indikatoren und konkreten Verhaltensbeispielen im Manual protokolliert.
 
Ergebnisse
Den AutorInnen zufolge bestätigten „Konfirmatorische Faktorenanalysen“ die inhaltliche Struktur des Verfahrens, das vier zentrale Bereiche kindlicher Interaktionen im Kindergartenalltag ausweist: „Kompetente Interaktionen mit der Erzieherin, Kompetente Interaktionen mit Peers, Kompetenter Umgang mit Aufgaben sowie Auffälliges Interaktionsverhalten“ (ebd. S. 215). Insgesamt würden die Befunde belegen, „dass das inCLASS auch im deutschen Kindergartenkontext ein reliables Verfahren zur differenzierten Erfassung individueller Unterschiede in der Interaktionskompetenz von Kindern ist“ (ebd.) und sich dabei trotz einer relativ aufwendigen Schulung für ErzieherInnen eignet.
 
Übereinstimmend mit den Ergebnissen US-amerikanischer Studien zeigten die Befunde auch, „dass die Qualität der beobachteten Interaktionssequenzen als niedrig bis mittel eingeschätzt wurde“ (ebd). Als mögliche Ursache führen die AutorInnen an, dass der Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit in der KiTa „nicht auf der Förderung von Interaktionen liegt und dementsprechend verhältnismäßig wenig Angebote in den Kindergartenalltag integriert werden, die gezielt Interaktionen initiieren“ (ebd.)
 
 
 

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