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Fachzeitschriften
30.06.2016  Christiane Hartmann

Blick in die Fachzeitschriften - Kita: Juni 2016

Der Blick in die Fachzeitschriften-Kita gibt einen Überblick über aktuelle Themen und neue Ansätze in der Frühpädagogik. Er umfasst insgesamt 12 Zeitschriften mit monatlicher bis vierteljährlicher Erscheinungsweise, die für die Frühpädagogik relevant sind. Aus allen besprochenen Zeitschriften werden Artikel für www.fruehe-bildung.online ausgewählt und hier veröffentlicht. Die Redaktion dankt allen Verlagen und Redaktionen, die sich zu dieser einmaligen Form der Kooperation und der Information bereit erklärt haben und wünscht eine anregende Lektüre.
Im folgenden Überblick wird über die neuen Ausgaben der Zeitschriften KiTa aktuell Baden-Württemberg, KiTa aktuell BB-MV-SN-ST-TH-BE, klein & groß - Das Kita-Magazin, TPS, Wamiki #2/2016 und das Wamiki Themenheft Tod berichtet.

KiTa aktuell Baden-Württemberg 06.2016

Hans-Georg Nelles nimmt in KiTa aktuell Baden-Württemberg 06.2016 die Väter in Kindertagesstätten in den Blick. Der Aufsatz regt an, in Kitas Väterbilder zu präsentieren, ein Väter Café einzurichten, Vater-Kind-Angebote zu machen und auch eine Märchenstunde und Vätergeschichten ins Auge zu fassen. Folgende Leitfragen können helfen, die Einrichtung "väterkompatibel" zu machen:
  • "Wie sprechen Sie Eltern in Ihrer Einrichtung an?
  • Was wissen Sie über die Väter der Kinder in Ihrer Einrichtung und was von den Müttern?
  • Zu welchen Anlässen sprechen Sie in Ihrer Einrichtung Väter an?
  • Welche Erfahrungen haben Sie bei diesen Gesprächen bislang gemacht?
Wie Elternzeit Väter und Familie verändert und auf leisen Sohlen ein Kulturwandel daher kommt, darüber schreibt Harald Seehausen. Er referiert auch die Commerzbank-Väter-Studie 2015 und die Bausteine der betrieblichen Kinderbetreuung, wie sie bei der Commerzbank AG zu finden sind. 

Der Arbeitsdruck für ErzieherInnen steigt und sie sind einem enormen Stress ausgesetzt. Susanne Zink und ihr 19köpfiges Team in Quickborn haben sich mit ihrer Erschöpfung produktiv auseinandergesetzt und im eigenen Interesse und im Interesse der Kinder Überfrachtungen im Kita-Alltag abgebaut. Zum Gelingen trägt bei, dass alle Teammitglieder zusammen halten und sich gegenseitig in ihrem Anti-Stress-Kurs ermutigen. 

Am gleichen Strang zieht Babak Rafati. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter und Referent beim Deutschen Kitaleitungskongress 2017 ist Experte zum Thema Leistungsdruck, Mobbing und Burn-out. Seine Maxime ist "Brennen, statt auszubrennen!" 

Es gibt eine neue akademische Weiterbildung in Karlsruhe, die darauf vorbereitet, gestiegenen Herausforderungen in der frühpädagogischen Leitungsverantwortung gewachsen zu sein. Dazu gehört auch die eben genannte Erziehungspartnerschaft mit Müttern wie Vätern, wie Nadja Masri schreibt. Die Ausbildung startet am 27.10.2016, Anmeldeschluss ist der 25.09.2016. 

Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Baden-Württemberg informiert und berät bei der Konzeption und Umsetzung einer guten Kita-Verpflegung. Die beiden Projektverantwortlichen Tina Janitz und Katrin Eitel geben Tipps zur Wahl des richtigen Verpflegungs-Modells. 

Adabert Metzinger schreibt über frühe Bildung im Extremen, über Überforderung und übersteigertes Leistungsdenken in der frühen Kindheit. Als Beispiel führt er die Einrichtungen der "Little Giants" an, in denen es eine bilinguale Betreung ab der 8. Lebenswoche gibt. Schon früh lernen die Little Giants rechnen und schreiben. Ein Ganztagsplatz kostet ca. 1.200 Euro. Anhand dramatischer Beispiele, wie einem siebenjährigen Marathonläufer, macht der Autor deutlich, dass die Kindheit schon seit Längerem kein Schonraum mehr ist. 

Wie gewohnt, enthält KiTa aktuell Baden-Württemberg 06.2016 kurze und knappe Regionalnachrichten. 


Kita aktuell BB-MV-SN-ST-TH-BE 06.2016

KiTa aktuell BB, MV, SN, ST, TH, BE 06.2016 zeichnet sich ebenso durch kurze und knappe Regionalnachrichten und einen Anzeigenmarkt aus. Die Artikel über "Väter in Kindertagesstätten" (Nelles) und über "Brennen statt auszubrennen!" (Babak Rafati) gibt es auch in dieser Ausgabe. 

Bernhard Eibeck, tätig beim Hauptvorstand der GEW in Frankfurt/Main, stellt einen Index für Inklusion in Kitas vor. Dieser wurde erstmals 2004 vom Centre for Studies on Inclusive Education in Bristol (England) vorgestellt und mittlerweile in 30 Sprachen übersetzt. Der Index ist eine Arbeitshilfe für die Praxis, er begleitet durch die Phasen des Prozesses (Auftauen, Verändern, Stabilisieren). 

Wie ein Chemnitzer Einzelfall Wirkung zeigt, schildern Jana Juhran, Anika Richter und Heike Herrmann, allesamt Mitarbeiterinnen im Modellprojekt Inklusion in Kitas. 

Seit kurzem liegt der neue Nationale Kriterienkatalog als Qualitätsgrundlage für die Qualitätsentwicklung in Kitas vor (Verlag das Netz). Das Fachbuch hierzu heißt "Pädagogische Qualität in Tageseinrichtungen für Kinder - Ein Nationaler Kriterienkatalog" und wird von Alexandra Hein vorgestellt. 

Kinder- und Familienzentren leisten Familienbildung, -information und -beratung. Beatrice Schüder und Sarah Girlich legen dar, was diese Zentren alles für Familien tun können: vom Erziehungsvortrag über "Trotzverhalten" über Informationen zu Freizeitangeboten und Großelterndienste bis zu Sprach- und Kulturmittlung. Z.B. gibt es in Leipzig 11 KulturmittlerInnen, die in Kitas und Horten helfen, Verträge und Essensanträge auszufüllen. Die Autorinnen betonen, dass es für migrantische Kinder wichtig ist, die nichtdeutsche Familiensprache gut zu lernen. Dann fällt nicht nur das Erlernen der Zweitsprache leichter, es wird auch die emotionale Entwickling gefördert, wie in KiTa aktuell BB, MV, SN, ST, TH, BE 06.2016 erklärt wird.  

klein & groß - Das Kita-Magazin 06/16

klein & groß - Das Kita-Magazin 06/16 hat sich das Thema gestellt: "Wie geht's weiter? Planung im pädagogischen Alltag". Sibylle Münnich gibt acht Impulse, die Sie einen Schritt näher zur gelingenden Planung bringen sollen. Dazu gehört unbedingt als Erstes das Entrümpeln, um Platz für Neues zu schaffen. Die Autorin gibt mit auf den Weg: "Planung ist wichtig, ebenso wie sich Freiräume zu erlauben. Auch Freiräume können und bei vollen Tagesabläufen müssen sie sogar geplant werden." Sie gibt zu bedenken, dass man sich frisch erholt aus dem Urlaub oft zu große Ziele steckt und andersherum, wenn man erholungsbedürftig ist, die Ziele zu niedig ansetzt. Hier sollten immer wieder zur Korrektur Zielüberprüfungszeitpunkte eingeplant werden. 

Ulrike Leubner zeigt, wie man mit Kindern gemeinsam plant und zusammen eine Mind-Map erstellen kann. 

Auch das gemeinsame Planen im Team kommt nicht zu kurz. Monika Willert, erfahren in Teamentwicklungsprozessen zeigt den Weg "vom Ich zum Du zum Wir". 

Wie halten Sie es mit dem Jahresthema - engt es ein oder strukturiert es das Jahr? Kerstin Hielscher hat hierzu kontroverse Meinungen eingeholt. Der einen ist das Jahresthema der "rote Faden" durch das Jahr, der anderen ist es zu unflexibel. 

In ihrem Blog widmet sich Tea der Abschlussfeier in der Kinderkrippe und gibt gute Tipps für Abschiedsfeste sowohl im Freien als auch im geschlossenen Raum. 

Sandra Schwarz experimentiert mit ihren Kindern gern mit Rasierschaum. Wichtig ist, dass der Schaum "extra sensitiv" ist (parfümfrei). Etwaige Allergien bei den Kindern müssen vorher abgeklärt werden. 

Bewegung und Entspannung sollten im Wechsel aufeinander folgen.Wie sie für den Wechsel von kleinen Bewegungsspielen zu ruhigeren gemütlichen Momenten sorgt, erklärt Andrea Erkert. 

Musik gibt viele Möglichkeiten, um mathematische Zusammenhänge zu erfassen, sagen Gerhard Friedrich und Viola de Galgóczy in ihrem anregenden Beitrag "Lass uns Mathe musizieren".

Inge A. Strunz stellt eine Kita vor, die sich auf dem Gelände eines Bauernhofes befindet. Die Kinder lernen dort die respektvolle, gefahrlose Kontaktaufnahme mit einem Tier. Sie werden vertraut mit dem Melken der Michkühe und dem Schlüpfen von Küken. Eine solche tiergestützte Arbeit erfordert zwingend eine Zusatzqualifikation. 

Im Beitrag "Wir fliegen" zeigt Petra Römling-Irek, wie man Flugzeuge aus Papier, aus Knete und Recycling-Material bauen kann. 

Die klein & groß Ideenkiste sorgt im Monat der Fußballeuropameisterschaft für einen "runden" Juni. Bei Kerstin Hielscher und Sibylle Münnich dreht sich alles um den Ball. 

Horst Küppers informiert über die Fühpädagogik im karibischen Inselparadies Curaçao/Willemstad.

Im Sommer findet in der Wingst bei Cuxhaven eine Zeltfachtagung für ErzieherInnen statt; Silvia Ingenfeld berichtet von der Tagung im Sommer 2015. 

klein & groß lädt ihre LeserInnen zur Mitarbeit und zum Einsenden von Beiträgen ein; die Kontaktadresse ist info@sibille-muennich.de. In der Rubrik "Momente, die bewegen oder aufregen" ist ein Gedicht von Bettina Rötzel über Erzieherinnen abgedruckt. 

Personalnotstand in Kitas ist uns als Thema so wichtig, dass wir den gleichnamigen Beitrag von Martin Cramer auf das Portal Frühe Bildung online übernommen haben. Cramer benennt die Grundlagen gelingender Arbeitsorganisation und macht deutlich, dass man mit zehn Wochen Ausfallzeit im Jahr pro Fachkraft rechnen muss (sechs Wochen Urlaub, zwei Wochen Krankheit, eine Woche Fortbildung, eine Woche Überstundenabbau). 

Manchmal ist die pädagogische Fachberatung Begleitung, manchmal "Feuerwehr". Sie ist Anwältin der Fachlichkeit, wie Johanna Nolte in ihrem Beitrag beschreibt. 

Die Kitarechtler Lars Ihlenfeld und Holger Klaus widmen sich einem Anliegen, bei dem die ErzieherInnen die abholende Person nicht immer zweifelsfrei identifizieren können, denn die Mutter ist eine Burka-Trägrein. Die Kitarechtler empfehlen, ein Codewort auszumachen, das immer wieder mit der Mutter vereinbart werden soll. Klappt dies nicht, müsste der Betreuungsvertrag gelöst werden, weil die Aufsichtspflicht nicht gewährleistet ist. 

klein & groß - Das Kita-Magazin 06/16 enthält viele Medientipps. 
 

TPS 4/2016

TPS 4/2016 hat den Schwerpunkt "Bücher entdecken". Christiane Benthin behandelt Kinder- und Jugendliteratur im ersten Ausbildungsjahr an der Fachschule für Sozialpädagogik. In Kooperation mit dem Deutschunterricht wird preisgekrönte Jugendliteratur der letzten Jahre durchgenommen. 

Das japanische Papiertheater Kamishibai habe ich erst durch TPS kennengelernt. Dieses Papiertheater - in einen leicht zu transportierenden Holzrahmen werden Bildtafeln eingeschoben - hat in Japan eine lange Tradition. Es eignet sich nicht nur für Kinder, sondern auch für Elternabende, bei denen man für mehrere Sprachen mehrere Bühnen aufbauen kann. Dies ist ein guter Einstieg für ein Gespräch über Sprachen (Guylène Colpron, Mechthild Dörfler). 

Materialien zu Kamishibai gibt es bei
www.edition-bracklo.de
www.puster-verlag.de
www.takagi-books.de
www.callicephale.fr
www.lirabelle.fr
www.editionspaloma.ch

Gabriela Wenke stellt die besten Kinderbücher aus den Jahren 2015/2016 vor. Sie schreibt auch über den schweren Weg, einfach ein Bilderbuch auszusuchen. 

Wenn sie circa drei Jahre alt sind, können Kinder Hintersinn entdecken und können sich in die Perspektive eines Anderen hineinversetzen. Gudula List erzählt, wie sie, entwicklungspsychologisch gesprochen, eine Theory of Mind ausbilden. An drei Beispielen zeigt sie Hintersinnn in Bilderbüchern. 

Vorlesen ist sehr wertvoll. Es schafft Nähe und Beziehung. Martina Hardenberg widmet sich dem Vorlesen sowohl in einer großen Gruppe wie auch im Einzelkontakt. Stephanie Lange widmet sich dem Lesestart. Wie können Eltern für das Lesen und Vorlesen inspiriert werden? Ein bundesweites Leseförderprogramm unterstützt die Arbeit mit Eltern in Bibliotheken, Arztpraxen und Grundschulen, die auch für Kindertagesstätten relevant sind. Die Stiftung Lesen und das Bundesministerium für Bildung und Forschung sind dabei federführend. 

Mehrsprachige Kinderbücher in der Kita werden von Martina Ducqué vorgestellt, Bilderbücher zum Thema Flucht und Vertreibung von Inge Pape.  

Birgit Schulze Wehninck und Sven Riemer schreiben über den Verein Buchkinder Leipzig. Er "hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum eigenen Ausdruck, zur eigenen Geschichte, zum eigenen Buch zu begleiten." Der Verein betreibt  den deutschlandweit einzigen Buchkindergarten; Näheres finden Sie hier

Ein Beitrag von Maren Risch Mit digitalen Medien ins Lesen starten beschreibt den aktuellen Stand der Mediennutzung von zwei- bis fünfjährigen Kindern, bietet pädagogischen Fachkräften Informationen zur medienpädagogischen Arbeit und zeigt Ideen für Eltern auf, die lese- und sprachförderlich wirken können. 

Herbert Vogt bespricht sehr positiv "Wie Kinder soziale Phantasie entwickeln. Ein Buch für alle, die mit Kindern leben" (Gudula List). 

Maren Bonacker gibt Tipps für Bilderbücher mit dem bei vielen Kindern beliebten schrägen Humor. 

TPS bringt auch andere Themen. In einer Serie über das Fotografieren geht es diesmal um das Recht am Bild (Jaqueline Bier). Ein Vordruck für eine Einverständniserklärung zur Veröffentlichung und Nutzung von Fotos ist in TPS bereit gestellt. 

Das Bundesfamilienministerium hat ein Gutachten Migration und Familie - Kindheit mit Zuwanderungshintergrund in Auftrag gegeben, um deren besonderen Unterstützungsbedarf zu identifizieren. Sonja A. Schreiner berichtet über die Befunde, z.B.: 
  • Kinder aus Migrantenfamilien nehmen weniger an PEKiP oder Eltern-Kind-Gruppen teil. 
  • "Die sozialen Netzwerke setzen sich zu einem großen Teil aus Angehöirigen derselben Herkunftsregion zusammen."
  • Wenn die Bildungseinrichtungen von MigrantInnen und Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft besucht werden, kommt es zu inter-ethnischen Freundeskreisen.
  • In den migrantischen Familien werden deutlich weniger Medikamente genommen, z.B. Ritalin.
  • "Im Jugendalter liegt das Suizidrisiko von Mädchen mit türkischem Hintergrund doppelt so hoch wie in der deutschen Vergleichsgruppe."
Johanna Mierendorff beschäftigt sich u.a. mit dem aktuellen Wandel der Landschaft öffentlicher Kindertagesbetreuung und dem Trend zu gewerblichen Trägern. Ihre Einschätzung: "Zu hochpreisigen Einrichtungen haben nur diejenigen Zugang, die über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügen. Dies führt zu einer weiteren "Entmischung" der Klientel..... Wenn eine solche Entwicklung mit der staatlichen Finanzierung verbunden ist, nämlich, dass Einrichtungen konkret Segregation zu ihrem Aushängeschild machen, staatliche Förderung erhalten, aber nicht mehr zu dem Solidarsystem 'Versorgung aller Kinder mit Bildung und Betreuung' beitragen, dann halte ich staatliche Förderung für nicht gerechtfertigt."

 In einem weiteren Beitrag ist die Bevölkerungspyramide von 1950 und die erwartbare von 2050 abgedruckt, so wird deutlichdie Überalterung der Bevölkerung deutlich. Tina Keller legt nahe, mehr intergenerative Arbeit zu leisten, so dass z.B. Kitas die SeniorInnen aus Seniorentagesstätten einbeziehen und umgekehrt auch Senioreneinrichtungen auf die Kitas zugehen und Bindungen herstellen. Ein Aufsatz, der Mut machen will, neue konzeptionelle Wege zu gehen!

Wie Kinder sich Dattelpalmen selbst gezogen haben, schildert Monika Schaarschmidt.

Buchtipops und Termine runden TPS 4/2016 ab. 

Wamiki - Das pädagogische Fachmagazin #2/2016

Wamiki - Das pädagogische Fachmagazin #2/2016 beschäftigt sich mit Genüssen. Erika Berthold hat eine Reportage "Bock auf Lernen" beigesteuert. Die australische Fotografin Donna Stevens hat Kinder beim Fernsehen porträtiert.
 
Michael Fink hat einer Wortklauberei "Genossen Geniessen" beigesteuert. 

Wamiki hat Antworten auf die Frage gesammelt: "Welche Genüsse lassen Sie kalt?" 

Angelika von der Beek bezieht Position: "Die Zeiten waren nie besser!" Sie lobt, "dass sich die Kitas von den 1980er bis in die 2000er Jahre unterhalb des Radarschirms der großen Politik befanden, entwickelten sich durch Fortbildung, Fachberatung und in Einzelfällen auch durch die Ausbildung und die Trägervielfalt Strukturen für eine kindorientierte Pädagogik, die der Schule weitgehend fehlen." Sie findet die pan-europäische Bewegung von Yanis Varoufakis sympathisch, www.diem25.org

Wamiki dokumentiert ein Fachgespräch von Claudia Spindler mit Anna Wimmer anlässlich des Festakts zu "100 Jahre ErzieherInnen-Ausbildung in städtischer Hand". Bei der Müncher Veranstaltung heben beide hervor, dass Lernen glücklich macht. Claudia Spindler bringt das glückliche Lernen am Beispiel des Laufen lernenden Kindes auf den Punkt. Das Kind übt gerade so, dass es Freude hat, dass die Freude überwiegt und es gönnt sich Pausen. Anna Wimmer reflektiert die 100 Jahre alte Ausbildung. Sie hebt die Tragfähigkeit der Vision hervor, Kindern sinnerfülltes Lernen für ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. 

Die vierjährigen Reggio Children des Kindergartens Ernesto Balducci haben sich mit dem Duftgarten beschäftigt und dazu Fotos gemacht. Die Drei-bis Sechsjährigen haben sich mit einer Geruchsmaschine beschäftigt. Die Gedanken und Theorien der Kinder hat Wamiki dokumentiert. 

Gerlinde Lill hat sich Gedanken über Mut und Glück gemacht; der Beitrag folgt ihrem Einstiegsreferat auf dem fünften bundesweiten Fachtag des Netzwerks Offene Arbeit Berlin-Brandenburg (NOA). Sie kennzeichnet Mut als elementaren Bestandteil pädagogischer Professionalität , wenn man den ErzieherInnenberuf so auffasst, Kinder in ihrem Streben nach Unabhängigkeit und Eigenständigkeit zu unterstützen. Dann braucht eine Erzieherin so viel Mut wie ein Feuerwehrmann oder wie ein Dachdecker. "Sei mutig!"  klappt nicht. Aber Gerlinde Lill sagt: "Mutig-Sein müsste in der Aus- und Fortbildung ebenso theoretisch begründet und praktisch geübt werden wie der Perspektivenwechsel, wie Einfühlung oder Selbstreflexion, um dermaleinst zum pädagogischen Repertoire zu gehören." Offene Arbeit hält sie für einen idealen Nährboden für Mut. 

Die Autorin kommt noch in einem anderen Beitrag zu Wort. Es geht um die "Kostehappen", bei denen Kinder von einer Speise zumindest ein Löffelchen probieren sollen. Lill möchte den Begriff "Kostehappen" und die dazugehörige Praxis am liebsten in der Versenkung verschwinden lassen. 

Was macht die Kuh im Kühlschrank ist eine Ausstellung zum Spielen und anders Denken rund um Energie und Umwelt. Sie eignet sich für Kinder zwischen drei und acht Jahren und Erwachsene und benötigt 200 qm Ausstellungsfläche. Das Wamiki-Heft #2/20126 stellt die Küche vor. Im Kühlschrank wohnt eine Kuh, deren Euter direkt an eine Milchflasche angeschlossen ist. Im Kühlschrank sitzt auch ein Huhn, das Eier legt, die direkt in die Pfanne fallen. Durch die Ausstellung stößt man auf Fragen, wie denn nun die Milch und die Eier in den Kühlschrank kommen. 

Karl Grünberg erzählt, dass die Berliner Forsten jedem Berliner Schüler zumindest einmal im Jahr einen Waldbesuch ermöglichen. Es gibt seitens der Forsten sieben Waldschulen in Berlin mit eigens ausgebildeten Pädagogen. Die Natur bietet viel: "Selbstbewusstsein, Wirksamkeit, Abenteuer, Entdecken, Motorik." ist die Meinung des Erziehungswissenschaftlers Helmut Schreier. Berlin hat 14 Waldkindergärten. "Der Wald macht die Kinder selig", ist die Erfahrung des Waldpädagogen Andreas.

Herbert Österreicher informiert über den Waschbären. 

In der Schule von Dunja Osianders Sohn (2. Klasse) sind Kochen und Backen der Renner. Die Gastronomie-Abteilung der Schule heißt "Genuss" und hat vier Köche, die den Kindern ab der 3. Klasse das Kochen und Backen beibringen. Mal, am "English day", gibt es britische Küche, mal gibt es Märchenküche wie Schneewittchens Apfel. Immer tönt coole Musik aus der Küche. 

Wamiki hat einen Comic über die Erlebnisse der Erzieherin Super-Uschi.  

Auch die Satire kommt in Wamiki nicht zu kurz. Hier kommen die Grundrechte für Mittelschichtskinder, formuliert von Michael Fink. Von ihm stammt auch die Glosse "Konjunktivistische Pädagogik - oder der Wenn- und Aber-Ansatz" (aus dem Lexikon ungeschriebener pädagogischer Ansätze). Vom selben Autor stammt die Kolumne "1 Euro Pädagogik".

Es gibt eine Pro & Contra Seite "Muss man Kindern Genuss vermitteln"  und das Gedicht "Der Knabe" von Rilke (keine Wamiki ohne Gedicht), darüber hinaus jede Menge Medientipps und ein Bilderrätsel.

Michael Kobbeloer hat in Wamiki #2/2016 20 Fragen formuliert, die man sich mal stellen kann.

Wamiki Themenheft Tod - Projekte mit Kita-Kindern

Tod ist ein Lebensthema. Erika Bethold und Gerlinde Lill haben dieses Wamiki-Heft gemacht. 

"Thema 'Tod'? Das ist doch nichts für Kinder. So die spontane Reaktion vieler Erwachsener. Dahinter steht der Wunsch, Kinder vor allen zu bewahren, das traurig machen oder beängstigen könnte, denn Kindheit soll möglichst unbeschwert sein."

Die Kinder aus der Gruppe von Yvonne Lohr gehen unbefangen an den Tod heran. Die Kinder sahen ein totes kleines Kaninchen, sozusagen ein Kaninchenkind, mitten auf dem Weg. Sie trugen es in die Kita, versorgten es mit einem Schuhkarton, der als Sarg diente. Sie deckten das kleine Tier mit Folie ab, damit sie es noch sehen konnten. Sie stellten sich Fragen wie "Ist die Seele noch da drin? Wie ist es im Himmel? Was machen Gangster da oben?" Die Antwort der Kinder: "Die haben keine Waffe mehr!"

Das Kaninchen verweste ein bisschen und roch zunehmend. So entschlossen sich die Kinder, es mit einer Notbeerdigung beizusetzen. Sie schmückten das Grab mit Steinen und Blumen. Ein türkischer Junge erfuhr bei der Gelegenheit von seiner Mutter, dass in der Türkei anders beerdigt wird als in Deutschland. 

Die Kinder wollten sich Gräber anschauen und gingen auf den Zentralfriedhof der Stadt. Sie wussten, dass sie leise sein und die Totenruhe achten müssen. Sie erfragten, wo ein Kindergrab ist, waren andächtig und hatten viele Fragen, warum und wie das Kind gestorben ist. 

Sie sahen auf dem Friedhof einen Grabbagger. Zurück in der Kita, hat jedes Kind gemalt, was es am meisten beschäftigt hat. Es kamen Bilder vom Grabbagger, von Engeln und Gräbern zustande. Die Kinder haben sich so auf die Beisetzung des Kaninchens vorbereitet, denn sie wollten es ja nicht bei einer Notbeerdigung bewenden lassen. Die Kinder waren auf dem Friedhof tief betroffen, konnten diese Betroffenheit aber auf dem Friedhof lassen. 

Die Kolleginnen der Autorin fanden das tote Kaninchen eklig und wollten sich dem Thema nicht widmen, weil es ihnen zu nahe ging. 

Die Erzieherin hat den Kindern ihren Wunsch erfüllt, dem Verwesungsprozess durch eine Plexiglasscheibe zuzusehen. Oft kam sie an ihre Grenzen und konnte den Kindern ihre Fragen nicht beantworten. Sie schufen ein Grab für das Kaninchen. es sollte auch einen Gedenkstein haben. der wurde aus Steinen aus dem Garten gebaut. Für die vielen unbeantworteten Fragen stellten die Kinder den Kontakt zu einem Seelsorger her. Sie schrieben ihm einen Brief. Einen weiteren Brief haben sie an die Kinder einer anderen Kita geschrieben, die sich wie sie sehr intensiv mit dem Tod beschäftigen. Mit deren Antworten haben sie sich auseinander gesetzt. 

Das Kitajahr ging zu Ende, die meisten Kinder kamen in die Schule. Dann kam der Tod wieder. Daniel, der Sohn einer  Erzieherin, verunglückte tödlich. Außerdem starb Vinzenz' Vater mit 48 Jahren einen Tag nach Vinzenz' Geburtstag. Vinzenz' Mutter, eine Krankenschwester, erklärte den Kindern die Todesursache. Die Kinder standen Vinzenz bei und nahmen auch an der Beerdigung und am Leichenschmaus teil. 

"Nachdem Vinzenz eingeschult worden war, kam er oft in den Kindergarten, weil da richtig über den Tod geredet wurde, nicht zu viel und nicht zu wenig."

Die Geschichten, die hier mit sehr vielen Auslassungen wiedergegeben werden, haben dazu geführt, dass die Kinder auf den Tod vorbereitet waren. Das Wamiki-Heft ist derart intensiv, dass es für eine Zusammenfassung nicht taugt. 

Die Kinder sind unbefangen an alle Fragen herangegangen, unterstützt durch offene Erzieherinnen, die sie begleiten.

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