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Rezensionen und Reviews
24.10.2016  Jörg Nitschke

Sexualpädagogik in der Vorschule

Besprochen wird das Buch von Lara Denz: Sexualpädagogik in der Vorschule. Die Bildungspläne der Bundesländer im Vergleich, erschienen im Hochschulverlag Merseburg, ISBN: 978-3-942703-52-9. Wir danken dem Autor, der diese Rezension für das Institut für Sexualpädagogik verfasst hat, für die Überlassung.
Zielsetzung der Arbeit von Lara Denz ist es herauszufinden, inwieweit die psychosexuelle Entwicklung von Kindern in den Bildungsplänen der 16 Bundesländer Deutschlands berücksichtigt wird. Die Bildungspläne bieten Tageseinrichtungen für Kinder einen Orientierungsrahmen und haben empfehlenden Charakter, eine gesetzliche Grundlage hingegen stellen sie nicht dar, da hier das Kinder- und Jugendhilferecht (SGB VIII) und die UN-Kinderrechtskonvention verpflichtende Regelungen geschaffen haben.

Zu diesem Zweck werden sieben Analysekategorien als Bereiche der psychosexuellen Entwicklung bestimmt und näher erläutert, welche Inhalte diesen zugeordnet werden können. Die Bereiche Körperwissen und -erfahrung, Geschlechtlichkeit, Selbstbild, Gefühle, Privatsphäre/Intimität/Grenzen sowie Fortpflanzung werden für die vergleichende Analyse herausgearbeitet. Eine siebte Kategorie „Allgemein” hilft anders nicht einzuordnende Inhalte sichtbar zu machen, z.B. Vorschläge für Spielmaterialien, Projektthemen etc.

Mit diesem Instrument untersucht Lara Denz die Bildungspläne der 16 Bundesländer, wobei es ihr nicht um die Aufdeckung von Mängeln, richtig oder falsch etc. geht, sondern darum, mit einer Bestandsaufnahme die durch die föderalistische Struktur bedingte Unterschiedlichkeit aufzuzeigen.

Lara Denz hat in den durchdeklinierten Analysekategorien viele wichtige Details herausgearbeitet, welche in Auswertung und Fazit nur noch punktuell Erwähnung finden können, jedoch ihre These von „fehlender Selbstsicherheit und Souveränität der Erzieher_innen” stärker gestützt hätten. So wird im Bildungsplan Brandenburg vorgeschlagen, auch „abgeteilte, nicht sofort einsehbare Nischen” einzurichten, um dann jedoch Nutzen, Sinn und Zweck dieser Maßnahme nicht weiter auszuführen. Eine andere Fundstelle greift Denz dann doch auf: Praxisorientierte Beispiele zur Umsetzung der Bildungsziele werden bewusst nicht gegeben… (Rheinland-Pfalz). Praktiker_innen wissen von Elternabenden und Teamfortbildungen, welche großen Unsicherheiten der Erzieher_innen gerade im Bereich frühkindlicher Sexualerziehung existieren. Insbesondere der „situationsangemessene, kreative” (Rheinland-Pfalz) Umgang der Erzieher_innen ist vielleicht humanistisch intendiert, kann hingegen in schärfster Konsequenz Fachkräften die Arbeitsplätze kosten. Schlussendlich spricht sich Lara Denz für Fort- und Weiterbildung aus, verweist auf das umfängliche Informations- und Materialienangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Notwendigkeit, Eltern eng in die (sexual-)pädagogische Arbeit einzubeziehen.

Mit dem Band liegt erstmals eine Analyse über die Schwerpunktsetzungen und Auslassungen in den Bildungsplänen der 16 Bundesländer im Bereich der psychosexuellen Entwicklung von Kindern im Vorschulalter vor. Die Orientierung gelingt äußerst gut, durch die eingangs beschriebene Kategorisierung ist die Arbeit sehr übersichtlich.

Der Band ist in der Reihe Sexualwissenschaftliche Schriften der Hochschule Merseburg erschienen. Hier werden besonders gute Qualifikationsarbeiten aus dem Lehr- und Forschungsschwerpunkt Angewandte Sexualwissenschaften publiziert, die den Fachkräften im Bereich sexuelle Bildung Anregungen für die Praxis liefern können. Die Schriftenreihe schließt damit eine Lücke an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis, auf weitere Publikationen darf gehofft werden.


 

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