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Perspektiven
22.01.2017  Hilde von Balluseck

Klo oder nicht Klo - Ist das die Frage?

In der Kita gibt es den Zwang für die Kinder, sauber zu sein, in der Schule begegnen den Kindern Toiletten in skandalösem Zustand.
Wenn Kinder mit drei Jahren einen Kitaplatz bekommen haben, beginnt für manche Eltern eine Stressphase, und zwar für diejenigen, deren Kind noch nicht "sauber" ist. Der oder die Kleine braucht also nach wie vor Windeln und geht nicht auf die Toilette.  Der Kinderarzt Ulrich Fegeler hält das für Unfug.  Wenn ein Kind mit drei Jahren noch nicht trocken ist, sei  dies kein Grund zur Beunruhigung, sondern völlig normal, auch wenn andere Kinder schon ihre Ausscheidungen unter Kontrolle haben. Fegeler rät daher betroffenen Eltern, gegen die Entscheidung der Kita vorzugehen, notfalls juristisch.

Wenn das Kind dann trocken ist und irgendwann in die Schule kommt, geht ein ganz anderer Stress los, und zwar für das Kind. Die Toiletten in den Schulen sind zum Teil in einem beklagenswerten, um nicht zu sagen: Ekel erregenden Zustand.  Ein Beispiel für solch einen Ort des Schreckens:
"Und dann klebt der Boden. ...Vorn, bei den Waschbecken fehlen die Armaturen,. Rohre ragen aus der Wand, Farbspritzer überziehen Fliesen. Die Kleckse sind noch im Zerrinnen getrocknet... Das  Fenster ist gekippt, der Geruch erscheint erst  scharf, dann säuerlich. Er nistet im Schimmel. Zwischen dunklen Rillen und rostenden Heizungsrohren" (aus der taz vom 21./22. Januar, Seite 21). 

Viele Kinder, vor allem Jungen, vermeiden, auf die Toilette zu gehen.  Das ist für den Verdauungsapparat schädlich und führt bei manchen von ihnen zum Urologen.  Der sagt: "Nicht regelmäßig auf die Toilette zu gehen, also etwa alle zwei  bis drei Stunden, kann zu einer Koordinierungsstörung der Blase oder zu Blasenkrämpfen führen. Manchmal tritt auch beides zusammen auf. Das wiederum kann Funktionsstörungen der Blase zur Folge haben: Manche Kinder verlieren Urin. Andere können ihre Blasen auf der Toilette nur noch teilweise entleerren. Dieses Fehlverhalten müssen sie sich dann wieder abtrainieren." (ebenda).  

Die Schultoiletten sind die Spitze eines Eisberges, denn die Schulen brauchen auch Mittel  für die Beseitigung von Barrierehindernissen, die Einrichtung von Energieeffizienz, digitale Ausstattung und Ganztagsbetreuung (ebenda, S. 20).

Verantwortlich für Ausstattung, Instandhaltung und Sanierung von Schulgebäuden sind die kommunalen Schulträger. 2014 gaben die Kommunen 13 Prozent ihrer Sachinvestitionen für Schulen aus, für 2015 waren 20 Prozent vorgesehen. Und München gab 2015 für das Sanieren von Toiletten in 129 Schulen 14 Millionen Euro aus. Das sind erkleckliche Summen, sie reichen aber bei weitem nicht aus. Denn allein in den Flächenländern (außer den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg) liegt der Sanierungsbedarf an Schulen insgesamt bei 38 Milliarden Euro. Und die Kommunen haben zu wenig Geld, ihre Schulden summierten sich 2015 auf 145 Milliarden Euro. Die Kommunen können Förderanträge an den Bund stellen (alle Angaben ebenda).  Es bleibt aber immer noch zu wenig, um die Sanierungen schnell zu realisieren.

Es gibt ein großes Getöse um die Bildung der Kinder - und am Trivialsten, einem sauberen, gut riechenden Klo fehlt es. In einem reichen Land wie Deutschland darf man das wohl als Schande bezeichnen.

Foto: asierromero/Fotolia
 

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