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Kindliche Entwicklung
29.01.2017  Hilde von Balluseck

Kinderschutz erst ab Geburt? Das fetale Alkoholsyndrom (FAS)

Es ist bekannt, dass Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ein schwerwiegendes Risiko für die embryonale Entwicklung darstellt.
Die Folgen für das ungeborene Kind sind katastrophal: es ist lebenslang behindert, je nachdem, wieviel und wie oft die Mutter Alkohol konsumiert hat. Bei suchtkranken Müttern wäre ein Entzug spätestens zum Zeitpunkt der Erkenntnis der Schwangerschaft anzuraten. Aber was ist, wenn die Mutter sich weigert, die Gefahr anzuerkennen oder aufgrund ihrer Sucht nicht aufhören kann zu trinken?

In einer Arbeitsgruppe der Tagung des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen zum Thema "Interdisziplinäre Versorgung von Kindern psychisch kranker Eltern aus Sicht der frühen Hilfen" am 27. Januar klagte die Mitarbeiterin einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle, dass sie nicht wisse, was dann zu tun sei. Eine andere Teilnehmerin kam ihr zu Hilfe: Sie berichtete, dass ein Gericht in Berlin entschied, eine werdende Mutter könne nicht zum Entzug gezwungen werden, denn für das Ungeborene gelte der Kinderschutz nicht.

Man könnte einwenden, dass das Gleiche bei einer Abtreibung gilt. Auch hier wird das Wohl des Kindes, sein Leben, dem Wunsch der Frau untergeordnet.

Aber im Falle eines Schwangerschaftsabbruchs ist die Situation eine grundlegend andere. Wenn eine Schwangere aufgrund ärztlicher Diagnose weiß, dass sie ein behindertes Kind bekommen wird, kann sie eine Abtreibung vornehmen lassen. Denn es ist die Mutter,, deren Leben am meisten durch die Verantwortung für das Kind beeinflusst wird, Von daher muss sie das Recht haben, in der Frühschwangerschaft "Nein"zu diesem Kind zu sagen.

Bei Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist der Konflikt ein anderer. Es geht ausschließich um die Entscheidung für oder gegen die eigene Sucht. Wer sich für die Sucht entscheidet, entscheidet sich gleichzeitig gegen die Gesundheit des eigenen Kindes. Dies darf keine freie Entscheidung sein - die seelischen und körperlichen Kosten für das Kind und die finanziellen Kosten für die Gesellschaft sind zu hoch. 

Sollte nicht eine alkoholkranke Frau während der Schwangerschaft, Hilfe beim Entzug bekommen - notfalls per Zwang?

Foto: Millaf/Fotolia

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