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02.02.2017  Hilde von Balluseck

Ich hatte einen Traum

Kürzlich erzählte mir Denise, Erzieherin in einer Kita, wie schwierig es sei, die vielen Flüchtlingskinder in den Gruppen zu integrieren. Sie arbeitet in einem sozialen Brennpunkt, wo auch viele deutsche Familien auf Hartz IV angewiesen sind. Denise war ziemlich verzweifelt, weil sie sich den Anforderungen kaum gewachsen fühlte.
Nach diesem Gespräch ging ich ein wenig deprimiert nach Hause und fragte mich, wieso schon in unserem reichen Land die Hürden zu hoch sind, die frühe Bildung qualitativ hochwertig auszugestalten.

In der Nacht hatte ich einen Traum.

Ich traf Denise, die mir erzählte, was sich alles verändert hatte. Es war Friede in der Welt, die Waffen schwiegen. Die wirtschaftlichen Konzerne arbeiteten mit den Regierungen zusammen,  das Ziel maximaler Gewinne war dem Schutz der Natur und den anderen Bedürfnissen der Menschen untergeordnet. Deswegen hatten sich die Lebensbedingungen vor allem in den armen Ländern so verbessert, dass alle Menschen  bleiben konnten, wo sie lebten, und nur auswanderten , wenn Ausbildung oder Beruf es verlangten.  

In allen Ländern gab es ausreichend und hoch qualifiziertes Personal in den Kinderhäusern   - ErzieherInnen für die Kleineren, LehrerInnen für die Größeren.  Die Digitalisierung war so weit fortgeschritten, dass Kinder auch außerhalb der Kinderhäuser  Zugang zu hochwertigen Bildungsangeboten hatten.

Die sozialen Unterschiede waren überall nur noch gering.  Die pädagogischen Fachkräfte konnten ihre Energie darauf verwenden, die Entwicklung der Kinder zu fördern.  

Denise  berichtete von den gesetzlich festgelegten Qualitätsstandards im Kinderhaus, auf deren Umsetzung Fachkräfte, Eltern und die älteren Kindern gemeinsam achteten. So zogen alle an einem Strang und konnten in den Sozialraum hineinwirken.

Denise war stolz auf ihren Beruf und ihre Arbeit  - so kannte ich sie bisher nicht. Sie wusste um ihren Wert,  weil sie - ebenso wie eine Lehrerin - so viel verdiente wie eine Professorin.   

Was für eine schöne Welt!

Ich wachte auf,  rieb mir die Augen und stellte fest: Es war nur ein Traum.  Und ich muss mich, wie Denise, damit begnügen, aus den gegebenen Verhältnissen das Beste zu machen.

Dieser Text erscheint zeitgleich in der aktuellen Ausgabe von Meine Kita.
 
 

 

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