Anmelden
Rezensionen und Reviews
31.03.2017  Christiane Hartmann

Neues für die Kita 3/2017

Wir informieren über die Inhalte der Kita- Fachzeitschriften und damit über aktuelle Themen und neue Ansätze in der Frühpädagogik. Der Überblick umfasst insgesamt 14 Zeitschriften mit monatlicher bis vierteljährlicher Erscheinungsweise, die für die Frühpädagogik relevant sind. Aus allen besprochenen Zeitschriften werden Artikel für www.fruehe-bildung.online ausgewählt und hier veröffentlicht. Die Redaktion dankt allen Verlagen und Redaktionen, die sich zu dieser einmaligen Form der Kooperation und der Information bereit erklärt haben und wünscht eine anregende Lektüre.
Wir berichten über die neuen Ausgaben der Zeitschriften Betrifft KINDER, frühe Kindheit, kinderleicht!?, KiTa aktuell Baden-Württemberg, KiTa aktuell BB-MV-SN-ST-TH-BE, KiTa aktuell Recht, TPS, Wamiki und Welt des Kindes.

Ruhen und Schlafen

So heißt das Thema von TPS Leben, Lernen und Arbeiten in der Kita 2/2017. Herbert Renz Polster macht klar, dass bei allen Lebewesen der Schlaf unter dem Oberthema "Sicherheit" steht. Die Kinder müssen sich in der Kita bei ihren ErzieherInnen sicher fühlen, damit sie schlafen können, erklärt er in seinem Beitrag Kinderschlaf in Einrichtungen. "Bei einem müden Kind aktiviert sich das Bindungssystem, das heißt, es sucht jetzt die Nähe zu vertrauten Beziehungspersonen und es sucht die bekannten, sicheren Abläufe.... Vielen Kindern reicht allein schon die Anwesenheit anderer Kinder, um ruhig zu werden - da schwingt wohl noch das evolutionäre Erbe in ihnen mit, dass wir im Schutz der Gruppe sicher und geborgen sind."

Elisabeth C. Gründler weist auf die Vorteile des Draußen-Schlafens für Babys und Kleinkinder hin - im Winter wie im Sommer. Dies war eine Praxis von Emmi Pikler in ihrem Säuglingsheim in Budapest, das war auch in vielen Krippen und Kitas der DDR gern geübte Praxis. Über die rechtliche Seite von Schlafkindern klärt Tanja von Langen auf. Z.B. sollte natürlich die Bettwäsche personengebunden verwendet werden. In Krippen gilt, dass Schlafaufsicht ein Qualitätsmerkmal ist. 

Wie sich Schlafsituationen für Krippenkinder pädagogisch gestalten lassen, beschreiben Maren Kramer und Dorothee Gutknecht. Sie weisen auch auf Familienkulturen hin, in denen eine längere "Siesta" üblich ist. Dort geht man später zu Bett und der Nachtschlaf ist kürzer. Es ist sinnvoll, neugierig und interessiert die Eltern nach ihren Erfahrungen zu fragen, wie auch Kariane Höhn in ihren Impulsen für die Reflexion betont. Nach übereinstimmendem Urteil aller Expertinnen sind für die sogenannten Mikrotransitionen eine täglich gleichbleibende Abfolge klar strukturierter Stationen, Wege und Handlungsprozesse hilfreich. 

Rosy Henneberg zeigt, wie man in der Kita Schlaf- und Ruheorte für Kinder gestalten kann. Zu den selbstbestimmten Schlaforten gehören ein frei gewählter und selbst eingerichteter Schlafplatz auf dem Fensterbrett genauso wie ein Kuschelnest mit Decken, Kissen und Kuscheltier. Sie beschreibt, wie man einem Kind den Mittagsschlaf nahe bringen kann, ohne es zu zwingen. Ein Beispiel: "Wenn wir merken, dass ein Kind müde ist, es aber gerade nicht selbst wahrnimmt, legen wir uns einfach selbst hin und fragen, wer sich mit uns zusammen ausruhen will."

Wie man Orte zum Entspannen, Schlafen und Kuscheln innenarchitektonisch gestalten kann, haben Janina Heilmann, Sabrina Kreher und Julia Schölch auch mit einer Fotostrecke dargestellt; in die gleiche Richtung zielt auch Sarah Bohnes, die auch an den Sinn und die Wirkung von Ritualen erinnert. Bevor die Kinder in den Schlafraum gehen, bekommt jedes einen kleinen "Traumtropfen" duftendes Öl auf die Hand. 

Was gar nicht geht, ist Schlafzwang. Dies erzeugt bei Kindern Stresshormone, woran Edeltraud Prokop erinnert. 
Sie betont auch die Bedeutung von Übergangsobjekten wie Stofftiere, Tücher, Windeln, Kissen und Schnuller. 

In anderen Kulturen wird anders geschlafen, verdeutlicht Heidi Keller in ihrem Beitrag: "Ein Baby alleine in einem Bett und womöglich noch in einem eigenen Zimmer ist ... eine Vorstellung, die die Mehrzahl der Familien auf diesem Planeten für Kindesmisshandlung hält." Sie macht klar, dass Essen und Schlafen in den Kindertageseinrichtungen kulturelle Praktiken sind und man gut daran tut, die Familien zu fragen, wie sie es zuhause halten. 

Auffälligkeiten des Kinderschlafs von Einschlafschwierigkeiten bis Schlafwandeln werden von Maren Kramer und Dorothee Gutknecht abgehandelt. Sie geben auch einen Literaturtipp für das Netz: auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin ist ein Patientenratgeber für Schlafstörungen bei Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen downloadbar

Wenn die sie Betreuenden selbstfürsorglich mit sich umgehen, können die Kinder am Modell lernen. Claudia Frey verweist auf die wichtige Rolle der Vorbilder. Sie liefert auch Ideen, wie man die Kinder bei ihrer Selbstregulierung unterstützen kann durch Rückzugsorte überall im Haus:
  • "ein Strandkorb im Flur
  • ein Kastanienbett im Naturforscherbereich
  • ein gemütliches Sofa in der Bibloithek
  • leichte Matten in den Gruppen- bzw. Funktionsräumen
  • eine Höhle unter der Treppe."

Zeit, Rhythmus und Takt

Das pädagogische Fachmagazin Wamiki #1/2017 widmet dem Thema Zeit ein ganzes ansprechendes, inspirierendes, im besten Sinne verstörendes Heft, aufgegliedert in Zeit nehmen! Zeit geben! Zeit teilen! Auf dem Portal Frühe Bildung online finden Sie die Dokumentation eines alltagsphilosphischen Gesprächs zwischen Christa Preissing, Udel Best und Erika Berthold über Eigensinn und Eigenzeit. Hier eine Wunschvorstellung von Erika Bertold aus diesem Gespräch: "Ich war mal in einer Kita, da stand im Flur ein großer Ohrensessel, auf dem eine Erzieherin saß. Als Fels in der Brandung, als Ansprechpartnerin der Kinder oder Eltern, als sicherer Hafen." 
So eine Erzieherin muss unbedingt eine sein, die Offenheit für den gegenwärtigen Augenblick ausstrahlt!

Wir sprechen vom Raum als "drittem Erzieher". Aber die Zeit ist der "vierte Erzieher", philosophiert Micha Fink in seiner Wortklauberei. Zum Nachdenken über Zeit gehört auch, die letzte Zeit Revue passieren zu lassen. Eine Umfrage von Wamiki behandelte die Frage: "Was war für dich die innovativste Neuerung in der Frühen Bildung in den vergangenen 30 Jahren?" Und Michael Kobbeloer hat Fragen formuliert, die man sich mal selbstreflexiv stellen kann, z.B.: 
  • "Wieviele Stunden müsste ein optimaler Tag haben?
  • Wie viel Zeit haben Sie wirklich noch für die wichtigen Dinge?
  • Gott hat in sechs Tagen die Welt erschaffen - warum brauchen Sie allein für ihre Konzeption drei Jahre?
  • Haben Sie die schönsten Berufsjahre schon hinter sich, oder kommen die noch?
  • Wie schaffen Sie es, schöne Momente zu verlängern und schlechte zu verkürzen?
  • Woran scheitern Sie öfter: an zu wenig Mut oder zu wenig Zeit?"

Rhythmus und Takt sind der Schwerpunkt von kinderleicht!? 2/17. Albert Horbach sieht Rhythmus und Takt aus entwicklungspsychologischer und neurobiologischer Sicht. Wie oft sagt man zu einem kleinen Kind: Drömel nicht so rum! Dabei bestehen die Gehirnwellen bei Kindern bis vier Jahren überwiegend aus Theta-Wellen (Traumzustand). Albert Horbach konstatiert: "Sie leben daher in ihrer eigenen Welt, in ihrem Rhythmus - unseren Takt müssen sie erst (mühsam) lernen."

Takt gibt einerseits den Schlag an, z.B. in der Musik, z.B. beim Rudern. In der nationalsozialistischen Säuglingserziehung (Johanna Haarer) wurde das Baby schon von Anfang an in Taktzeiten gepresst. Takt bedeutet aber auch Feinfühligkeit des Umgangs und Respekt. Winfried Böhm gibt zu bedenken: "Wie sollen Kinder später taktvolle Erwachsene werden, wenn sie in ihrer Erziehung von klein auf nur getaktet wurden?"

Sonja Eiden macht an vielen Beispielen deutlich, in wie hohem Maß Sprache und Kommunikation von Rhythmus beeinflusst sind. Rhythmus, z.B. der Rhythmus beim Trommeln, steht auch für Selbstwirksamkeit, Autonomie. Die Kinder können schließlich selbst etwas bewirken!

Auch die Logopädin Dorothea Beckmann macht klar, dass die rhythmischen Elemente der Sprache das Erste sind, was Kinder wahrnehmen. Rhythmisierte Sprache, wie in Fingerspielen, Liedern, Gedichten und Reimen, macht den Spracherwerb leichter. Aber in jedem Fall benötigt Sprachentwicklung Zeit, Ruhe und zugewandte Aufmerksamkeit. Zeit brauchen auch stotternde Kinder. Die Bilderbücher "Fritzi und Wolle" und "Der kleine Drache Lavazahn", beide aus dem Demosthenes-Verlag der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e.V., wurden sehr positiv besprochen. 

Selbstfürsorge für Erzieherinnen

Die Wamiki-Ausgabe über Zeit kann man nicht nur vom Kind aus lesen, sondern in weiten Teilen auch als Inspiration zur Selbstfürsorge für ErzieherInnen und LehrerInnen, siehe die o.g. Fragen. Auch kinderleicht!? behandelt die Selbstfürsorge. Martina Schäfer gibt in kinderleicht!? 2/17 Hinweise zur Burn-out-Prävention in der Kita. Sie verdeutlicht die Symptome auf individueller Ebene, auf zwischenmenschlicher Ebene und auf Organisationsebene.

Sandra Brodtmann lehrt die Praxis der Achtsamkeit, die für spürbar mehr Gelassenheit und Freude im beruflichen Alltag sorgt. 

Die Kindheitspädagogin Hoa Mai Tran thematisiert in KiTa aktuell BB, MV, SN, ST, TH, BE 03.2017, wenn die Arbeit in der Kita zur Belastung wird. Sie berichtet von der quantitativen Studie "Stress und Gesundheit von pädagogischen Fachkräften in Kitas" (2015-2016, in der 99 pädagogische Fachkräfte befragt wurden. Beklagt wurden die Menge der verschiedenen Anforderungen, hoher Erwartungsdruck, hoher Zeitdruck, der Personalmangel und der Lärm. 

Und die Jüngsten?

Welt des Kindes 2/2017 setzt diesmal den Schwerpunkt bei den Jüngsten. Wie lernen die Jüngsten? Petra Evanschitzky nimmt die Bildungswege, Grundbedürfnisse und Handlungsmotivationen von Kindern in den ersten drei Lebensjahren in den Blick. Und Gerlinde Ries-Schemainda schildert im Gespräch mit Thomas Thiel, wie offene Arbeit mit den Jüngsten in ihrer Einrichtung umgesetzt wird. 

Wie Fachschulen und Fachakademien Erzieherinnen auf die Arbeit mit den Jüngsten vorbereiten, erläutert Ludger Mehring (Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der katholischen Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher). 

Micaela Marohn, Leiterin einer Münchner Kinderkrippe, lud zu einem etwas anderen Elternabend ein. Die Eltern wurden von den Erzieherinnen und Erziehern mit den Namen ihres Kindes angesprochen und zum Spielen und Entdecken motiviert und mitgenommen. Es war ein voller Erfolg!

In ihrer Bachelorarbeit (Kindheitspädagogik) untersuchte Catharina Becker Peer-Interaktionen von Krippenkindern. In Betrifft KINDER 03/2017 berichtet sie von ihren Ergebnissen, der Kommunikation von Anfang an und z.B. den vielen Möglichkeiten sozialen Lernens, die sich im Parallelspiel zeigen. Im selben Heft schreibt auch die Kindheitspädagogin Kira Daldrop über Kleinstkinder in der Gruppenbetreuung. Es geht ihr darum, wie Fachkräfte die Herausforderung der gerechten Betreuung im Spannungsfeld zwischen Individualität und Gruppe meistern können. 

Krippenprojekte werden von der neuen Studie "StimtS. Stimulation oder Stress?" auf den Prüfstand gestellt. Projektmitarbeiterin Kristin Stammer berichtet im Gespräch mit Barbara Leitner (Betrifft KINDER), dass wir in ca. einem Jahr über signifikante Ergebnisse zum Wohlbefinden der Kinder verfügen können. 

Kornelia Schneider widmet sich dem Forschen von Kindern in den ersten Lebensjahren und würde sich freuen, wenn LeserInnen ihr Beispiele zuschicken würden: An kornelia.schneider@frueh-lernwerk.de.

Auch Krippenkinder haben schon Spaß an Projekten. Bei der Themenfindung kommt es vor allem darauf an, durch genaue Beobachtung die aktuellen Vorlieben und Interessen der Kinder zu ermitteln (Petra Ahrens und Monika Klages in Betrifft KINDER 03/2017).

Rechtliches

In KiTa aktuell Recht 02.2017 gibt Jörg Maywald einen Überblick über die Kinderrechte (u.a. aus UN-Kinderrechtskonvention und aus der EU-Grundrechtscharta, aus dem Familienverfahrensrecht und den SGB VIII). Maywalds Fazit: "Die Orientierung an den Rechten des Kindes auf Beteiligung, Schutz und Förderung ist ein zentraler Baustein guter Qualität aller mit Kindern tätigen pädagogischen Fachkräfte."

Die rechtlichen Grundlagen für Kinder mit Fluchterfahrungen in der Kita erläutert Anna Maria Hoffmann:
  • ​§ 3 Abs. 1 AsylG - Definition der Flüchtlingseigenschaft
  • UN-Kinderrechtskonvention gibt Recht auf Bildung und Spiel, auf eine gewaltfreie Erziehung sowie auf Beteiligung und Meinungsfreiheit
  • § 24 SGB VIII gibt den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz bei "gewöhnlichem Aufenthalt" im Inland.
Muslimische Kopftücher in kommunalen Kitas sind jetzt zulässig. Joachim Schwede informiert über den einschlägigen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 18.10.2016. Er gibt in einem weiteren Artikel einen Überblick über verschiedene arbeitsrechtliche Entscheidungen. 

Die Steuerberaterin Vera des Hesselle hat über den Gewerbebetrieb Kindertagesstätte geschrieben und geht den Fragen nach: Ist der Betrieb einer privaten Kindertagesstätte die Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit? Oder handelt es sich um gewerbliche Einkünfte mit der Folge der Gewerbesteuerpflicht?

Bundestagswahl 2017

Die Redaktion von KiTa aktuell Recht 02.2017 hat unterschiedlichen Menschen aus dem Kita-Alltag Fragen zur kommenden Bundestagswahl gestellt. Was hat die derzeitige Regierung für die Kitas getan? Welche Änderungen wünschen sich die Befragten?

Willkommenskultur

Jens Hoffsommer von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung spricht im Interview mit Welt des Kindes 2/2017 über Besonderheiten in der Betreuung von Kindern mit Fluchterfahrung und das sächsische Programm "Willkommenskitas". 

In KiTa aktuell Recht 02.2017 und in KiTa aktuell Baden-Württemberg 03/2017 informiert der Psychologische Psychotherapeut Andreas Schulz über Transgenerative Trauma-Weitergabe. Traumatische Erlebnisse können die Lebensgestaltung ganzer Familien beeinflussen. Noch Generationen später weisen Menschen auffällige Verhaltensweisen auf, die sich auf die traumatischen Erlebnisse ihrer Großeltern zurückführen lassen.

Chancengleichheit

Wenn Eltern an einer psychischen Erkrankung wie Depression oder Sucht leiden, sind nicht nur sie betroffen, sondern häufig sind damit auch die Entwicklungsbedingungen der Kinder erheblich belastet. Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen nahm das Thema bei einer interdisziplinären Tagung in den Blick. Marita Völker-Albert berichtete darüber in Welt des Kindes 2/2017, Hilde von Balluseck auf Frühe Bildung online.

Über den Schutz vor sexuellem Missbrauch in Familien mit Migrationshintergrund schreibt Parvaneh Djafarzadeh in Kita aktuell Recht 2/2017. Der Beitrag beruht auf den Erfahrungen und Erkenntnissen aus der interkulturellen Elternarbeit bei AMYNA e.V., einem Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch (siehe auch ihren Beitrag auf Frühe Bildung Online).

Möglichkeiten, wie man armutssensibles Handeln in der Kita etablieren kann, benennt Claudia Weigelt in KiTa aktuell BB, MV, SN, ST, TH, BE 03.2017: "Inklusive Angebote in Kindertageseinrichtungen, die Eltern unterstützend begleiten, reichen vom offenen Elterncafé über präventive Elternkurse bis hin zum integrierten Beratungsangebot. Kostenfreiheit der Angebote ist ein zentraler Aspekt, um Familien den Zugang zu ermöglichen."  

Die Kita "Kleine Krampe" in Bielefeld ist eine von 1.700 plusKITAs in NRW. Sie gibt vielfältige Impulse für Chancengleichheit. Barbara Leitner hat für Betrifft KINDER 03/2017 aufgeschrieben, wie Vertrauen wächst

Kita-Leitung

KiTa aktuell Baden-Württemberg 03/2017 und KiTa aktuell BB, MV, SN, ST, TH, BE 03.2017 fragen: Sie als Kitaleitung "kennen das auch? Eltern verunsichern Sie, weil sie Ihr pädagogisches Konzept mit Verhemenz oder geballter Kraft auf Elternabenden anzweifeln? Ihr Team verunsichert Sie, weil es Ihre Entscheidung nicht gutheißt und Sie das tagelang spüren lässt? Kinder bringen Sie zum Zweifeln, weil Sie bei manchen Verhaltensauswüchsen der heutigen Zeit das Gefühl haben, Sie hätten das Handwerk nicht gelernt? Ihnen ist alles oft zu viel und Sie fragen sich, wie Sie den Berg der vor Ihnen liegenden Herausforderungen überwinden sollen?" Die Leadership-Expertin und Autorin Maren Lehky gibt einige Tipps:
  • den Zweifler neben sich bzw. in sich als kleinen Freund betrachten
  • Bei Kritik durch die Eltern entspannt sich die Situation, wenn man sagt: "Danke für Ihren Beitrag, wir nehmen das mal auf"
  • Bei Verbesserungsvorschlägen und Zweifeln der Eltern: "Interessanter Vorschlag, ich werde das mal im Team besprechen."
  • überzeugende Körpersprache und Reden mit kräftiger Stimme
  • "In verantwortungsvollen und menschennahen Berufen müssen wir grundsätzlich lernen, unseren Brunnen, aus dem wir täglich munter schöpfen, auch regelmäßig wieder aufzufüllen, damit er nicht austrocknet."
"Fehler sind zum Lernen da!" ist eine Führungsphilosophie, die Roland Straube in Welt des Kindes 2/2017 vermittelt. Durch Fehler lernen wir schließlich, besser zu werden. Er geht sogar so weit, dem/r Schuldigen für einen Fehler zu danken, weil er/sie uns die Chance gegeben hat, in Abläufen, Haltung oder Ziel besser zu werden. 


Substanzmittelmissbrauch in der Schwangerschaft und die Folgen für die Kinder

Diesem Thema widmet sich frühe Kindheit - die ersten sechs Jahre 01/17 sehr breit aufgestellt. Bei Substanzmittelmissbrauch in der Schwangerschaft ist in erster Linie die Schädigung des Ungeborenen durch Alkohol zu nennen. Hans-Ludwig Spohr, Leiter des Zentrums für Menschen mit angeborenen Alkoholschäden, Campus Virchow-Klinikum, Charité-Universitätsmedizin Berlin, berichtet über das fetale Alkoholsyndrom im Kindes- und Erwachsenenalter. Juliane Spiegler, die über Substanzmittelmissbrauch in der Schwangerschaft und die Folgen für die Kinder schreibt, hält fest, dass sich einige Sozialpädiatrische Zentren auf die Betreuung von Kindern mit Alkoholspektrumstörung spezialisiert haben. "Im Erwachsenenalter ist die Versorgungslage deutlich schlechter, ein seit vielen Jahren etabliertes Zentrum in Berlin (Evangelischer Verein Sonnenhof) betreut junge Erwachsene." Hingewiesen sei auch auf den Verein FASD Deutschland e.V., der Kinder, Jugendliche und erwachsene mit FASD fördert. Für die Schwangerschaft wird von allen Seiten absolute Nüchternheit nahe gelegt. In diesem Sinne wird auch das vielfältige Informationsmaterial der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wirksam. Eine Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien ist NACOA Deutschland

Welche Folgen Drogensucht in der Schwangerschaft für das ungeborene Kind zeitigt, hat Eva Robel-Tillig notiert (siehe auch: Kinderschutz erst ab Geburt?). Zu erwarten ist beim Baby ein neonatales Abstinenz-Syndrom. "Diese Kinder entwickeln häufig ausgeprägte Anpassungsstörungen, schreien schrill, vertragen die Nahrung nicht, können Krämpfe bieten und gedeihen aufgrund des hohen Kalorienverbrauchs durch die ständige Unruhe sehr schlecht." Martina Tödte referiert die Belastungen drogenabhängiger Frauen und benennt Unterstützungsmöglichkeiten. Dabei bedeutet Verstehen nicht, einverstanden zu sein. und Verständnis entwickeln bedeutet nicht, zu entschuldigen. Besonders wichtig für ErzieherInnen ist eine Information über Hilfen für Kinder suchtmittelabhängiger Eltern (Martina Stilhammer und Diana Fiedler). Diese Kinder tragen "ein sechsfach erhöhtes Risiko, selbst eine Suchtmittelabhängigkeit zu entwickeln und außerdem tragen sie ein deutlich höheres Risiko, zusätzliche psychische Erkrankungen zu entwickeln." Typisches Anpassungsverhalten der Kinder sind die Übernahme einer Rolle als Held, als schwarzes Schaf, als verlorenes oder stilles Kind oder last not least als Clown oder Maskottchen. 

Die ökonomische Situation von Kindern aus Suchtfamilien wurde von Tobias Effertz beleuchtet. 

Das Wissen über Suchterkrankungen fließt notwendigerweise auch in die Weiterbildung zur Familienhebamme ein (Rahel Dreyer und Solvig Höltz). Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler MdB stand Jörg Maywald für ein Interview zur Verfügung. Ihr Anliegen ist, Kinder stark zu machen, so dass sie "Nein" zu Drogen sagen. 

Was noch?

Welt des Kindes liegt stets ein SPEZIAL bei mit Tipps für die Praxis. Diesmal wird im SPEZIAL das Kneippen mit Kindern besprochen. 

In KiTa aktuell Baden-Württemberg 03/2017 thematisiert E. Marlene Weinmann Ängste von Müttern beim Kita-Eintritt. Eva Born-Rauchenecker und Doris Drexl geben im selben Heft neue Impulse für die Erzieherinnenausbildung hinsichtlich naturwissenschaftlicher Bildung (vgl. dazu auch das Interview mit Hilde Köster). 

Franziska Cadmus und Annika Steven haben in KiTa aktuell BB, MV, SN, ST, TH, BE 03.2017 einmal genauer hingeschaut, wie sich die Raumgestaltung in Kitas auf das Wohlbefinden von Kindern und ErzieherInnen auswirkt. Im gleichen Heft wird von Birgit Grämke problematisiert, wenn Eltern das Smartphone wichtiger ist als das Kind. 

Warum und wie sich die Hamburger Lorenzini Kunst-Kita von ihrem fest installierten Stuhlkreis verabschiedet, beschreibt Marion Tielemann in Betrifft KINDER 03/2017. 

In vielen Kulturkreisen beginnt das neue Jahr mit dem Frühling. Die verschiedenen Bräuche der Kurden, Perser und Bahai zum Jahreswechsel stellt Kirsten Dietrich in Betrifft KINDER 03/2017 vor. 

Last not least: ohne Frieden ist alles nichts. ErzieherInnen tragen gesellschaftliche Verantwortung für das Bildungsziel Frieden. Susanne Günsch schreibt darüber in Betrifft KINDER 03/2017
 

Foto: Fotolia # 60789752 Christian Müller

P.S.: Wenn Sie über den nächsten Bericht "Neues aus den Kita - (bzw. Grundschul-)Fachzeitschriften" und viele andere Inhalte des Portals Frühe Bildung Online informiert werden möchten, abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter.



Teilen auf
Teilen auf Facebook