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Kita
28.04.2017  Karsten Herrmann

KiTa-Leitungskräfte beklagen mangelnde Wertschätzung und Unterstützung durch Politik

Die neue DKLK-Studie (vormals BeWAK-Studie) untersucht, wie sich die aktuellen und oftmals ungenügenden Rahmenbedingungen und aktuelle Herausforderungen wie zum Beispiel die Aufnahme von Kindern mit Fluchterfahrungen auf die Arbeit der pädagogischen Fach- und Führungskräfte in KiTas auswirkt. Auf die insgesamt 10 Fragen rund um die Wertschätzung und Anerkennung von KiTa-Leitungen haben rund 2.500 Leitungskräfte online geantwortet. Wissenschaftlich begleitet wurde die repräsentative Studie von Prof. Dr. Ralf Haderlein von der Hochschule Koblenz.
Die Studie zeigt, dass rund drei Viertel der Leitungskräfte „überwiegend der Meinung sind, in der Gesellschaft herrsche weiterhin ein unzutreffendes Bild der anspruchsvollen Aufgaben frühpädagogischer Fachkräfte vor. In diesem Sinne halte sich das Vorurteil, in der KiTa werde nur gespielt, gebastelt und betreut hartnäckig in der Öffentlichkeit und gerade auch im Hinblick auf die zukünftige Fachkräftegewinnung müsse mehr für das öffentliche Image des Berufes getan werden.

Wertschätzung und Unterstützung
Weiterhin schwach ausgeprägt zeigt sich auch im Meinungsbild der Studie die Wertschätzung der Pädagogischen Fachkräfte durch die Politik: Nur 23% der Befragten fühlten sich durch sie tendenziell wertgeschätzt. Erfreulich hohe und im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegene Werte erreichten allerdings die Wertschätzung im Team (97%), durch den Träger (88%) und durch die Eltern (91%). Ähnlich sieht es bei der Einschätzung der Unterstützung durch die verschiedenen Gruppen aus. Hier fühlen sich nur 15% durch die Politik unterstützt.

Belastungsfaktoren
Als größter Belastungsfaktor zeigt sich in der Studie die überbordende Bürokratie (88%), gefolgt von Krankheit bzw. Urlaub des Personals (84%) und einem grundsätzlichen Personalmangel (78%). Die Hälfte der KiTa-Leitungen klagen auch über eine mangelnde Freistellung für ihre umfangreichen Leitungsaufgaben. Trotz der Belastung zeigen 80% der Leitungen noch immer eine hohe bis sehr hohe Motivation.

Kinder mit Fluchterfahrung und Rechtsruck
Während im Jahr 2016 noch 65% der Einrichtungen keine Erfahrung mit Kindern mit Fluchterfahrungen hatten, waren dies im Jahr 2017 nur noch 35%. Und während sich 2016 noch 55% nicht ausreichend auf diese Aufgabe vorbereitet fühlten, sank dieser Wert 2017 auf 45%, so dass „die durch Träger und Politik vorgenommenen Maßnahmen [...] also teilweise gegriffen zu haben [scheinen]“. Nicht zuletzt in der Folge der Diskussion um Flüchtlinge sehen sich immerhin 18% der KiTas tendenziell mit einem Rechtsruck konfrontiert.

Aggressionen
In der DKLK-Studie spiegelt sich auch eine zunehmende Aggressivität zwischen Kindern und auch von Eltern gegenüber den Fachkräften. 22% erkennen so eine Tendenz hin zu einer zunehmenden Aggressivität von Eltern gegenüber Fachkräften. Sogar 47% sind der Meinung, dass die Aggressivität zwischen Kindern tendenziell zugenommen hat.

Professionalisierung
In Anbetracht komplexer Anforderungen und Aufgabenbereichen nimmt die kontinuierliche Professionalisierung von Leitungskräften eine zentrale Bedeutung ein. Aus Sicht der Leitungskräfte selber sind hier ganz besonders Angebote zur Reflexion/Supervision sowie zur Fort- und Weiterbildung (jeweils 23%) erfolgversprechend. Wichtig erschienen auch professionelle Trägerstrukturen (17%) oder eine bessere Vernetzung (15%). Eine nur sehr geringe Rolle spielt mit 3% das Lesen von Fachliteratur.

Trägerstrukturen
Im Hinblick auf professionelle Trägerstrukturen befürworten 31% der Befragten eine stärkere Fokussierung der Themen Personalmanagement, der Führung von Leitungskräften (25%) und der Organisation/Verwaltung (24%).

Zukunftsblick
Derzeit sind über die Hälfte der KiTa-Leitungen in Deutschland über 50 Jahre alt. Gefragt, ob sie ihre Einrichtung bei Renteneintritt guten Gewissens verlassen können, stimmen 82% dem tendenziell zu und zeigen so Vertrauen in die Qualität ihrer eigenen Arbeit und die Professionalität des Teams.

Zusammenfassend hält die DKLK-Studie fest:
  • Kitaleitungen und pädagogische Fachkräfte bekommen immer noch nicht die Anerkennung, die ihnen zusteht.
  • Bürokratie und Personalmangel hindern Kitaleitungen und ihre Teams massiv an einer Verbesserung der Qualität.
  • Die Integration von Kindern mit Fluchterfahrung und ihren Familien ist weiter eine überaus große Herausforderung.
  • Das polarisierte politische Klima könnte sich auch langfristig auf Kindertageseinrichtungen
  • übertragen.

Aus den Ergebnissen leiten sich folgende Forderungen ab:
  • Die generelle Freistellung der Leitungskraft als zentrale Schlüsselposition für Qualität und Führung
  • Eine bessere Finanzierung des gesamten Bereichs „Kindertagesstätten“ mit dem Ziel einer Annäherung an die wissenschaftlich empfohlene Fachkraft-Kind-Relation
  • Eine stärkere gesellschaftliche, monetäre und sich in der Ressourcenausstattung widerspiegelnde Anerkennung der Leistungen aller frühpädagogischen Fach- und Führungskräfte
  • Mehr Unterstützungs- und Fortbildungsangebote im Rahmen der Betreuung von Kindern mit Fluchthintergrund
  • Eine Gesamtstrategie für die Bekämpfung des Fachkräftemangels


Zum Download der Studie

 

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