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Rezensionen und Reviews
14.05.2017  Sarah Shkoor

Resilienz in der Kita fördern - Rezension

Gabriele Kubitschek: „Resilienz im Alltag fördern. Mutmachgeschichten und Praxisideen für starke Kinder.“ München, Don Bosco Medien GmbH, 2016.

Inhalt

Im Vorwort und der Einleitung ihres Praxisbuchs gibt Kubitschek einen Einblick in den neuesten Stand der Resilienzforschung. Das Schutzfaktorenkonzept wird von ihr vorgestellt, die Grundlage ihrer Didaktik ist explizit stärkenorientiert. Gleichzeitig weist die Autorin deutlich auf zu vermeidende ErzieherInnen-Einstellungen hin.
Resilienzförderung kann nur gelingen, wenn die Erzieherin/der Erzieher mit ihrer/seiner Persönlichkeit bestimmte Anforderungen erfüllt. Die Autorin stützt sich dabei auf die salutogenetische Sichtweise.

Kubitscheks Praxisanregungen leitet sie aus dem von ihr entwickelten sogenannten BIM-BAM-BINI-Konzept ab, das sie jedoch nicht weiter vorstellt. Der Hauptteil besteht aus sieben „Mutmachgeschichten“ zum Vorlesen zu den verschiedensten Förderthemen, wie z.B. „Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl“ oder „Engagement und Verantwortungsgefühl“. Auf jede Geschichte folgen jeweils zwei bis drei „Aktions- und Spielideen“, die unterschiedliche Entwicklungsalter abdecken. Die Geschichten handeln von den Erlebnissen der kleinen, behüteten Sarah, die in den Kindergarten geht. Die Geschichten spielen sich hauptsächlich in ihrem familiären Umfeld ab.

Nach dem Schlusswort zu der Bedeutung von Resilienz in der globalisierten
Gesellschaft, folgen Literaturhinweise und ein kleines Glossar.

Zielsetzung und Methode

Kubitscheks erkennbares Ziel ist eine erfolgreiche Resilienzförderung in früher Kindheit. Die Aktions-
und Spielideen sind hervorragend geeignet, um Gefühle zu erleben und zu verarbeiten und ein
entspanntes Körper- und Selbstwertgefühl zu entwickeln sowie Spaß in der Gruppe zu erleben, ohne in den Wettbewerbsmodus zu verfallen. Wer ihre Tipps zur Erzieherpersönlichkeit liest, dem wird deutlich, dass Kubitschek sich vertieft mit Resilienzförderung auseinandergesetzt hat.

Der Wermutstropfen ihrer Arbeit liegt in den Geschichten. Diese sind wenig vorlesetauglich, da kaum, oder keine Bilder vorhanden sind und der Erzählstil schriftorientiert ist. Obwohl Kubitschek betont, dass sie mit ihrem Buch an „Kinder mit Migrationshintergrund“ und Fluchterfahrung denkt, ist fraglich, ob Kinder aus anderen Kulturkreisen oder geringen Sprachkenntnissen ihre Formulierungen immer nachvollziehen können. Ein Beispiel: „Und wirklich, als Sarah die Schuhschachtel öffnet, liegen unter einer dünnen Folie aus Plastik 30 kleine runde, weiß überzuckerte Faschingskrapfen, gefüllt mit süßem Vanillepudding!“

Fazit

Kubitschek hat tolle Praxisideen für den Kita-Alltag entwickelt, die gut zu den jeweiligen
Förderthemen passen. Auch anhand der nützlichen „methodisch-didaktischen Hinweise“ kann die pädagogische Arbeit bereichert werden.

Prinzipiell ist das Vorlesen sicherlich geeignet, um als „Türöffner“ der Resilienzförderung zu fungieren; allerdings sollte der Vorlesestoff literacysensibler und  kindgemäßer in der Formulierung und Konzeption, gestaltet sein. Andernfalls kann es passieren, dass Kinder, die mit dem Erzählstoff sprachlich oder kulturell nichts anfangen können, so frustriert sind, dass nicht nur das Bildungsangebot zur Resilienz ins Leere läuft.

Darum wäre ErzieherInnen zu empfehlen, den Text spontan und kreativ zu verändern, so dass alle Kinder folgen können, bis eventuell eine Neu-Bearbeitung der Resilienz-Geschichten vorgenommen wird. Diese sollten auch durch Bildtafeln ergänzt werden.



Foto: Jovannig/Fotolia
 
 
 

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