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Rahmenbedingungen
08.06.2017  Andreas Ebenhöh

Aufsichtspflicht ist was für Weicheier!

Der Autor beschreibt aus der Perspektive eines Erziehers die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Kita bei Personalmangel. Seine Empörung ist nachvollziehbar.
Der Gesetzgeber bzw. der Träger stellt uns in Hessen für 10 Kinder zwischen 6 Monaten und 3 Jahren zwei Vollzeit-Fachkräfte  zur Verfügung (für andere Bundesländer noch weniger), die nicht nur 30 Urlaubstage, 5 Fortbildungstage, 5 Bildungsurlaubstage und im Schnitt (siehe Statistik der Krankenkassen) 25 Krankheitstage haben, sondern auch 10 Krankheitstage für die eigenen Kinder nehmen und in Elternzeit, Mutterschutz und Kur gehen können. Das sind alleine 85 offizielle Fehltage und in dieser Zeit ist die Krippengruppe mit nur einer Fachkraft (sofern sie unter der Belastung nicht erkrankt) besetzt Mit Verlaub, lieber Gesetzgeber bzw. Träger, das ist perfide, entwürdigend, zerstört die Arbeitsmoral der Fachkräfte undgeht an den  Bedürfnissen der Kinder und Eltern vorbei.

Zusätzlich fehlen wir Fachkkräfte dann, um die wöchentlichen Bildungsdokumentationen zu schreiben, Unfallanzeigen auszufüllen, Elterngespräche und Entwicklungsbögen vorzubereiten, Bestellungen für die Gruppe zu tätigen, Mitarbeitergespräche mit der Leitung zu führen, Projekte, Feste und Ausflüge zu planen, uns in Teamsitzungen zu engagieren, Protokolle zu schreiben, Formulare für Sonderämter wie etwa Sicherheitsbeauftragter oder Ersthelfer auszufüllen und Fachliteratur zu lesen. Ach ja, natürlich führen wir noch Erstgespräch für die Eingewöhnung, helfen bei Personalnotstand (also täglich) in anderen Gruppen aus, trösten überforderte Kolleginnen, übernehmen die Küchenarbeit, säubern die Gruppenräume und reparieren Möbel. Immer wieder nutzen wir die Zeit, um mit Eltern zum zehnten Mal die allgemeinen Regeln zu besprechen, über zu viele oder zu wenige Ausflüge zu debattieren, Extrawünsche aufzunehmen oder das Thema Pünktlichkeit und kranke Kinder zu diskutieren. Unser „entspanntes“ Wochenende nutzen wir, um uns wieder einmal von den Krankheiten der Kinder und der benannten Arbeitsbedingungen zu erholen. Darüber hinaus haben wir ebenfalls ein Privatleben, dessen Herausforderungen und Sorgen uns in der Arbeit mit den Kindern begleiten.

Epilog
Dafür, das wir in Deutschland gerne betonen, dass Kinder unser wertvollstes GUT sind, grenzen die hierfür bereitgestellten Mittel der Gesetzgeber und Träger an Heuchelei, Betrug und Geringschätzung! Die Entscheider müssten  wissen sowohl, dass sie den Eltern ein „Bildungs- und Erziehungsprodukt“ verkaufen, das nicht umsetzbar ist als auch, dass sie den Fachkräften einer unzumutbaren Arbeitsatmosphäre aussetzen. Neben den berechtigten Interessen der Eltern und der gesundheitlichen Gefährdung der Fachkräfte Fachkräften ist es das Wohl der KINDER, das hierbei Schaden erleidet.



 

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