Anmelden
Perspektiven
23.06.2017  IMPULS Deutschland Stiftung e.V.

IMPULS ermöglicht Bildungschancen

IMPULS Deutschland Stiftung e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit über 25 Jahren in der frühkindlichen Bildung engagiert. Er entwickelt Familienbildungsprogramme und betreut von Bremen aus deutschlandweit 167 Standorte, die die Programme durchführen. So hat der Verein bereits rund 25.000 Familien erreicht - allein im vergangenen Jahr 4.546 Kinder. Er hat das Ziel, allen Kindern - unabhängig von ihrer Herkunft und sozialem Hintergrund - gleichberechtigte Bildungschancen zu ermöglichen. Denen, die hier geboren sind, aber auch denen, die zu uns kommen.
Mit der Aufnahme von Schutz suchenden Menschen in den vergangenen Jahren steht unsere Gesellschaft am Anfang eines jahrzehntelangen und Generationen übergreifenden Prozesses. Politik wie Gesellschaft sind in der Pflicht, alte Fehler der Einwandererpolitik nicht zu wiederholen. Das bedeutet u.a. Bildungs- und Sprachangebote zu machen.

IMPULS hat daher zwei Angebote entwickelt, die das Ankommen und Bleiben dieser Familien unterstützen.

Willkommen mit IMPULS

Dieses Angebot richtet sich an Familien mit Kindern im Alter von 6 Monaten bis zur Einschulung in Flüchtlings- und Übergangswohnheimen. 12 Wochen lang erhalten sie einmal wöchentlich Besuch durch eine Familienbesucherin. Diese führt Eltern wie Kinder spielerisch an die deutsche Sprache heran. Gleichzeitig hilft sie den Familien, aus ihrer sozialen Isolation herauszufinden.  

Auf Initiative der Stadt Kaufbeuren konnte der Erziehungs- und Jugendhilfeverbund im Herbst 2016 erstmals ‚Willkommen mit IMPULS‘ in einem Flüchtlingsheim anbieten. Der erste Turnus mit sechs Familien aus Afghanistan, Eritrea und Syrien hat wertvolle Erkenntnisse gebracht - und Tränen der Dankbarkeit zum Abschied. IMPULS Kooperationspartnerin Gerda Gradl beleuchtet die Premiere:

"Zunächst stellten wir uns die Frage, wie wir überhaupt die Flüchtlingseltern für das freiwillige Programm gewinnen können - ohne die Kraft einer gemeinsamen Sprache. Also haben wir darauf gesetzt, Dinge für sich sprechen zu lassen. Wir haben das Spiel- und Lernmaterial in einer schön geschmückten Pappschachtel dekoriert und sind damit durch die Flüchtlingsunterkunft gegangen - da waren uns alle Augen sicher. Ein öffentliches Ereignis! Außerdem haben uns die jeweiligen Familienpaten sehr unterstützt. Sie sind den Familien bereits vertraut und waren beim Erstgespräch oft dabei. Natürlich hilft es auch, dass das Programm kostenlos für die Familien ist.

Wir stellten schnell fest, das IMPULS-Programm ist so niedrigschwellig, dass eine gemeinsame Sprache nicht zwingend notwendig ist. Das ist bei multisprachlichen Gruppen ein Vorteil. Unsere Hausbesucherin Dina K. ist es gewohnt, auch mit Müttern zu arbeiten, die schlecht Deutsch sprechen. Neu ist hier allerdings, dass es mitunter gar keine gemeinsame Sprachbasis gibt. Einige Mütter sprechen weder deutsch, noch englisch. Und Dina weder persisch noch arabisch. Das macht die Kommunikation natürlich nicht gerade einfacher. Also heißt es ‚Learning by Doing‘. Durch die intensive Begleitung funktioniert das erstaunlich gut, auch wenn man oft ‚mit Händen und Füßen‘ reden muss. 
 
Das von IMPULS zur Verfügung gestellte Material ist auch ein prima ‚Eisbrecher‘. Die Familien empfinden es als ‚Geschenk‘. Vor allem die Kinder sind sehr stolz, denn diese ‚Lerngeschenke‘ gehören nur ihnen alleine! Das motiviert enorm.

Wir waren zu Beginn etwas besorgt, ob es uns gelingen würde, in der räumlichen Enge der Flüchtlingsunterkünfte eine offene Lernatmosphäre zu gestalten. Es ist in den Heimen so, dass kleine Familien ein Zimmer haben, große Familien zwei. Hier spielt sich das ganze Leben ab, vor allem im Winter. Nach einigen Startschwierigkeiten haben die Frauen die Lernsituation aber in den Griff bekommen. Wenn Dina kommt, ist schon ein Tisch mit Stühlen vorbereitet. Die jüngeren Kinder sind meistens dabei. Nach dem einstündigen Treffen kommen alle Kinder und manchmal auch die Väter dazu. Wenn Dina dann zur ‚Belohnung‘ Popcorn gemacht hat, ist das ein Fest für die ganze Familie!

Die Mütter genießen das. Sie freuen sich, dass eine Frau ausdrücklich zu ihnen kommt und fühlen sich geehrt. Die Kinder haben einen riesigen Wissensdurst. Auch die Mütter wollen lernen. In der Familie A. aus Syrien gibt es neben der alleinerziehenden Witwe Galia noch die Großmutter Ferus, die sich aktiv einbringt. Alle sind super motiviert. Und die sehr unterschiedlichen Arbeitsblätter im Lernprogramm helfen Dina dabei, auf alle individuell einzugehen. Auch wir haben durch das Programm gelernt, z.B. dass die Monate in Syrien keine Namen tragen, sondern Zahlen."

IMPULS macht Schule

Dieses einjährige Programm richtet sich an geflüchtete sowie förderbedürftige Kinder im Einschulungsalter. Rund 250 Kinder nahmen in diesem Schuljahr an zwölf Hamburger Grundschulen teil. Kooperationspartner ist das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Mit einem Set aus Anleitungsheften für die pädagogischen Fachkräfte sowie einem Kinder-Paket bestehend u.a. aus vier Kinderbüchern und dazugehörigen SchülerInnenheften mit Arbeitsblättern werden verschiedene Themen wie Heimweh, Ich-Identität, Wut und mögliche Bewältigungsstrategien bearbeitet und gleichzeitig - im Hinblick auf die Schulvorbereitung – Zahlen, Farben, Formen, Sortieren, Vergleichen, Symbole und Buchstaben spielerisch eingeführt. Nicht selten sind diese vier Bücher die ersten Kinderbücher in der Familie.

Um eine qualitativ hochwertige Umsetzung durch die Fachkräfte zu gewährleisten, werden diese durch den Verein im Umgang mit den Materialien geschult. IMPULS Geschäftsführer Peter Weber hat mit Heike Johanna Kus über die ersten Erfahrungen gesprochen. Kus ist Lehrerin an der Grundschule Kerschensteinerstraße in Hamburg-Harburg.

Weber: Mit ‚IMPULS macht Schule‘ betreten wir ja ein Stück Neuland. Ich freue mich sehr über diese Möglichkeit. Denn ich bin überzeugt, dass unsere Philosophie, Kinder und Eltern als Einheit zu betrachten, gerade auch in Schulen großes Potenzial hat.
Kus: Richtig. Wir haben uns schon lange eine Erziehungspartnerschaft mit den Eltern gewünscht. Ihr pädagogischer Ansatz kommt uns da sehr entgegen. Außerdem haben wir viele Kinder mit einem erhöhten Sprachförderbedarf. Das Programm ist auf diese Kinder optimal zugeschnitten.

Weber: Welche Klasse nimmt an Ihrer Schule teil? Vielleicht können Sie uns auch Konkreteres über die Zusammensetzung sagen.
Kus: Ich arbeite mit einer Vorschulklasse. Mehr als die Hälfte der Kinder braucht intensive Unterstützung beim Sprach- und Schrifterwerb. Umso wichtiger ist regelmäßige Förderung. Deshalb setzen wir das Material täglich ein, bis auf freitags. Dann können die Kinder die Materialien mit nach Hause nehmen und dort weiterbearbeiten. Sie machen das sehr gerne. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass sie dabei auch das Interesse der übrigen Familienmitglieder wecken. Die Materialien sind sehr kindgerecht, superansprechend. Das wirkt sich sofort auf die Motivation aus. Die Kinder sind im Übrigen sehr stolz darauf, ihre eigenen Bücher und Arbeitshefte zu haben.
 
Weber: Sie haben zu dem Profil Ihrer Klasse ja schon einiges gesagt. Vor dem Hintergrund des erhöhten Förderbedarfs stelle ich mir vor, dass Ihre Arbeit als Lehrerin alles andere als einfach ist. Vor welche besonderen Herausforderungen stellt Sie die Arbeit?
Kus: Eine der großen Herausforderungen ist die Differenzierung. Man würde sich wünschen, mit einer Doppelbesetzung zu arbeiten. Aber toll ist, dass die Kinder im Programm lernen, sich gegenseitig Hilfestellung zu geben.

Weber: Mich würde noch interessieren, wie oft die Eltern einbezogen werden?
Kus: Sie kommen regelmäßig zu den Eltern-Kind-Treffen. Gemeinsam mit den Kindern ‚erobern‘ sie die neuen Bücher. Es wird mit Begeisterung gebastelt. Die Eltern schätzen die Programmarbeit sehr.

Weber: Jetzt können Sie ja schon auf eine gewisse Projektzeit zurückblicken. Für wen, glauben Sie, ist das Programm besonders empfehlenswert?
Kus: Der Wortschatz der Kinder wird aufgebaut. Vorläuferfähigkeiten werden strukturiert eingeübt. Von daher kann ich mir den Einsatz auch in Sprachvorbereitungsklassen, in regulären Grundschulklassen und im Bereich der Inklusion sehr gut vorstellen.
 
IMPULS Deutschland Stiftung e.V. wird gefördert von Auridis, Deutschland Rundet auf, Aktion Mensch und Stiftungen wie die Jacobs Foundation, Deichmann, Auerbach.
IMPULS Deutschland Stiftung e.V. ist ausgezeichnet mit dem Preis der Carl-Toepfer Stiftung als Best Practice einer „frühen Förderung für sozial- und bildungsbenachteiligte Familien“ (2010), durch PHINEO als besonders leistungsstarkes Programm (2010 und 2015) und mit dem DEICHMANN-Förderpreis für Integration (2013).
Bei Interesse und Rückfragen:
Katharina Hoffmann | 0421 696786-12 |  katharina.hoffmann@impuls-familienbildung.de
www.impuls-familienbildung.de
 

Teilen auf
Teilen auf Facebook