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Kindliche Entwicklung
22.08.2017  Kathrin Hohmann

Tschüss zum Nuckel! Oder doch besser nicht?

Die Autorin berichtet von ihren Erfahrungen als Mutter zweier Kinder von den Problemen, die durch einen Nuckel auftreten und wie sie gelöst werden können.
Nach der Geburt unserer beider Kinder stellte sich die Frage: Ist ein Nuckel nötig? Welche Vorteile und welche Gefahren bringt er mit sich? Bei beiden Kindern haben wir die Situation genau beobachtet: Beide Kinder wurden gestillt und beide Kinder haben nach einer Zeit einen Nuckel erhalten. Gemeinsam mit unserer Hebamme fiel die Entscheidung sehr bewusst.

Ich habe diese Entscheidung in der Zeit, in der unsere Kinder den Nuckel nutzten, nicht in Frage gestellt, denn der Nuckel brachte den Kindern und auch uns in bestimmten Situationen eine Entlastung. Die Kinder können sich damit regulieren und entspannen.

Tschüss zum Nuckel

Über das Abgewöhnen“ des Nuckels war ich hingegen weitaus besorgter und fragte mich immer wieder, wie wir das am besten angehen und begleiten können. Nach ausgiebiger Recherche wurde mir klar, dass es ein langer und schwieriger Prozess für unser Kind werden kann oder mit etwas Glück sich diese Entwöhnung spielend gestaltet.
Mein Mann und ich thematisierten  den Wunsch, den Nuckel zu minimieren und dann abzulegen, gemeinsam mit unserem Sohn. Aber natürlich versteht ein Kind mit circa zweieinhalb Jahren die Konsequenzen noch nicht. Es war wichtig, dass wir einen stabilen Zeitpunkt wählten, in dem keine Veränderungen bei uns persönlich anstanden. Bei unserem großen Sohn ergab sich spontan der Moment: anlässlich einer Entzündung im Mund wurde der Nuckel von ihm selbst abgelehnt und nach zwei Tagen war er vergessen. Verwundert und erleichtert nahmen wir diese Fügung hin und waren sehr überrascht über den Verlauf. Kurz darauf fand er einen Nuckel zufällig in einer Spielkiste und empfand das Nuckeln als sehr komisch und eher belustigend. Die Phase des Nuckelns war vorbei. Interessanterweise   bevorzugte unser Sohn, der seit langer Zeit auf Grund meiner Berufstätigkeit neben der Brust auch die Flasche nahm, ab diesem Zeitpunkt die Flasche.
Vier Jahre später standen wir bei unserer Tochter vor dem gleichen Problem. Aber hier entschieden wir Eltern, dass wir den Nuckel minimieren oder doch am liebsten abschaffen wollten. Zu groß war die Sorge, die Zähne würden sich verformen. Ich traute unserer Tochter den frühen Abschied vom Nuckel zu und war überzeugt, dass sie bereit war das Saugen zur Beruhigung hinter sich zu  lassen. Ich wählte auch hier einen Zeitpunkt, in dem ich mich mit meiner ganzen Kraft, Liebe und Aufmerksamkeit darauf einstellte, sie in den schwierigen Momenten zu unterstützen. Gemeinsam besprachen wir unser Vorhaben und sie stimmte dem zu. Vielleicht aber kooperierte sie in diesem Moment auch, um mir einen  Gefallen zu tun. Jedenfalls  ließ sie sich darauf ein.

Entscheidungen müssen überdacht werden

Die Nächte gestalteten sich nun unruhiger, sie benötigte sehr viel mehr Nähe und Kontakt. Wir erlebten sie in diesen Tagen zu Hause viel unausgeglichener. Sie jammerte und weinte sichtbar stärker. Das Fragen nach dem Nuckel wurde zwar weniger, aber ihre Laune war deutlich schlechter. Es ist nur zu verständlich, denn wer unruhiger und schlechter schläft, der übersteht auch die Tage nicht so gut.
In der Krippe unserer Tochter lehnen die Fachkräfte es ab, wenn Eltern in die Entwicklung der Kinder in diesem Maße eingreifen. Dies hatte zur Folge, dass die Bezugspädagogin auf Wunsch unserer Tochter ihr weiterhin den Nuckel zum Mittagsschlaf anbot. Dort nutzte sie ihn nur zum Schlafen, zu Hause forderte sie den Nuckel hingegen viel öfter ein.
 

Der Nuckel darf zurück

Dies alles gab uns zu denken und so gingen wir einen anderen Weg und entschieden uns dafür, unserer Tochter, aber vor allem uns mehr Zeit zu geben und ihr den Sauger wieder zum Schlafen zu überlassen. Bewusst minimierten wir die Situationen, in denen sie danach verlangte, und der Nuckel blieb immer im Bett.
Wieder einmal wurde mir bewusst, wie unterschiedlich jedes Kind ist und wie wir jedes individuell beobachten und begleiten müssen, damit wir seine Bedürfnisse achten und respektieren. Ich habe mich geirrt und ihr wahrscheinlich Unrecht getan, ich möchte ihre Persönlichkeit und kleine Seele stärken. Und wer weiß: Sollten wir in vielen Jahren eine Zahnspange benötigen, dann meistern wir auch das gemeinsam.
 
Die Autorin
:
Kathrin Hohmann, 1983 geboren, hat Erziehung und Bildung im Kindesalter (BA) und Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Familie (MA) studiert. In Berlin gründete sie einen Verein und baute bilinguale Kindertagesstätten auf. Sie arbeitet im In- und Ausland als Kindergartenleiterin, Kindheitspädagogin und leitet Workshops für Eltern und Fachkräfte. Kathrin Hohmann bloggt auf ihrem Blog www.kindheiterleben.de. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Valencia/Spanien.

Kontakt: hohmann-kathrin@web.de 

Foto: privat
 

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