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Rezensionen und Reviews
25.10.2017  Meike Sauerhering

Neues für die Grundschule IV/2017

Hier erhalten Sie einen Überblick der Inhalte aus aktuellen Fachzeitschriften für die Grundschule. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Thema Lernentwicklungsgespräche.
didacta. Das Magazin für lebenslanges Lernen (03/2017; September/Oktober)setzt sich unter Anderem mit der Aussagekraft von Schulnoten auseinander. Es werden Studien zitiert, die belegen, dass Herkunft, Geschlecht, Aussehen und Name eines Kindes Einfluss auf die Bewertung durch LehrerInnen haben. Die Notenvergabe lässt sich lediglich zu 49,4% durch Leistung erklären (S. 5). Obwohl Noten im 18. Jahrhundert eingeführt wurde, um eben solchen Ungerechtigkeiten entgegen zu wirken und das deutsche Schulsystem am Leistungsprinzip und auf die Vergabe von Ziffernnoten ausgelegt ist, machen sich einige Schulen auf den Weg, andere Bewertungssysteme zu nutzen. In der didacta wird beispielsweise von der Freien Motessori Schule Berlin berichtet, in der es keine Ziffernnoten gibt sondern ausführliches Feedback (Jana Pajonk: Worte statt Ziffern S. 12-13).
Link zur Zeitschrift: http://www.didacta.de/

Die Grundschule aktuell, Zeitschrift des Grundschulverbandes, legt im Heft 139 (September 2017) titelt: Lernen im Gespräch. So wird auch hier ein Schwerpunkt auf das Thema Lernentwicklungsgespräche und Lernbegleitung im Gespräch gelegt.
Frauke Hildebrandt zeigt in ihrem Beitrag auf wie wichtig Geteiltes Denken (S. 7-9) ist. Dieses ist keine Metapher, sondern eine Methode und zielt darauf, mit Kindern qualitativ hochwertig zu kommunizieren. Geteiltes Denken (Shared Thinking) ist dabei wörtlich gemeint. In dem Beitrag wird deutlich, dass Kinder viel besser (kognitiv) gefordert werden, wenn Erwachsene sie in ihre Denkprozesse einbeziehen: Wenn sie ihnen sagen, was sie warum denken. Wird Kindern hingegen viel erklärt und werden ihnen Instruktionen gegeben, schränken diese ihr Explorationsverhalten ein. – Das konnten Bonawitz und Andere in einem Experiment nachweisen.
Nicht nur die Häufigkeit der Kommunikation, sondern auch deren Qualität ist von außerordentlicher Bedeutung. Positiv auf die kindliche Entwicklung wirken:
  • Anregung zum Weiterdenken,
  • Gemeinsames Denken durch die Verwendung von offenen Fragen und Modellierungen der Äußerungen,
  • Geteilte Aufmerksamkeit sowie
  • das Kind führen zu lassen.
Wenn man Geteiltes Denken in den Alltag der pädagogischen Praxis integriert, kommt man den kindlichen Bedürfnissen kausale Informationen informationen zu erhalten nach und trägt zugleich dem Wunsch nach gemeinsamer Erkundung Rechnung. Ein wichtiges Mittel hierbei ist, „viel öfter Hypothesen über Gründe, Zwecke und Motive als eigene Gedanken und nicht im Erklärmodus zu äußern“ (S. 8).
 
Dem Thema Dialogische Unterrichtsgespräche führen widmet sich Heike de Boer in ihrem Beitrag (S. 3 6). In dem vorgestellten Beispiel wird das Bilderbuch „mutig, mutig“ von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer besprochen. Die Autorin illustriert daran, wie Unterrichtsgespräche zu komplexem sprachlichen Handeln von SchülerInnen führen. Dieses stellt nicht lediglich hohe Ansprüche an die Kinder sondern auch an die LehrerIn. Denn diese muss die Qualität der Aussagen erkennen und sich daran anschließen. Damit geht einher, dass LehrerInnen die Überzeugung aufgeben müssen, immer alles zu wissen - Ungewissheit muss ausgehalten werden. Durch gezieltes sprachliches Handeln ihrerseits können kollektive, bildendende dialogische Unterrichtsgespräche entstehen. Beispielsweise können SchülerInnen zu Begründungen und Erklärungen herausgefordert werden. Das bewusste Einsetzen von Pausen kann dazu beitragen, dass sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen die Gelegenheit nutzen, um nachzudenken. LehrerInnen sollten sich mit Bewertungen zurückhalten, damit Kinder miteinander reden und sich aufeinander beziehen.

Michael Töpler setzt sich in seinem Beitrag: Lernen im Gespräch (S. 10-12) mit dem Thema Eltern im Kommunikationsraum Schule auseinander. Zentral ist die Aussage, dass die gegenseitige Wertschätzung der unterschiedlichen Gruppen (SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen), die den Kommunikationsraum Schule gestalten, die Basis für einen fruchtbaren Dialog ist. Leider ist eine solche Begegnung auf „Augenhöhe“ (S. 10) vielerorts nicht die Realität. Die „häufig formulierte, empfundene oder gar gelebte Gegnerschaft“ (S. 11) ist vielerorts Alltag. Dabei sind Eltern und LehrerInnen im Grunde Verbündete, deren gemeinsames Agieren sich beispielsweise positiv auf Schulentwicklungsprozesse auswirken könnte.
Um die Kommunikation der verschiedenen Gruppen miteinander besser zu gestalten, bedarf es einer Feedbackkultur, die sich auch mit der gelingenden und der nicht gelingen Kommunikation auseinandersetzt. Hierbei gilt es die verschiedenen Interessen und Aufgaben nicht aus dem Blick zu verlieren. Zwar stehen die Kinder und ihre Bildung im Mittelpunkt der Schule, doch gibt es bei ihrer Beteiligung noch Nachholbedarf sowohl auf Seiten der Eltern als auch auf der der Schule (S. 11). Als Ideal für die Entwicklung von Kommunikationsprozessen auf Augenhöhe bezeichnet Michael Töpler die Teilnahme an gemeinsamen Fortbildungsveranstaltungen von LeherInnen und Eltern.
Das Gros der Eltern fühlt sich (mit)verantwortlich für das Wohlergehen ihrer Kinder in der Schule. Aber Eltern sind ganz unterschiedlich in der Lage ihre Kinder zu unterstützen und sie unterscheiden sich auch in der Art und Weise, wie sie mit ihren Kindern über Schule kommunizieren. Ein wichtiger Einflussfaktor sind dabei die eigenen Schulerfahrungen der Eltern. Diese können sich sehr voneinander und von den Schulerfahrungen ihrer Kinder unterscheiden. Dabei unterstreicht Töpler, dass es bei jeglicher Kommunikation über eine andere Gruppe, trotz aller auch kritischen Auseinandersetzung immer wertschätzend bleiben muss. Das setzt auch explizit auch bei LehrerInnen über Kinder oder Eltern voraus (S. 12) als unumgänglich.
Für gemeinsame Gespräche braucht es Orte und Gelegenheiten zum Austausch. Vielerorts wurden bereits Eltern-Lehrer-Schüler-Gespräche eingeführt. Um in einen guten Austausch auch mit sogenannten schwierigen Elterngruppen zu kommen, ist es nicht ratsam, das erste Gespräch zu suchen, wenn ein Problem von oder mit dem Kind auftritt. Vielmehr ist es zielführend, sich bereits im Vorfeld eher informell zu begegnen und sich beispielsweise über die Schulerfahrungen der Eltern zu informieren. Denn in einer heterogenen Gesellschaft blicken Eltern auf sehr unterschiedliche Schulerfahrungen zurück, beispielsweise durch Unterschiede in den Schulsystemen unterschiedlicher (Bundes-)Länder.
 
In ihrem Beitrag gibt Meike Kricke einen Überblick über die Arbeit mit und in Professionellen Lerngemeinschaften (S. 13-16). Sie fokussiert dabei sowohl auf den Ausbildungskontext als auch den Schulalltag. Hierfür stellt die Autorin konkrete Arbeitsmaterialien vor (Schaubild Impulse für konkrete Arbeit in Teams S. 15). Professionelle Lerngemeinschaften beschreibt Meike Kricke als potentiellen Motor für Schul-, Unterrichts- und Personalentwicklungen.
Die Autorin stellt ihr Thema in den Kontext von veränderten Lehr- Lernkulturen. Sie unterstreicht, dass gerade in inklusiven Lernumgebungen und die Arbeit mit (multiprofessionellen) Teams es für LehrerInnen notwendig machen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Damit geht ein verändertes Rollenverständnis einher: In professionellen Lerngemeinschaften werden Lehrende selbst zu Lernenden.
Professionelle Lerngemeinschaften werden gelkennzeichnet durch:
  • Geteilte Werte und Normen aller beteiligten Personen
  • Die gemeinsame Verantwortungsübernahme für das Lernen aller SchülerInnen
  • Einen reflexiven Dialog
  • Deprivatisierung – Öffnung der Lernsettings
  • Intensive Zusammenarbeit / reger Austausch zur effektiven Unterrichtsgestaltung
„Unterstützung findet die nachhaltige Entwicklung Professioneller Lerngemeinschaften durch institutionelle Rahmungen, wie gemeinsame Zeitfenster und Raumstrukturen.“ (S. 16)

Hanna Hardeland geht in ihrem Beitrag Die Lernentwicklung selbst in die Hand nehmen (S. 17-20) darauf ein, wie SchülerInnen ihre Lernentwicklung vorantreiben können. Diesen Beitrag haben wir auf unser Portal übernommen und sie können ihn hier vollständig herunterladen.
„Während die klassische Notengebung den fachlichen Lernstand zu einem bestimmten Zeitpunkt widerspiegelt, rückt das LEG [Lernentwicklungsgespräch] eher die Veränderungen, d.h. den Entwicklungsprozess in den Mittelpunkt.“ (S. 17). In diesen Gesprächen tauschen sich LehrerIn, Eltern und SchülerIn wertschätzend und konstruktiv über die Lernentwicklung des Kindes aus. Es wird mit dem Kind - nicht über das Kind gesprochen und das Kind selbst hat große Redeanteile. Das ist unumgänglich, damit das Kind selbst Verantwortung für seine eigene Lernentwicklung übernimmt. Neben der Fachkompetenz in den einzelnen Fächern werden die Personal-, Sozial- und Methodenkompetenz der Kinder thematisiert. Mit professionell geführten Lernentwicklungsgesprächen können über den Dialog auf Augenhöhe konkrete Veränderungsschritte mit dem Kind vereinbart werden und kann so die Lernentwicklung positiv unterstützt werden. Damit dieses auch im Schulalltag gelingen kann, braucht es eine institutionelle Verankerung und Rahmung der LEG. „In einigen Bundesländern, etwa Hamburg oder Bayern, ersetzt oder ergänzt das LEG das Halbjahreszeugnis“ (S. 17).
Lernentwicklungsgespräche gliedern sich in verschiedene Phasen:
  • Aktuellen Lernstand erheben
  • Ziel festlegen
  • Schritte zum Erreichen des Ziels planen
  • Dokumentation
Als Schwierigkeit, die sich bei den LEG einstellen können ist insbesondere das Formulieren sogenannter Scheinziele zu nennen. SchülerInnen durchschauen schnell, was von ihnen erwartet wird und können im Sinne der „sozialen Erwünschtheit“ (S. 18) Ziele gemäß der Erwartungen der Erwachsenen formulieren, die in der Regel schwer einzuhalten sind. Diese Gefahr ist besonders groß, wenn das Gespräch nicht auf Augenhöhe stattfindet. Zudem ist es wichtig, Verbindlichkeit herzustellen und auch im Schulalltag auf das Erreichen der Ziele zu schauen.
Hardeland formuliert in ihrem Beitrag fünf Tipps für ein erfolgreiches Lernentwicklungsgespräch:
  • Halten Sie sich zurück.
  • Nehmen Sie das Kind als Gesprächspartner ernst und begegnen Sie ihm mit Wertschätzung.
  • Ermutigen Sie das Kind statt es zu entmutigen – lassen Sie es spüren, dass Sie unabhängig von seinen aktuellen Ergebnissen an seine Fähigkeiten glauben.
  • Blicken Sie auf das Gelungene anstatt auf die Defizite.
  • Wecken Sie das Interesse der Lernenenden für das LEG.
Als eine Gelingensbedingung beschreibt die Autorin, dass die LEG-Vereinbarungen im Klassenzimmer sichtbar sein und im Unterricht gelebt werden müssen:
  • Suchen Sie freie Zeitfenster um Nebengespräche am Rande des Unterrichts zu führen.
  • Nutzen Sie Klassenlehrerstunden oder den Morgenkreis, um Gespräche über die LEG-Vereinbarungen zu führen.
  • Blicken Sie im Anschluss an das LEG verstärkt auf die positiven Veränderungen.
  • Visualisieren Sie die LEG-Ergebnisse für alle Kinder sichtbar im Klassenraum.
Eine Auseinandersetzung im Vorfeld des LEG mit möglichen Hürden oder Stolpersteinen wirkt sich positiv auf deren Verlauf aus:
  • Wie reagieren Sie, wenn Kinder im LEG passiv sind?
  • Was tun, wenn Eltern „schwierig“ sind?
  • Wie gehen Sie mit Erwartungsdruck um?
Ines Röhrborn und Ricarda Hübner stellen Dialogische Lernentwicklungsgespräche vor (S. 21-24). Sie beschreiben, wie diese vorbereitet, strukturiert und dokumentiert werden. Auch diesen Beitrag haben wir übernommen, Sie lesen ihn hier.
Sowohl LehrerIn, SchülerIn als auch Eltern bereiten sich auf das Lernentwicklungsgespräch vor. Dafür dient allen Personengruppen ein ähnlich strukturierter Lernentwicklungsbogen, der von jedem Beteiligten ausgefüllt zum Gespräch mitgebracht wird. Dieser Fragebogen dient zum einen dem Gespräch selbst, zum anderen unterstützt er aber auch das Kind darin, sprachlich über sein Lernen zu reflektieren. Kinder mit verschiedenen Lern- und Leistungsständen brauchen hier angepasste Unterstützung durch LehrerIn oder Eltern.
Das Gespräch selbst ist an den Stärken des Kindes orientiert. Auf Fehler, die ein Kind (noch) macht wird ein konstruktiver Blick gerichtet. Aussagen zum Lernen stehen dabei im Mittelpunkt, „darüber hinausgehende Themen […] sollten in gesonderten Gesprächen Berücksichtigung finden“ (S. 24). Etwas anders als in dem Beitrag von Hanna Hardeland wird hier beschrieben, dass die LehrerIn das Gespräch hin zu gemeinsamen Vereinbarungen lenkt.
Damit Lernentwicklungsgespräche erfolgreich geführt werden können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein; beispielsweise müssen Kinder in der Lage und geübt darin sein, über ihr Lernen zu reflektieren. Wie das in den täglichen Unterricht integriert werden kann, beschreiben Judith Endisch und Stefanie Richter in ihrem Beitrag Sprechen über Lernen. Reflexion und Planung eigenen Lernens altersgemäß umsetzen (S. 25-28).
Die Autorinnen beschreiben Möglichkeiten und Schritte, wie Kinder lernen, sich erreichbare Ziele zu setzen, Lernfortschritte zu überprüfen und Lernbedürfnisse festzustellen. Sie beschreiben anschaulich, wie sie Schritte sichtbar und Fortschritte für die Kinder erlebbar machen. Ein Mittel sind dabei von den Kindern selbst gestaltete Lernlandkarten, die bereits in der letzten Ausgabe beschrieben wurden (Verlinkung). Diese werden auch in den Lernentwicklungsgesprächen benutzt, denn sie visualisieren für alle die Entwicklung und die Fähigkeiten des Kindes. Auf dieser Basis können auch Ziele für den weiteren Verlauf oder das nächste Schuljahr formuliert werden. In den Gesprächen formuliert jedes Kind sein großes Lernziel oder mehrere kleine. Um die im täglichen Unterricht nicht aus den Augen zu verlieren, werden sie sichtbar gemacht. Die Kinder formulieren ihre Ziele und beschriften kleine Zielfähnchen mit ihnen, die anschließt an einer leeren PET-Flache befestigt werden. Insbesondere in freien Lernphasen arbeiten die SchülerInnen an ihren individuellen Zielen und können beispielsweis erreichte Teilziele formulieren und auf kleine Zettel schreiben, die sie anschließend in die Flasche tun – oder sie füllen ein wenig Sand Heinen. So wird deutlich, dass Ziele allmählich erreicht werden. Gerade das Festlegen von Teilschritten stellt jedoch eine Herausforderung dar und muss insbesondere in den Jahrgangsstufen eins und zwei noch gut begleitet werden. Auch hier helfen das gemeinsame Gespräch mit der LehreIin und die Reflexion.
 
Eine andere Gesprächsform für die professionelle Lernbegleitung stellen Martina Hehn-Oldiges und Gretel Hölzer in ihrem Beitrag Das strukturierte kollegiale Fallgespräch (S. 29-32) vor. Die Autorinnen stellen den Kontext zur inklusiven Bildung her und betonen, dass von GrundschullehrerInnen und FörderschullehrerInnen hier „ein genaueres diagnostisches Hinsehen sowie ein individuelle abgestimmtes fachdidaktisches und methodisches Unterrichtshandeln“ (S. 29) gefordert ist. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass in dem Austausch häufig die ursprüngliche Fragestellung durch Faktoren wie das Verhalten oder besondere Lern- und Lebensbedingungen des Schülers überlagert wird. Sie berichten von dem Mehrwert, der eine Fokussierung auf den fachlichen und fachdidaktischen Austausch mitbringen kann. Beispielsweise kann das kollegiale Fallgespräch dazu „genutzt werden, den Blickwinkel zu erweitern, und somit langfristig einen Beitrag zur Steigerung der Unterrichtsqualität und zur Professionalisierung für alle Beteiligten“ (S. 29) zu leisten. Kollegiale Fachgespräche sollen in einer Gruppengröße von drei bis maximal sieben Personen und in einem zeitlich festgelegten Rahmen geführt werden. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Falldarstellung einer KollegIn. Im Anschluss werden Hypothesen darüber gebildet, über welches Vorwissen der Lernende verfügt und auf welcher Stufe Lernangebote gemacht werden sollten. Die Struktur des Gesprächs wird durch die jeweiligen fachwissenschaftlichen Erkenntnisse vorgegeben (Mathe / Deutsch, siehe hierzu auch Im nächsten Schritt werden Ideen zur methodischen Umsetzung gesammelt. „Anders als in der kollegialen Fallberatung sind Hypothesenbildung, mögliche weitere Analysen und erste Ideen zur Umsetzung miteinander verzahnt“ (S. 30). Damit jede(r) ausreichend Sprechanteile erhält, verläuft das Gespräch entlang einer klaren Vorstrukturierung. Tauchen Randthemen auf, sind sie nicht direkt zu bearbeiten sondern für einen späteren Zeitpunkt in einem Themenspeicher festzuhalten. Es gilt ein Protokoll des Gesprächs zu schreiben und verbindliche Vereinbarungen schriftlich festzuhalten. Diese Protokolle können auch die Förderplanung oder Zeugnisberichtserstellung von Nutzen sein.  

Aus der Forschung berichtet Gloria Goller über Dialogisches Lesen mit Zuwandererkindern (S. 33-36).  Mit dem Beitrag will die Autorin dazu ermutigen, „die Integration von Zuwandererkindern als gesellschaftliche Bereicherung zu sehen und sie durch dialogisches Vorlesen zu fördern“ (S. 36). Kommunikation ist ein zentrales Merkmal dialogischen Lesens. Durch Modulation der Stimme, Tempo, Mimik, Gestik und Körperhaltung der LehrerIn werden die Kinder in den Bann der Geschichte gezogen. Durch offene Fragen an die Kinder werden sie zum Nachdenken angeregt und zu sprachlichen Äußerungen animiert. In den Phasen, in denen die Kinder reden, wechselt die LehrerIn die Rolle und wird zur ZuhörerIn – so kann sie die Gedanken der Kinder als neue Impulse in ihre Fragen aufnehmen.  Die aktive Teilnahme der Kinder in der Vorlesesituation führt dazu, dass beim dialogischen Lesen, gegenüber den klassischen Vorlesen, die Sprachfähigkeit zusätzlich gesteigert wird. LehrerInnen bietet sich dabei die Möglichkeit, die Sprache der Kinder zu analysieren und deren Sprachentwicklung zu unterstützen. Gloria Goller berichtet von einem Forschungsprojekt, mit der bestätigt werden konnte, dass dialogisches Vorlesen positive Wirkung zeigt und deutlich mehr ist als lediglich eine Form der Sprachförderung. In dem Projekt wurden mit Zuwandererkindern 16 Fördereinheiten à 45 Min. durchgeführt. Gelesen wurden „Heute bin ich“  von Mies van Hout und „Freunde“ von Helme Heine. Auf eine besondere Würdigung der Erstsprache wurde in den Einheiten besonderes Gewicht gelegt. Auch eine Handpuppe kam beim Lesen zum Einsatz und erzeugte zusätzlich Motivation.

Link zum Grundschulverband und zur Zeitschrift: http://grundschulverband.de/grundschule-aktuell/

Foto: fotolia. Christian Müller
 

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