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Grundschule
30.10.2017  Julia Giertz (Stuttgart)

Ministerin appelliert an Eltern: Erziehungspflicht nicht abwälzen

Die KMK-Präsidentin und baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat in der Debatte um die Unter-richtsqualität an die Eltern appelliert, nicht immer mehr Aufgaben an die Schulen abzugeben. Eltern seien nicht nur erziehungsberechtigt sondern auch erziehungsverpflichtet, sagte Eisenmann am 23. Oktober bei einer Fachtagung in Fellbach und erntete dafür Beifall von den 250 Teilnehmern.
Als sie in die erste Klasse gekommen sei, habe sie Schwimmen, Radfahren und Rollschuhlaufen können, sagte Eisenmann. Das sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Für auffälliges Verhalten von Kindern würden zunehmend die Lehrer verantwortlich gemacht. Eltern handelten oft nach dem Motto: „Macht mal und zwar so, dass das Kind nicht frustriert wird.“

Das ist Wasser auf die Mühlen der Lehrer. „Wir begrüßen, dass Frau Eisenmann so deutlich auf die Verantwortung der Eltern hinweist“, sagte der Grundschulrektor Michael Gomolzig. Mit den Rechten der Eltern seien eben auch Pflichten verbunden. Der Ausbau der Ganztagesschulen führe überdies dazu, dass Mütter und Väter Zuständigkeiten verstärkt an die Schulen übergeben.

VBE: Eltern stellen zu große Erwartungen an die Lehrer

Als Beispiel nannte der VBE-Sprecher die Beschwerde einer Mutter, die darauf bestand, dass die Lehrerin ihrer Tochter das Binden der Schnürsenkel der Sportschuhe abnimmt. Auch das Argument, dass es nicht Aufgabe der Lehrerin sein könne, 28 Schülern beim Schuhe anziehen zu helfen, habe die Frau nicht überzeugt.
Im eigenen Unterricht erlebe er immer häufiger, so Gomolzig, dass Schüler ihr Material nicht mitbrächten. Er frage sich, wie er mit einer Klasse Fortschritte erreichen solle, wenn ein Fünftel den Füller, das Lineal oder ein anderes erforderliches Utensil regelmäßig nicht dabei habe. Neben einer Qualitätsoffensive tue auch eine Erziehungsoffensive Not, unterstrich Gomolzig.

Für Eisenmann ist auch wichtig, dass die Eltern die Leistungsfähigkeiten ihrer Kinder richtig einschätzen. In Heidelberg und Tübingen besuchen 78 beziehungsweise 72 Prozent der Kinder nach der vierten Klasse ein Gymnasium. Nach Worten Eisenmanns wechseln bei solchen Übergangsquoten auch etliche Kinder in den Klassen 6,7,8 auf eine andere Schulart. Das werde immer als ein „Runterwechseln“ empfunden – obwohl es darum gehe, dass ein junger Mensch eine seiner Begabung entsprechende Schule besuche.

Mangelndes Interesse an Schulleiterposten

Weiteres Thema der Konferenz war das mangelnde Interesse an Schulleiterposten, insbesondere an Grundschulen. Der Schulexperte der CDU-Fraktion, Karl-Wilhelm Röhm, sprach sich für mehr Geld für Grundschulrektoren aus, aber auch für Entlastung der Schulleitungen. Der FDP-Bildungsexperte Timm Kern betonte, wenn jede Schule von Schulverwaltungsassistenten unterstützt würde, könnten sich die Schulleiter wieder verstärkt ihren eigentlichen Aufgaben zuwenden. In einem Modellversuch arbeiten bereits solche von den Kommunen bezahlten Verwaltungsexper-ten an einigen großen beruflichen Schulen.

VBE-Landeschef Gerhard Brand verwies darauf, dass Rektoren einer kleinen Grundschule weniger verdienten als Lehrer in der Sekundarstufe. Die Position sei „nur noch etwas für grenzenlose Idealisten“. Eine Höherstufung auf von derzeit A12 (Einstieg mit rund 3500 Euro) mit Zulage (113 bis 200 Euro) auf A13 (Einstieg mit über 4100 Euro) würde das Land 160 Millionen Euro kosten. Bei einem Kultusetat von 10,6 Milliarden Euro sei das ver-kraftbar.


Internet:
- VBE Baden-Württemberg http://dpaq.de/LtRsb
- IQB-Bildungstrend 2016 fällt für Baden-Württemberg nicht positiv aus http://dpaq.de/uX7B7

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Foto: fotolia/woodapple
 

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