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Ariadnes Blog
19.12.2017  Ariadne Morgenrot

Die katholische Kirche - Anleitung zum Missbrauch?

Es passt so gar nicht zum Weihnachstfest, was unsere Medien zur Zeit berichten. Der massenhafte sexuelle Missbrauch von Kindern in Australien wurde nun untersucht. Ein Ergebnis: Zwischen 1950 und 2011 sind sieben Prozent aller in Australien tätigen katholischen Priester zu Verbrechern gegenüber den von ihnen missbrauchten Kindern geworden.
Grundlage dieser Behauptung ist der Abschlussbericht einer unabhängigen Untersuchungskommission der australischen Regierung.  Diese Kommission hat in den letzten 5 Jahren fast 9000 Opfer von Kindesmissbrauch in Heimen, Schulen, Sportvereinen, in Gefängnissen und religiösen Einrichtungen angehört. 60 % der untersuchten Fälle fanden in religiösen Einrichtungen statt, fast zwei Drittel davon in katholischen. Bei uns waren es die Internate der Regensburger Domspatzen, die als letzte ins Visier der Aufklärer gerieten. Nun steht die katholische Kirche in Australien am Pranger. Mit Recht.

Die Schicksale, die durch den Bericht der Kommission bekannt wurden, sind - man kann es nicht anders sagen - erschütternd. Ein Mann, der in den Fünfzigerjahren in einem Waisenhaus aufwuchs, erlebte als Kind, wie drei Brüder des dort tätigen Ordens ein- oder zweimal in der Woche ihn abwechselnd nachts missbrauchten. Als er dem Arzt davon erzählte, brachen ihm die Brüder den Arm. Andere Kinder, die sexuelle Übergriffe meldeten, wurden missachtet, bestraft und manchmal auch weiter missbraucht.

Den Missbrauchern fehlte es - und dies trifft für alle zu - an einem Bewusstsein von kindlichem Recht und kindlicher Würde. Die Frage ist, wie diese Ver- und Missachtung von Kindern in einer religiösen Gemeinschaft gedeihen kann. Dass es häufig Geistliche der katholischen Religion sind, die dies ermöglichen und verschleiern, hat, so die Kommission, mit Strukturmängeln der katholischen Kirche zu tun. Das Beichtgeheimnis schützt Verbrecher vor dem Zugriff der staatlichen Justiz. Das Zölibat erhöht das Risiko, Missbraucher zu werden, wenn Priester Zugang zu Kindern haben.

Brutalität und Grausamkeit gegenüber Kindern gibt es an vielen Orten. Deutlich wird an den Berichten über den massenhaften Kindesmissbrauch, dass die Religion kein Schutz gegen das Böse ist.  Besonders makaber wirken unter diesen Umständen die moralischen Wertungen der katholischen Kirche, die die sexuelle Freiheit der Gläubigen drastisch einschränken (Verhütungs-, Abtreibungs- und Ehescheidungsverbot, Verurteilung der Homosexualität).

Alle Zahlen und Angaben aus dem Artikel von Jan Bielicki "Die unbarmherzigen Brüder" in der Süddeutschen Zeitung vom 18.12., S. 7.

Foto: Shutterstock




 

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