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Digitale Bildung
27.01.2018  Martin Stengel

Analoge oder digitale Bildung? Der Mix macht’s

Technik ist kein Ersatz für guten Unterricht, kann aber ein sinnvolles Werkzeug sein. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt wird.
Jeder Schülerin und jedem Schüler ein Tablet, Smartboards für alle Klassenzimmer und Breitbandinternet an jeder Schule – viele Eltern und Lehrkräfte träumen von solch einer Ausstattung, dabei ist sie noch lange kein Garant für besseren Unterricht. Schon 2012 kam Prof. Steven E. Higgins, Erziehungswissenschaftler an der Durham University, zu dem Ergebnis, dass es wichtiger sei, wie Technologie im Klassenzimmer konkret zum Einsatz kommt, als welche. In seiner Studie über den Einfluss digitaler Technologie auf das Lernen betont er, dass die Computernutzung zwar guten Unterricht unterstützen könne, jedoch kein Ersatz für bestehende Unterrichtsmethoden sei. „Das deutet darauf hin, dass bestehende Methoden bereits relativ effektiv sind und dass es daher nicht so leicht ist, sie zu verbessern“, sagte er gegenüber didacta DIGITAL.

Pädagogischer Nutzen im Vordergrund

Dennoch kann digitales Lernmaterial laut seiner Studie hilfreich sein, zum Beispiel beim individualisierten Lernen. So sei es einfacher möglich, jedem Kind einen Lehrplan zu bieten, der an sein Niveau angepasst ist. Schlechtere Schüler bekämen so die Möglichkeit aufzuschließen. Zudem haben sich bestimmte Strategien bewährt: So scheinen die Lernerfolge größer zu sein, wenn Kinder die Geräte unter Anleitung in Gruppenarbeit nutzen, statt einzeln damit zu arbeiten. Higgins empfiehlt darüber hinaus, sich nicht zu sehr auf die Vermittlung von Medienkompetenz zu fokussieren, sondern den pädagogischen Nutzen von Technik in den Vordergrund zu stellen. Wichtig sei außerdem eine konzentrierte Nutzung, zum Beispiel dreimal pro Woche über einen Projektzeitraum von maximal fünf bis zehn Wochen. Danach nehme die positive Wirkung auf die Lernleistung wieder ab.

Viele Faktoren führen zum Erfolg

Auch die tägliche Einsatzdauer entscheidet mit darüber, ob die Schüler mit digitalen Medien besser lernen, wie aus der OECD-Studie „Students, computers and learning: Where’s the connection?“ hervorgeht. So wiesen Schülerinnen und Schüler, die mehr als 25 Minuten pro Schultag digital lernten, häufiger schlechte Leistungen auf. Pauschale Antworten darauf, wie wirksam digitale Medien im Unterricht sind, könne die Wissenschaft somit nicht liefern, ist Prof. Dr. Bardo Herzig, Direktor des Paderborner Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung, überzeugt. Unterrichtsprozesse seien ein „äußerst kompliziertes und multifaktorielles komplexes Geschehen“. Die einfache Antwort für die Unterrichtsgestalter, „dass digitale Medien in den Unterrichtsprozessen per se diese oder jene Wirkung bei Schülerinnen und Schülern erzeugen“, biete die Forschung also nicht, schreibt Herzig in einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Umso wichtiger sind erprobte Konzepte für die Praxis. Das haben auch Bund und Länder erkannt, weshalb sie sich für den anvisierten Digitalpakt auf eine klare Arbeitsteilung verständigten: Der Bund finanziert den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Länder sollen die entsprechenden pädagogischen Konzepte im Unterricht verankern.

Ab wann digital lernen?

Aber nicht erst in Schule, Ausbildung oder Studium können digitale Medien den Lernprozess fördern, wie Antje Bostelmann, Erzieherin und Autorin zahlreicher pädagogischer Fachbücher, in „Meine Kita“ schreibt. Sie ist überzeugt, dass bereits in der Frühpädagogik beispielsweise Tablets zum Einsatz kommen sollten. Es gehe nicht um Spiele und Unterhaltung, sondern um „Lernprojekte, die, aktiv vom Kind ausgehend, Reales mit Virtuellem verbinden und dabei zu Lernerfolgen führen.“ Schließlich wüchsen Kinder in einer digitalisierten Welt auf. Bereits heute sei es Aufgabe von Erzieherinnen und Erziehern, sie beim Lernen zu begleiten und dabei Anregungen und Werkzeuge bereitzustellen. Und das nicht nur analog, sondern auch digital.
 

Vom 20. bis 24. Februar 2018 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Hannover zusammen. 

Die ausstellenden Bildungsmedienverlage, Unternehmen der Bildungswirtschaft, Stiftungen und Initiativen präsentieren zahlreiche neue digitale Lehr- und Lernmaterialien. In mehr als 1.500 Fortbildungsveranstaltungen erhalten Lehrkräfte zudem praxisnahe Hilfestellungen für den didaktisch sinnvollen Einsatz im Unterricht.

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Unterrichtsqualität in der digitalen Welt
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  • Prof. em. Dr. Hilbert Meyer, emeritierter Professor für Schulpädagogik
  • Carola Junghans, Pädagogische Seminarleiterin am Studienseminar und Grundschullehrerin in Oldenburg

20.02.2018
15:00 – 16:30 Uhr
Halle 12, D46
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

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Wie kann die digitale Bildungsrevolution gelingen?
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  • Dr. Julia Behrens, Bertelsmann Stiftung
  • Ulf-Birger Franz, Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Bildung, Region Hannover
  • Antonia Müller, Auszubildende zur Kauffrau für audiovisuelle Medien, BBS
  • Joachim Maiß, Schulleiter, Multi Media Berufsbildende Schulen
  • Stefan Sayk, Berufsbildende Schulen des Landkreises Osnabrück

20.02.2018
11:00 – 11:45
Halle 12, D14
Veranstalter: Haus der Wirtschaftsförderung Hannover 

Forum Unterrichtspraxis
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Darüber sprechen vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ), aus dem Fachbereich Medienbildung:

  • Christian Borowski
  • Maik Riecken

20.02.2018
11:00 – 12:00 Uhr
Halle 12, D46
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

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Darüber diskutieren:

  • Cornelia Frerichs, Niedersächsisches Kultusministerium
  • Frauke Keck-Pergner, Niedersächsisches Kultusministerium
  • Jennifer Meyer, BBS Neustadt am Rübenberge
  • Mechthild Pölking-Oeßelmann, Fachberaterin Agrarwirtschaft
  • Stefan Sayk, Berufsbildende Schulen des Landkreises Osnabrück
  • Mike Thielert, Fachleiter Elektrotechnik

20.02.2018
13:00 – 13:45
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21.02.2018
11:30 – 12:00
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Veranstalter: Didacta Verband e. V. / Verband Bildungsmedien e. V. 

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  • Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Didacta Verband e. V.
  • Herbert Jancke, Landesinitiative n-21
  • Lehrkräfte und Jugendliche

23.02.2018
13:00 – 13:45 Uhr
Halle 12, D14
Veranstalter: Didacta Verband e. V.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2018 finden Sie unter www.didacta-hannover.de und www.facebook.com/didacta.bildungsmesse.

Quelle: www.bildungsklick.de
Foto: fotolia/highwaystarz



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