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Erziehungspartnerschaft
23.02.2014  Interview mit Timm Albers

Zusammenarbeit mit den Eltern: Drei Fragen an...

...Timm Albers. Bei der traditionellen Elternarbeit in der Kita ging es meist um die Mithilfe bei Festen, um die Unterstützung bei Ausflügen oder darum, den Spielplatz aufzupeppen. Darüber hinaus begegneten sich Eltern und pädagogische Fachkräfte eher mit einer gewissen Distanz. Inzwischen wird jedoch von ´Bildungspartnerschaften` gesprochen. Was steckt dahinter und wie sieht eine solche Partnerschaft ganz konkret aus? Das wollten wir von Prof. Dr. Timm Albers wissen.
Wenn Eltern und Erzieherinnen sich trafen, fiel das bislang unter den Begriff  "Elternarbeit`. Heute heißt es Bildungspartnerschaft. Ist das nur ein neuer Name oder geht damit auch eine andere Qualität des Zusammenwirkens einher?

Timm Albers: Der Begriff Bildungspartnerschaft scheint in der Debatte um frühkindliche Bildung tatsächlich den Begriff Elternarbeit abzulösen. Der Hintergrund ist, dass die bei allem Bemühen um eine optimale Unterstützung der Kinder in Krippe, Kindergarten, Schule und Hort häufig die Tatsache vernachlässigt wird, dass die Grundlagen für die Bildung und Entwicklung in der Familie gelegt werden. Natürlich ist Elternarbeit immer schon als wichtiger Baustein in pädagogischen Konzepten verankert gewesen und wird es auch bleiben. Eine Partnerschaft zwischen pädagogischen Fachkräften und Erziehungsberechtigten markiert dabei das Ziel, dass die Familie zumindest als gleichberechtigt wahrgenommen wird, wenn es um die Bildung der Kinder geht. Bildungspartnerschaft muss dann keine Liebesbeziehung sein, sondern Elternarbeit im Sinne der Kooperation auf Augenhöhe.


Wie profitieren die verschiedenen Akteure: Eltern, Erzieherinnen und schließlich die Kinder?

Der Leiter einer Kita in einem belasteten Stadtteil berichtete im Rahmen eines Projekts zur Unterstützung von Familien in Armutslagen eindrucksvoll, wie ein veränderter Blick auf die Familien sich auf Elternarbeit auswirken kann. Während Eltern häufig zu Gesprächen in die Kita gebeten wurden, wenn es Probleme mit dem Verhalten der Kinder gab, waren die Mütter und Väter plötzlich überrascht, als die Kita sich entschloss, Entwicklungsgespräche zu führen, in denen die Ressourcen der Kinder in den Vordergrund gestellt wurden. Wenn Verfahren wie die Bildungs- und Lerngeschichten oder Portfolios eingesetzt werden, ermöglicht es Eltern einen vertieften Einblick in die professionelle Arbeit der Kindertageseinrichtung. Interessen, die das Kind in der Kita verfolgt, können dann zuhause fortgeführt werden. Wenn Eltern stärker in die Arbeit einbezogen werden, wenn Möglichkeiten der Beteiligung gegeben werden, führt das im Idealfall zu einem verbesserten Verständnis und zu einer stärkeren Identifikation mit der Bildungseinrichtung Kita. Umgekehrt ermöglicht ein Dialog auf Augenhöhe auch den frühpädagogischen Fachkräften einen Einblick in das Familienleben. Dass dies ein langwieriger Prozess ist, bei dem Vorurteile und Vorbehalte abgebaut werden müssen, ist selbstverständlich.


Sind die Erzieherinnen auf diese Partnerschaft vorbereitet, beziehungsweise was müsste dafür noch getan werden?

Eltern haben Vorurteile gegenüber der Kindertageseinrichtung, ebenso wie frühpädagogische Fachkräfte sie im Hinblick auf die Familien haben. Familien sind genauso unterschiedlich in ihren Bedürfnissen und Ausgangslagen, wie das die Kinder einer Einrichtung sind. Zu einem besseren gegenseitigen Verständnis trägt die Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit Angeboten der Frühen Hilfen, Frühförderung, Familienbildung, Elterntrainings, Institutionen des Gesundheitssystems und weiteren Angeboten für Familien in der Kommune oder im Stadtteil bei. Wenn frühpädagogische Fachkräfte in der Kommunikation mit Erziehungsberechtigten an ihre Grenzen kommen, brauchen sie Unterstützung durch Fachberatung und Supervision. Zentral für das Gelingen von Bildungspartnerschaft ist das Einlassen auf die möglicherweise völlig unterschiedlichen Bildungsverständnisse von Familie und Institution. Die Anerkennung der unterschiedlichen Ausgangslagen in der Elternarbeit kann im Prozess dann zu einer Annäherung von Positionen im Sinne einer Bildungspartnerschaft führen.



Zur Person
Timm Albers ist Professor für Inklusive Pädagogik an der Universität Paderborn. Zuvor war er Juniorprofessor für Frühkindliche Bildung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Seine Schwerpunkte in Lehre und Forschung liegen in den Bereichen Inklusion in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, Spracherwerb und Sprachliche Bildung bzw. alltagsintegrierte Sprachförderung, sowie der interdisziplinären Frühförderung.




Quelle: didacta Themendienst 2014 
     



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