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Sprachliche Bildg./Mehrsprachigkeit
29.11.2015  Anja Bereznai

Mehrsprachigkeit fördern: Europäisches Sprachenportfolio

Das „Europäische Sprachenportfolio" (ESP) ist ein Instrument, das durch den Europarat entwickelt wurde und der Förderung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt in Europa dient. Mit seiner Hilfe können sprachliche Fähigkeiten und Erfahrungen dokumentiert und sprachliches und interkulturelles Lernen begleitet werden.

Das ESP besteht aus drei Teilen: Dem Sprachenpass, der Sprachenbiographie und dem Dossier (ipe 2011).

Seit 2011 liegt eine deutschsprachige Version des ESP vor, die für den Elementarbereich konzipiert ist. Das ESP für den Elementarbereich wurde durch das Institut für Interkulturelle Pädagogik im Elementarbereich (ipe) e.V. in Mainz entwickelt. Entstanden ist die Idee hierzu aufgrund von Erfahrungen in Projekten zu Mehrsprachigkeit in Mainzer Kindertagesstätten, in denen das große Interesse von ein- und mehrsprachig aufwachsenden Kindern an der Beschäftigung mit Sprachen deutlich wurde. Das ESP wurde im 2009-2011 im Rahmen eines Projektes entwickelt und in Kooperation mit drei Mainzer Kitas erprobt.

Ziel dieses Portfolios ist eine stärkere Verankerung von Mehrsprachigkeit in Kindertagesstätten. Es soll Kindern und Erwachsenen die vorhandenen Fähigkeiten in unterschiedlichen Sprachen bewusst machen und sie „zum Nachdenken über den eigenen Sprachlernprozess und den Gebrauch von Sprachen" anregen (Filtzinger 2011: 22). Die Arbeit mit dem ESP erfolgt in Kleingruppen mit ein- und mehrsprachigen Kindern im Alter von drei bis sieben Jahren. Sie kann in eine ggf. schon etablierte Portfolioarbeit in der Kita integriert werden, zudem können an vielen Stellen der Portfolioarbeit die Eltern mit eingebunden werden.

Das ESP besteht aus einem Ordner mit Kopiervorlagen zu den Teilen Sprachenbiographie, Dossier und Sprachenpass in den Sprachen Deutsch, Englisch, Türkisch und Italienisch. Im zugehörigen Handbuch werden allgemeine theoretische Grundlagen zu Sprachenportfolios und zum Thema Mehrsprachigkeit dargestellt und Ideen für den praktischen Einsatz in der Kita beschrieben.

In der „Sprachenbiographie" sollen die individuellen Lernerfahrungen des Kindes in allen seinen Sprachen dokumentiert werden. Als Grundlage hierfür wird in Kleingruppen mit den Kindern überlegt, wo sie den verschiedenen Sprachen begegnen und wie sie sie verwenden. Dabei werden alle Sprachen und Dialekte berücksichtigt – insbesondere natürlich diejenigen, die von Kindern in der Einrichtung verwendet werden. Auch Teilkompetenzen wie das Verstehen von Sprachen oder das Beherrschen einzelner Wörter können einbezogen werden (Montanari 2011: 46). Hierfür enthält der ESP-Ordner Kopiervorlagen für Arbeitsblätter, auf die man z.B. den eigenen Namen in verschiedenen Schriften schreiben oder die Sprachen eintragen kann, die das Kind in der Familie im Kontakt mit unterschiedlichen Personen verwendet oder hört.

Die durchlaufenen Lernprozesse des Kindes sollen mit Hilfe des „Dossiers" anschaulich gemacht werden, in dem Arbeiten des Kindes gesammelt werden (ebd.). Auf den entsprechenden Kopiervorlagen finden sich Vorschläge, wie das Dossier bestückt werden kann. Infrage kommen hier z.B. Lieder, Bilder oder auch Wörter in verschiedenen Sprachen, die gemeinsam mit den Eltern gesammelt wurden.

Der „Sprachenpass" beinhaltet Aussagen zu Fähigkeiten des Kindes in einzelnen Sprachbereichen wie „Hörverstehen" und „zusammenhängendes Sprechen", mit deren Hilfe die sprachlichen Kompetenzen sichtbar gemacht werden können, die das Kind bereits erworben hat. Hier kann man gemeinsam mit dem Kind eintragen, in welchen Sprachen es die einzelnen Anforderungen zu welchen Zeitpunkten bewältigen konnte.

Literatur

  • Catanese, Giovanni Cicero (2010). Das Europäische Sprachenportfolio. Anwendungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zur Unterstützung einer interkulturellen und mehrsprachigen Bildung in vorschulischen Einrichtungen. Münster: Waxmann.
  • Filtzinger, Otto (2011). Europäische Sprachenpolitik und frühe Mehrsprachigkeit – Sprachpolitische und bildungspolitische Zusammenhänge. In O. Filtzinger – E. Montanari & G. C. Catanese, Europäisches Sprachenportfolio. Mehrsprachigkeit in der frühkindlichen Bildung wertschätzen und dokumentieren (S. 15-37). Köln: Bildungsverlag EINS.
  • Institut für Interkulturelle Pädagogik im Elementarbereich (ipe) e.V. (2011). Das Europäische Sprachenportfolio für den Elementarbereich. Entwicklung und Validierung eines deutschen Modells (Abschlussbericht). Online: http://www.ipe-mainz.de/Download/Dokumentation-SDW.pdf (31.07.2015)
  • Montanari, Elke (2011). Das Europäische Sprachenportfolio in der frühen Bildung. In O. Filtzinger – E. Montanari & G. C. Catanese, Europäisches Sprachenportfolio. Mehrsprachigkeit in der frühkindlichen Bildung wertschätzen und dokumentieren (S. 39-62). Köln: Bildungsverlag EINS.

Quelle: nifbe.de



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