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Kinderschutz
23.01.2016  Hilde von Balluseck

Die Domspatzen von Regensburg

Während wir uns über die Ereignisse der Sylvesternacht in Köln empören, gerät ein anderer Skandal in den Hintergrund der medialen Aufmerksamkeit: Die Gewalt, die vielen Jungen der Regensburger Domspatzen bis in die 70er Jahre angetan wurde.
Es waren deutsche Männer, es waren Katholiken, es waren Kirchenmänner, die im Internat für die Regensburger Domspatzen Jungen missbrauchten und verprügelten. Erst heute fangen die Opfer an zu sprechen, und was sie über das Verhalten derjenigen Männer zu berichten haben, denen sie anvertraut waren, lässt einen schaudern.

 Alexander Probst war 1971 12 Jahre alt, als er sich eine Zeitschrift kaufte, in der Männer abgebildet waren, die Frauen "anfassten", "keine Buben". Alexander war irritiert: Der Präfekt  " hat immer mein Zipferl in die Hand genommen, immer", nun sollte der Vater den Widerspruch zwischen dem Verhalten der Männer in der Zeitschrift und des Präfekten erklären. Der Junge hatte Glück im Unglück. Denn der Vater glaubte ihm, fuhr ins Internat, nahm die Sachen seines Sohnes aus dem Schrank und fuhr mit dem Jungen nach Hause.

Der Mann, bei dem sich Alexander Probsts Vater vorher wütend beschwerte, war der Kapellmeister Georg Ratzinger, der Bruder des späteren Papstes. Er war einer der brutalsten Prügler, so Alexander Probst, der mit mehreren anderen Opfern an die Öffentlichkeit getreten ist.

Immerhin setzte das Bistum Ulrich Weber als Aufklärer des Skandals ein, aber eine Wiedergutmachung wird für unnötig gehalten. Weber hat 42 Priester, Erzieher und Lehrer als Täter ausgemacht - wie gesagt: DEUTSCHE Männer. OHNE Migrationshintergrund.  Strafrechtlich haben sie nichts zu befürchten, denn die Taten sind verjährt.

In diesem Punkt geht es ihnen wie den meisten Tätern, die in der Sylvesternacht sexuelle Übergriffe und mehr bei Frauen wagten: Sie können in den wenigsten Fällen zur Rechenschaft gezogen werden - das deutsche Sexualstrafrreicht reicht dazu nicht aus..

Alle Angaben zu den Regensburger Domspatzen und Zitate aus dem Artikel "Hölle auf Erden" von Andreas Glas in der SZ vom 18.1.2016.



 

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