Biderbuch-Apps in Kita und Kindertagespflege
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Medienkompetenz
13.05.2018  Julia Knopf

Tipps für gute Bilderbuch-Apps

Bilderbuch-Apps unterstützen literarisches Lernen. Meine Kita gibt Tipps, wie pädagogische Fachkräfte aus hunderten Angeboten die richtigen Apps für Kinder finden.
Bilderbuch-Apps sind digitale Erzählungen für Mobilgeräte. Damit die Apps einen Mehrwert im Vergleich zum Buch haben, sollten sie keine Kopien gedruckter Bilderbücher sein, sondern mit den Möglichkeiten der neuen Medien experimentieren. Um qualitativ hochwertige Angebote zu nutzen, helfen klare Kriterien für Bilderbuch-
Apps und Ideen, wie man sie in der Kita sinnvoll einsetzen kann.

Bilderbuch-Apps kann man in den Online Stores der großen Anbieter wie Google oder Apple suchen. Die dort nutzbaren Suchfilter sind allerdings oft wenig differenziert, die Bewertungen der Ergebnisse unzureichend und nicht objektiv. Eine bessere Anlaufstelle sind daher spezielle Websites, die gute Bilderbuch-Apps vorstellen, beispielsweise ene-mene-mobile.de und bestekinderapps.de. Hier werden in regelmäßigen Abständen Neuerscheinungen vorgestellt und bewertet.

Bilderbuch-Apps unterliegen ähnlichen Anforderungen wie analoge Bilderbücher. Durch neue technische Möglichkeiten gibt es darüber hinaus eine Vielzahl an Besonderheiten, die sich positiv auf das literarische Lernen auswirken können:

Sprache
  • Vorlesefunktion: Gute Bilderbuch-Apps haben eine Vorlesefunktion, die man aktivieren oder deaktivieren kann. Die Qualität der Vorlesestimme ist wichtig. Manche Apps ermöglichen es, den Text selbst einzusprechen. Erwachsene und Kinder entwickeln so ihre eigenen Bilderbuchgeschichten.
     
  • Mehrsprachigkeit: Viele Bilderbuch-Apps lassen sich in unterschiedlichen Sprachen rezipieren. Wenn es die Apps beispielsweise auf Englisch oder Türkisch gibt, sind sie für das frühe Fremdsprachenlernen oder für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache geeignet.
     
  • Variationen: In Bilderbuch-Apps können einzelne Texte ein- und ausgeblendet werden: Blendet man den Text aus, lassen sich einzelne Abbildungen genauer betrachten. Vergrößert man einzelne Bildelemente, kann jedes noch so kleine Detail zum Gesprächsgegenstand werden.
Technische Möglichkeiten
  • Touchscreen: Tablet-typische Aktivitäten wie Tippen oder Wischen sollten in einem Zusammenhang mit der Geschichte stehen. In manchen Apps lassen sich die Animationen erst nach der Rezeption des Textes aktivieren. Dies verhindert, dass die Kinder zu schnell auf die nachfolgende Seite blättern oder unreflektiert Animationen auslösen.
     
  • Kamera- und Mikrofonfunktion: Beide Funktionen können nachhaltiges Lernen mit der App unterstützen. Durch die Kamera lassen sich Fotos von Szenen einfügen, die die Kinder selbst entwickelt haben. Mithilfe des Mikrofons können Personen den Text einsprechen. In einzelnen Apps können die Rezipienten sogar fotografierte oder gemalte Szenen integrieren.
     
  •  Geräusche und Musik: Nahezu alle Bilderbuch-Apps werden durch Geräusche und Musik untermalt. Beides kann die Rezeption fördern, aber auch negativ beeinflussen. Dies gilt es im Einzelfall zu prüfen. Es gibt Anwendungen, in denen sich die Geräusche überlagern, oder in denen die Begleitmusik gar nicht zur Handlung passt. Idealerweise sollte alles manuell abstellbar sein.

Anwenderfreundlichkeit und Sicherheit
  • Strukturierung: Eine einfache Struktur und eine kindgerechte Navigation helfen, sich selbstständig in der Anwendung zu orientieren. In einigen Apps werden die Kinder dabei durch einen Erzähler oder eine Figur aus der Geschichte unterstützt. Wichtig ist auch ein Storyboard, das alle Seiten des Bilderbuchs im Überblick darstellt. Dadurch lassen sich einzelne Sequenzen gezielt ansteuern.
     
  • Erwachsenen-Bereich: Ein gesonderter Bereich für Erwachsene ist unerlässlich, wird im Moment allerdings noch zu wenig angeboten. Sinnvoll wären Informationen über das Bilderbuch selbst wie Deutungsperspektiven oder Hinweise zum Umgang mit der App wie über angemessene Nutzungszeiten oder Vorlesetipps.
     
  •  Werbung und Datenschutz: Bei der Nutzung der Bilderbuch-App dürfen die Kinder nicht von Werbeanzeigen abgelenkt werden. Zahlungspflichtige Angebote innerhalb der App sollten innerhalb der allgemeinen Einstellungen am Tablet ausgeschalten werden. Dies gilt auch für die individuellen Daten oder Ergebnisse der Kinder wie eingesprochene Texte.
Illustration und Animation
  • Künstlerische Gestaltung: Die künstlerische Gestaltung der Bilderbuch-Apps kann das literarische Lernen in besonderer Weise fördern und die Kinder zum genauen Wahrnehmen motivieren.
     
  • Animationsmöglichkeiten: Die Animationsmöglichkeiten reichen von farblichen Hervorhebungen bis hin zu interagierenden Figuren. Diese können beim literarischen Lernen unterstützen. Man sollte darauf achten, dass die Kinder nicht durch unstimmige oder zu viele Animationen von der Handlung abgelenkt werden.
Vorsicht vor Reizüberflutung

Technische Möglichkeiten werden in einigen Bilderbuch-Apps zu stark eingesetzt. Das führt mitunter dazu, dass sich die Kinder nicht mehr auf die eigentliche Geschichte konzentrieren können. Bei der Auswahl der Bilderbuch-Apps sollte daher auf eine sinnvolle und harmonische Kombination der unterschiedlichen Elemente wie Animation und Text geachtet werden. Oft überlagern Hintergrundgeräusche oder Animationen die Vorleserstimme. In manchen Apps lassen sich Animationen durch die Nutzer bereits während des Vorlesens auslösen. Die Kinder sind dann oft nur noch damit beschäftigt, Animationen auszulösen und von einer Seite auf die nächste zu wischen.

Bilderbuch-Apps für die Kita:

Fiete. Das versunkene Schiff

Fiete fällt eine Schiffsplanke mit der Aufschrift „Botilda“ auf den Kopf. Sie gehört zu einem versunkenen Schiff. Daraufhin beschließen Fiete und seine Freunde, sich auf die Suche nach dem Schiff zu machen. Die Kinder helfen dabei.
Ahoiii Entertainment, ab ca. 5 Jahren

Milli
Die kleine Schnecke Milli macht sich auf die Suche nach sich selbst. Dabei begegnet sie vielen Tieren und erlebt mit ihnen tolle Abenteuer. Die Erzählung in Reimform wird wohlüberlegt durch Animationen und Interaktionen ergänzt.
Mixtvision, ab ca. 3 Jahren

Die Brille
Max entdeckt an einem Sommertag eine besondere Brille. Sobald er diese aufsetzt, verwandelt sich seine Umgebung in eine fantasievolle Abenteuerwelt. In neun Szenen können sich die Kinder die Brille selbst aufsetzen und werden zum Erzählen angeregt.
Luftlinie Produktion UG, ab ca. 4 Jahren

Der kleine Wolf
In dieser App machen sich Kinder mit einem Wolf auf eine Reise. Sie besuchen unterschiedliche Orte und
werden durch interaktive Elemente Teil der hochwertig´illustrierten Geschichte.
ekibu, ab ca. 4 Jahren

Im Garten der Pusteblumen
Schneiderin Anna lebt im Tal der Windmühlen. Perfekte Maschinen sorgen für ein wunschloses Leben. Kinder
machen sich hier Gedanken über das Glück – auch in Form einzelner Interaktionen.
Mixtvision, ab ca. 4 Jahren

Die Autorin
Prof. Dr. Julia Knopf leitet den Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe und das Forschungsinstitut Bildung
Digital an der Universität des Saarlandes. Sie ist Gründungspartnerin der Beratungsunternehmen für digitale Medien KLEE - kreativ lernen und Erfolg erleben und der Didactic Innovations GmbH.

Quelle: Meine Kita - Das didacta Magazin für die frühe Bildung 02/18, Seite 24-27. Originaltitel: "Wischen mit Fiete, Milli und Anna"

Foto: ESB Professional / Shutterstock
 

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