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Bildungsort Familie

Eltern: Die wichtigsten Lehrer der Kinder

Familie hat den größten Einfluss auf Kinder, sie ist der wichtigste Lernort. Höchste Zeit, dass der Familienbildung mehr Aufmerksamkeit zukommt – auch in den Kitas.

Heidemarie Rose, Katharina van der Veen

Gute Bildungsangebote im frühen Alter können helfen, familiär- und entwicklungsbedingte Benachteiligungen zu vermindern. Deswegen und zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfolgte in den vergangenen Jahren ein starker Ausbau an Krippen- und Kita-Plätzen. Doch während die gesellschaftliche und finanzielle Förderung von Kitas und Krippen steigt, wird der Lernort Familie von der Politik kaum beachtet. Dabei kann die Funktion und die Bedeutung, die die Eltern für das Heranwachsen ihrer Kinder haben, nicht hoch genug eingeschätzt werden.

 

Familie entscheidend für Bildungserfolge

Studien wie die „European Child Care and Education Study“ der Universität Bamberg aus dem Jahr 1999 zeigen, dass Bildungserfolge vorrangig auf dem Einfluss der Familie beruhen. Die Untersuchungen gehen davon aus, dass der Einfluss der Familie zwei- bis dreimal so hoch ist wie der der Kita. Das bedeutet nicht, dass die Kita keine wichtige Funktion in der Entwicklung des Kindes einnimmt. Sondern, dass bei den Eltern angesetzt werden muss, um die bestmöglichen Bildungserfolge zu erzielen. Kitas alleine können diese große Aufgabe nicht bewältigen. Die Politik muss ausreichend qualitativ hochwertige Angebote für Familien finanzieren und ermöglichen. Dabei müssen insbesondere Familien adressiert werden, die sich in herausforderungsvollen Lebenslagen befinden, zum Beispiel aufgrund von Armut, Sprachbarrieren oder anderer biografischer Einflüsse. Denn belastete Eltern können ihren Kindern weniger Unterstützung in ihrer Entwicklung bieten – dieser Chancenverlust, der bereits während der Schwangerschaft und spätestens nach der Geburt eintritt, kann durch keine Kita kompensiert werden.

 

Eltern stärken, Kitas entlasten

Daher ist die umfangreiche Förderung und der Ausbau von Kitas nicht die alleinige Lösung zur Adressierung von Bildungsungleichheiten. Auch die Eltern müssen als Zielgruppe gedacht und in ihren Erziehungs- und Bildungskompetenzen gestärkt werden. Das kann den Lernort Familie nachhaltig stärken und die Kitas entlasten.

Damit Kinder in ihrer Entwicklung davon profitieren können, ist es wichtig, die Systeme Familie und Bildungsinstitution näher aneinander zu bringen, das heißt Familienbildung und Kitas enger und aktiv miteinander zu verzahnen. Dabei geht es nicht darum, den bereits teils überlasteten pädagogischen Fachkräften weitere Aufgaben zu übertragen, sondern bestehende Eltern- und Familienbildungsangebote an den Lernort Kita anzuschließen.

 

HIPPY in der Kita St. Johannis

Dass das gut funktionieren kann, zeigt das Beispiel der Kita St. Johannis in Karlstadt in Unterfranken. Dort wird das Familienbildungsprogramm HIPPY von Impuls Deutschland in Kooperation mit der Stadt Karlstadt umgesetzt.

Das Programm bereitet Eltern und Kinder auf die Schule vor. Eigens geschulte Mitarbeiterinnen der Stadt arbeiten mit den Eltern in der Kita und bereiten sie und ihre Kinder umfassend mit HIPPY auf die Schule vor. Mit Materialien wie Büchern und Aktivitätenheften werden Eltern unterstützt, Kinder erlernen dabei grundlegende Fähigkeiten, die für einen guten Schulstart notwendig sind: den Umgang mit Büchern, Konzentrationsfähigkeit, mathematische und schriftsprachliche Vorläuferfähigkeiten sowie Sprache. Zur Stärkung der Bildungspartnerschaft werden die Kita-Fachkräfte punktuell in die Aktivitäten einbezogen. Koordiniert wird das Projekt durch die Integrationsbeauftragte der Stadt Karlstadt. Sie ist für die Absprache mit der Kita sowie für die Betreuung der Mitarbeiterinnen zuständig.

Mit Programmen wie HIPPY will Impuls Deutschland Stiftung e.V. Eltern dazu befähigen, ihre Kinder eigenständig zu fördern und zu stärken – als deren erste und wichtigste Lehrer.

Familienprogramm der Impuls Deutschland

Impuls Deutschland Stiftung e.V. entwickelt Familienbildungsprogramme, die von Kommunen oder Trägern umgesetzt werden. Ziel ist die Förderung von Familien zur Erreichung von Chancengleichheit. Seit 1991 wurden über 40 000 Familien gestärkt. Das Programm „HIPPY“ – Home Interaction for Parents and Preschool Youngsters – ist für Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren. Es arbeitet nach dem Family Literacy-Ansatz und bereitet Kinder und Eltern spielerisch auf das Lernen in der Schule vor – in Hausbesuchen oder in Zusammenarbeit mit Kitas. Weitere Infos zu den Programmen auf:

www.impuls-familienbildung.de

didacta – Das Magazin für lebenslanges Lernen, Ausgabe 2/2019, S. 41-43, www.didacta-magazin.de

Dr. Heidemarie Rose

Dr. Heidemarie Rose ist Vorstandsmitglied von Impuls Deutschland Stiftung e.V. sowie ehemalige Leiterin der Abteilung für Junge Menschen und Familie bei der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport in Bremen.

Katharina van der Veen

Katharina van der Veen ist Erziehungswissenschaftlerin und Mitarbeiterin bei Impuls Deutschland Stiftung e.V..

Von Heidemarie Rose, Katharina van der Veen • 24.05.2019

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