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digitale Mal-Apps

Digitale Mal-Apps für den Kita-Alltag

Digitale Mal-Apps fördern die Kreativität der Kinder. Meine Kita / Frühe Bildung Online stellt Anwendungen vor, die sich für den Kita-Alltag eignen.

Jannick Eckle, Julia Knopf, Sina-Marie Schneider

Malen ist für Kinder weitaus mehr als nur eine Beschäftigungsmöglichkeit. Denn wenn Kinder malen, dann entdecken und erschließen sie sich die Welt. Sie verarbeiten Eindrücke und Gefühle und lassen ihrer Kreativität und Fantasie freien Lauf. Je nach Zeichen- und Maltechnik ist dafür eine längere Vor- und Nachbereitungszeit nötig: Stifte spitzen, Farben mischen, Unterlagen säubern – das wissen Erzieherinnen und Erzieher nur zu gut.

 

Gute Gründe für Mal-Zeiten

Es gibt genügend gute Gründe, die für Mal-Zeiten in Kitas sprechen. Denn Malen wirkt sich positiv auf viele Bereiche in der Kindesentwicklung aus. Malen fördert die Kreativität des Kindes. Denn nicht nur beim Lesen entstehen Bilder im Kopf, sondern auch beim Malen. Wenn ein Kind zum Stift greift, zeigt sich auf dem Papier seine schöpferische Kraft. Das Gefühl, etwas Eigenes und Neues geschaffen zu haben, löst bei Kindern Zufriedenheit und Stolz aus. Dies hat positive Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl. Beim Malen verarbeiten Kinder nicht selten ihren Alltag. Viele Kinder finden dabei die nötige Ruhe, um in sich hineinzuhören, Gefühle und Emotionen wahrzunehmen und sie zuzulassen.

 

Auch werden beim Malen Alltagssituationen reflektiert, bewertet und bildlich zum Ausdruck gebracht. Je nach Stimmung ergeben sich andere Bildmotive. Wenn Kinder malen, dann nehmen sie ihre Umwelt meist genau unter die Lupe. Anders als beim flüchtigen Sehen, schauen sie beim Malen genau hin und nehmen so schon früh verschiedene Details wahr, wie beispielsweise Blattadern oder Schneekristalle. Malen fördert damit nicht nur die Konzentration, sondern auch die visuelle Wahrnehmung eines Kindes. Auch ist Malen eine wichtige Voraussetzung für das Schreibenlernen.

 

Kinder sind sich durch das Malen schon vor Schuleintritt über die Bedeutung ihrer grafischen Zeichen bewusst. Was sie früher noch in Bildern zum Ausdruck brachten, können sie bald schon in Form von ersten Texten festhalten. Sie verstehen dadurch schon früh, dass es für grafische Zeichen und Formen gewisse Konventionen gibt, die einzuhalten sind, damit andere Menschen sie verstehen und eindeutig wiedererkennen können.

 

Digitaler Malspaß ohne Kleckerei

Immer früher kommen Kinder mit digitalen Medien wie Laptop, Tablet und Smartphone in Berührung. Sie gehören zur Lebenswirklichkeit der Kinder selbstverständlich dazu. Das digitale Malen hat viele Vorteile:

  • Überarbeitungs- und Korrekturmöglichkeiten
    Der größte Vorzug des digitalen Malens sind die Überarbeitungs- und Korrekturmöglichkeiten. So können Linien und ganze Bildausschnitte im Handumdrehen mit Hilfe eines digitalen Radierers entfernt und korrigiert werden – und das so lange, bis das Kind mit dem Endergebnis zufrieden ist
  • Experimentierfreundlichkeit
    Ein Bild kann in mehreren Versionen und Stadien gespeichert werden. Die Möglichkeit, vorherige Bildstände wiederherzustellen, ermutigt Kinder zum Experimentieren und Ausprobieren.
  • Flexibilität
    Malen bedarf je nach gewählter Technik einer längeren Vor- und Nachbereitungszeit durch die pädagogische Fachkraft. Aufgaben wie das Auswaschen der Pinsel und Säubern der Unterlagen entfallen beim digitalen Malen vollständig. Je nach App wählen die Kinder die Malwerkzeuge und Technik aus und beginnen sofort mit dem Malen. Eine einmal begonnene Arbeit kann vom Kind gespeichert und am nächsten Tag nach Belieben fortgesetzt werden.
  • Farbvielfalt und Genauigkeit
    Am Tablet kann nahezu jeder Farbton gewählt werden – und das ohne großen Mischaufwand. Viele Tools wie der „Kritzel Klub“ enthalten eine Pipette, mit der eine präzise Farbauswahl getroffen werden kann. Zudem lassen sich Linien dank Linealfunktion exakt zeichnen.
  • Anschlusshandlungen
    Digitales Malen ermöglicht vielfältige Anschlusshandlungen. So können Bilder unmittelbar nach ihrer Fertigstellung gespeichert, per E-Mail versendet, geteilt oder ausgedruckt werden. Auch bietet es sich an, aus den von den Kindern erstellten Bildern eine Art Gruppenbilderbuch zu erstellen.

 

Apps und Tools zum digitalen Malen

  • Kritzel Klub
    Der Kritzel Klub ist eine interaktive MalPlattform, auf der Kinder schnell und einfach digitale Bilder anfertigen können. Hierzu wählen sie Maltechnik, Linienstärke und Material selbstständig aus. Der Kritzel Klub bietet einen großen Funktionsumfang. Neben der Möglichkeit des freien Malens können die Kinder aus motivierenden und interaktiven Malspielen wählen, wie beispielsweise dem „Blindzeichnen“ oder aber dem „Cartoon Diktat“. Bei letzterem erteilt der Sprecher dem Kind Malaufträge per Lautsprecheransage, wie „Zeichne einen Kreis.“ Die Verwendung des Tools ist kostenlos.
    www.kritzel-klub.de
     
  • Dogbiscuit
    Bei Dogbiscuit handelt es sich um eine für Kleinkinder konzipierte Malbuch-App. Sie ist für iOS- und Android-Geräte für 3,49 Euro verfügbar. Gemeinsam mit dem Hund Dogbiscuit und seinen Freunden tauchen die Kinder in ein spannendes Mal-Abenteuer ein. In insgesamt drei Welten fertigen sie viele verschiedene Bilder an und zeichnen zur Kulisse passende Gegenstände nach, beispielsweise einen Obstbaum, einen Traktor. Die Kunstwerke der Kinder können dann in die Welten von Dogbiscuit integriert werden. So nehmen die Kinder selbst Einfluss auf die Gestaltung der Schauplätze in der App.
    www.ene-mene-mobile.de/spielen/ kinder-mal-app-dog-biscuit
     
  • Damki Town – Einwohner-Malbuch
    Die Bewohner der Stadt Damki Town stehen vor einem großen Problem: Ihrer Stadt ist die Farbe abhandengekommen. Höchste Zeit, der Stadt ihre Farbenpracht wiederzugeben. Den Kindern steht hierzu eine umfangreiche Farbplatte zur Verfügung. Die App lässt verschiedene Schwierigkeitsgrade zu. So können die Kinder die Flächen entweder individuell oder aber mit Hilfe des Ausfüll-Werkzeugs anmalen. Die App kostet je nach Betriebssystem zwischen 0,59 und 1,09 Euro.
    www.ene-mene-mobile.de/spielen/ kinder-malbuch-app-damki-town/8
     
  • Coosi Box
    Mit der kostenfreien App Coosi Box lassen sich Kinderzeichnungen zum Leben erwecken. Nachdem sich die Kinder einen Coosi – ein Monster – zusammengestellt haben, beginnen sie mit dem Malen. Sie wählen aus verschiedenen Malbilder aus und zeichnen das Bildelement, von dem sie glauben, dass es auf dem Bild fehlt. So muss ein Angelmotiv um den Fang des Anglers ergänzt werden. Sobald sie die Szene vervollständigt haben, erwacht diese zum Leben und der eigentliche Spaß beginnt. Vor allem dann, wenn man zuvor nicht weiß, wie die Szene animiert ist. Fertige Szenen können in der Sharing Box geteilt und mithilfe von Herz-Symbolen untereinander gewürdigt werden.
    www.check-app.de/2015/09/20/coosibox-kreativ-und-kinderfreundlich
     

Mittlerweile gibt es unzählige Mal-Apps in den App-Stores. Vor dem Einsatz ist allerdings immer zu prüfen, ob die jeweilige Anwendung den eigenen Qualitätsstandards genügt und ob sie individuell zu den Kindern passt: Welche Atmosphäre wird durch Illustration und Ton erzeugt? Gibt es in der App kritische Verlinkungen zu externen Seiten? Gibt es in der App kostspielige In-App-Käufe, die schnell in Abo-Fallen münden?

 

Wenn keine Gefahren bestehen, ist das Malen mit dem Tablet eine sinnvolle Ergänzung zum traditionellen Malen mit Pinsel und Zeichenblock in der Kita.

 

Erstveröffentlichung: Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 1/2019, S. 25-28

Prof. Dr. Julia Knopf

Prof. Dr. Julia Knopf leitet den Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe und das Forschungsinstitut Bildung Digital an der Universität des Saarlandes. Sie ist Gründungspartnerin der Beratungsunternehmen für digitale Medien KLEE (Kreativ lernen – Erfolg erleben) und der Didactic Innovations GmbH.

Jannick Eckle

Jannick Eckle ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe der Universität des Saarlandes und Junior Consultant für digitale Bildung bei Didactic Innovations.

Sina-Marie Schneider

Sina-Marie Schneider ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe der Universität des Saarlandes und Junior Consultant für den Bereich Digital Education in der Didactic Innovations GmbH.

Von Jannick Eckle, Julia Knopf, Sina-Marie Schneider • 09.02.2019

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