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App Kita

Kinderleicht: App für die Kita

Die Nemborn-Plattform ermöglicht eine unkomplizierte Kommunikation zwischen pädagogischen Fachkräften, Eltern und dem Träger. Und sie lässt die Eltern mehr an der Entwicklung ihrer Kinder in der Kita teilhaben.

Marco Marx und Tina Sprung

Am Dienstagmorgen stapft der dreijährige Tim in seiner grünen Matschhose und seinen blauen Gummistiefeln mit seinem Papa in die Kita. Raus aus dem Regen, rein ins Warme. Im Eingangsbereich geht er zur Kinderrezeption. Hier melden sich die Kinder morgens an und bewerten beim Verlassen der Einrichtung am Nachmittag ihren Tag. Ganz einfach, mit einem Fingerdruck auf ihr Foto. Die Kinder haben so die Möglichkeit, selbst Bildungsangebote anzuregen, die Fachkräfte erhalten ein direktes Feedback und die Einrichtung gewinnt auf diese Weise Informationen über die Anwesenheit, Ankunfts- und Abholzeit.

 

Neue Technologien im Kita-Alltag

Tim besucht die Kinderkrippe „KiClubLeo“ in München, Schwabing. Die Einrichtung setzt seit ihrer Gründung 2016 auf neue Technologien, um den Kita-Alltag leichter zu organisieren und zu planen. Derzeit erprobt sie den Nemborn-Ansatz. Dabei handelt es sich um eine dänische Kita-App, die die Stadt Kopenhagen initiierte. Pädagogische Fachkräfte, Expertinnen und Expertem en aus Wissenschaft und Mitarbeiter der Stadt suchten nach Lösungen, die Einrichtungen zu digitalisieren. Zusammen mit Assemble entwickelten sie die Software. „Die enge Verknüpfung von Technologie und pädagogischem Konzept unterscheidet Nemborn von anderen Lösungen auf dem Markt“, ist Wassilios E. Fthenakis, Leiter des Kiclubs und Meine Kita-Chefredakteur, überzeugt.

 

Einmal quer durch die Stadt, Richtung Moosach. Die Kita Großstadtgeschwister führte 2016 die App ein. Leiter Thomas Häring erinnert sich: „Ich habe einen Fernsehbeitrag über Verwaltungssoftware in der Kita gesehen – und wie diese den Arbeitsalltag erleichtern können.“ Er entschied sich ebenfalls dafür: „Ich habe mich viel über die App erkundigt und war überzeugt, da das Konzept schon in Dänemark gut funktioniert.“

 

Anfangs seien nicht alle Mitarbeiter von der Technologie überzeugt gewesen. „Einige sprachen sich dagegen aus, weil sie grundsätzlich gegen digitale Medien in der Kita waren“, erzählt Häring. Auch Eltern hatten Zweifel – aber mit einer Infoveranstaltung konnten die Befürchtungen größtenteils beseitigt werden. „Vor allem muss man den pädagogischen Fachkräften und den Eltern klar machen, dass durch digitale Medien keine Zeit an dem Kind verloren geht“, sagt der Münchner Kita-Leiter

 

Dokumentieren und mit Eltern kommunizieren

Für den Praxiseinsatz in der Kita bietet Nemborn verschiedene Apps, die das Zusammenwirken von Kindern, Eltern, Fachkräften und Trägern auf einer digitalen Plattform ermöglichen. Lisa Schmidt ist Tims Gruppenleiterin. Sie nutzt beispielsweise die Dokumentations-App, um Film-, Foto- und Sprachportfolios zu erstellen. Wenn sie mit den Kindern ein Projekt durchführt oder eine Situation beobachtet, die sie festhalten möchte, erstellt sie in der App einen Beitrag. Ihre Beiträge kann sie mit dem Bildungsplan ihres Bundeslandes verbinden und sich weiterführende Informationen zu einzelnen Themenbereichen ansehen und so ihr Wissen vertiefen.

 

In der Kita Großstadtgeschwister dient die App vor allem der Organisation. Die Erzieherinnen und Erzieher haben sofort – per Klick – einen Überblick, welche Kinder anwesend sind oder sich krank gemeldet haben. Auch der Koch sieht dadurch, wie viele Mittagessen er zubereiten muss. Zudem erleichtert es den Arbeitsalltag: Die Erfassung der Schlafenszeiten erfolgt mit nur einem Klick und wird den Eltern übermittelt. „Dadurch sparen wir uns viel Zeit, vor allem bei Übergabegesprächen“, resümiert Häring. Mit Hilfe eines Messengers wird die Kommunikation zwischen Fachkraft und Eltern direkt gestaltet und die Eltern erhalten von der Einrichtung fortlaufend Informationen über die Gesundheit und das Wohlbefinden des Kindes.

 

Planung und Vorbereitung

Zurück zu Tim im Kiclub: In 14 Tagen steht das Entwicklungsgespräch von Tim an. In die Gesprächsvorbereitung will Lisa frühzeitig seine Eltern miteinbinden. Dafür nutzt sie die Anwendung „Planung und Vorbereitung“. Sie informiert die Eltern in der App über die wichtigsten Gesprächsinhalte, sendet einen Überblick mit Gesprächspunkten an sie und lädt die Eltern ein, sich mit Fragen vorzubereiten. Nachdem Lisa Tims Eltern geschrieben hat, startet sie eine Situationsbeobachtung. Beispielsweise in der Turnhalle: Wenn Lisa sieht, dass Tim sich an der Kletterwand hochzieht, gibt sie das in die App ein. Dann erscheint neben Angeboten zur Förderung von Motorik auch der Bayerische Erziehungsplan, der in die App geladen ist. „Ich kann mich auch immer mit anderen pädagogischen Fachkräften aus meiner Einrichtung zu Fortschritten oder auch zu Problemen besprechen“, sagt sie.

 

Die App ist kein Selbstläufer Thomas Häring von der Kita Großstadtgeschwister schätzt die Funktionen sehr, weiß aber auch, dass er die pädagogischen Fachkräfte anhalten muss, diese auch zu benutzen. Vor allem zu Beginn. „Die App ist kein Selbstläufer. Ich habe einen genauen Handlungsrahmen vorgegeben, wie sie eingesetzt werden soll“, erzählt er. Dann vereinfache die App vieles. 

 

Doch wo bleibt das Recht auf Privatsphäre des Kindes? Wichtig ist bei der App die Einbeziehung der Kinder. Sie sollen nicht permanent fotografiert werden und nur, wenn sie wollen. Zudem sollen nicht alle Fotos den Eltern zur Verfügung gestellt werden. Die Dokumentation – auch von Lernfortschritten – dient auch zur Weiterbildung. Die Vision ist, neben der Dokumentationsmöglichkeiten die App auch zur Fortbildung zu nutzen.

 

Wo bleibt der Datenschutz?

Besonders wichtig bei der Auswahl der App, war für den Kita-Leiter der Datenschutz. „Das ist ein großes Thema bei uns. Bei der Nemborn-Anwendung können wir selbst entscheiden, wer welche Daten sehen kann“, sagt Häring. Er kann entscheiden, ob nur die Eltern das Bild bekommen oder alle Eltern der Gruppe. Die Daten sind nicht auf den Tablets gespeichert, sondern in einer Cloud. „Wenn ich mein Tablet im Bus vergesse, kann niemand auf die Daten zugreifen“, sagt Häring. Der Nachteil daran: Die App funktioniert nur mit Internet.Tim hat sich gerade vor dem Herausgehen an der Kinderrezeption abgemeldet. Seine Mama holt ihn ab. Vor dem Abendessen schauen sie sich gemeinsam auf dem Smartphone Fotos der Kita an. Tim berichtet stolz von seinem Tag und erzählt, was sie heute alles erlebt haben. „Wir haben geschafft, dass die Lampe leuchtet“, erzählt er. Die Mutter klickt das neueste Video in der Dokumentations-App an. Es zeigt Tim. Beim Experimentieren in der Forscherwerkstatt, wie er selbst einen Stromkreis mit Lämpchen und Batterie baut.

www.assemble.world

Eine digitale Plattform in der Kita einsetzen - Checkliste

  • Einbindung in die tägliche Arbeit mit den Kindern prüfen
  • Eltern und Fachberatung frühzeitig informieren und einbinden
  • Anknüpfungspunkte im pädagogischen Konzept benennen
  • Hardware-Ausstattung festlegen und technische Voraussetzung in der Kita überprüfen
  • Entscheidung für WiFi oder eine mobile Internetverbindung oder Kombi-Lösung
  • Evaluation und Qualität muss fortlaufend gesichert werden können

Nemborn

  • „Nemborn“, auf Deutsch „kinderleicht“, ist eine Kita-Software zur Kommunikation, Dokumentation und Verwaltung.
  • Sie wird derzeit in zehn Ländern von insgesamt 6000 Einrichtungen genutzt.
  • 300 000 Kinder sind darin registriert.
  • Kitas können mithilfe der Nemborn-Apps mit den Eltern kommunizieren, sie an der Entwicklung ihres Kindes teilhaben lassen, Portfolios erstellen und Verwaltungsaufgaben erledigen.
  • Die Kosten für die App variieren je nach Funktionen (monatlich ab einem Euro pro Kind). Die Einrichtung muss die Tablets selbst anschaffen.

Erstveröffentlichung: Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 1/2019, S. 32-34

Von Marco Marx und Tina Sprung • 09.02.2019

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