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Elternkommunikation

Kita: Apps für Elternkommunikation

Digitale Anwendungen können die Kommunikation zwischen Elternhaus und Kita erleichtern. Frühe Bildung Online und Meine Kita zeigen Beispiele, welche Apps sich dafür eignen.

Julia Knopf, Eva Laßotta, Johanna Mosbach

Zeiten ändern sich. Während Kinder früher nur einige Stunden am Vormittag im Kindergarten verbrachten, sieht die Betreuungssituation heute anders aus. Bundesweit werden etwa 42 Prozent der Kinder mehr als sieben Stunden täglich in einer Kita betreut. Auf diese neuen Bedingungen muss reagiert werden. Das Stichwort lautet Kommunikation. Beide Seiten – Kita und Elternhaus – sollten von Entwicklungen und Vorkommnissen wissen.

 

Die regelmäßige Kommunikation – das Gespräch über aktuelle Essgewohnheiten, Schlafroutinen oder Entwicklungen im Umgang mit anderen Kindern – wird also noch wichtiger. Eltern haben oft nicht die Zeit, um mit dem Personal über den vergangenen Betreuungstag ihrer Kinder zu sprechen. Und auch Erzieherinnen und Erziehern ist es nicht selbstverständlich möglich, spontane Gespräche mit Eltern im Flur zu führen. Dennoch ist es allen ein Anliegen, sich regelmäßig auszutauschen.

 

Kurznachrichten an die Eltern – besser nicht!

Digitale Technologien schaffen hier neue Möglichkeiten. Die naheliegendste Möglichkeit, der Kurznachrichtendienst Whatsapp, eignet sich allerdings wenig. Wer über ein Kind chattet, übermittelt persönliche Daten. Oberstes Gebot ist deren Schutz. Im Bundesdatenschutzgesetz heißt es: „Den bei der Datenverarbeitung beschäftigten Personen ist untersagt, personenbezogene Daten unbefugt zu erheben, zu verarbeiten oder zu nutzen (Datengeheimnis)“ (BDSG §5). Damit persönliche Daten von einer digitalen Anwendung nicht gespeichert und weiterverarbeitet werden können, ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung notwendig. Dienste mit Servern im nicht-europäischen Ausland wie zum Beispiel Whatsapp erfüllen diese Voraussetzung nicht.

 

Wer Whatsapp oder einen vergleichbaren Dienst dennoch nutzen will, braucht die Einwilligung aller beteiligten Personen. Stimmen Eltern nicht zu, darf für sie keine Informationslücke entstehen. Informationen zu deren Kindern dürfen im Chat in keinem Fall auftauchen. Generell gilt: Ob mit oder ohne Zustimmung wird außerhalb des europäischen Rechts gehandelt.

 

Viele herkömmliche Kurznachrichtendienste sind also aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen weniger geeignet. Für die Kommunikation zwischen Elternhaus und Einrichtung braucht es Alternativen.

 

Anwendungen zur Elternkommunikation

Übermittlung von Nachrichten Max ist zwei Jahre alt und gerade neu in der Kindertagesstätte. Die Eingewöhnungsphase ist beendet, er verbringt nun aktuell fünf Stunden täglich in der Kita. Vieles, was für andere Eltern bereits zur Selbstverständlichkeit geworden ist, ist für Max’ Eltern Neuland, zum Beispiel der morgendliche Blick zur Informationstafel, um über aktuelle Krankheiten informiert zu werden. Nicht immer ist es möglich, dass das Fachpersonaldie Eltern neuer Kinder persönlich darauf hinweist. In Max’ Fall nutzen die Kita und die Eltern eine digitale Anwendung zum Zwecke der Nachrichtenübermittlung. Es handelt sich dabei um die „Kita Info-App“ von Stay informed.

 

Explizit entwickelt, um Telefonketten oder Zettelwirtschaft zu vermeiden, dient die App ausschließlich zur Übermittlung allgemeiner Nachrichten, zum Beispiel für Erinnerungen oder Hinweise zu Krankheiten. In Max’ Fall erhalten seine Eltern Nachrichten wie „Achtung, liebe Eltern! Aktuell wurden Läuse in unserer Kita festgestellt!” oder „Liebe Eltern, bitte nicht vergessen: Morgen ist wieder Waldtag! Bitte denken Sie an Mütze und Gummistiefel!” Auf diese Weise sind sowohl Max als auch seine Eltern immer auf dem neuesten Stand.

 

Austausch über Alltägliches

Lena ist fünf Jahre alt und besucht bereits seit einigen Jahren eine Betreuungseinrichtung. Ihre Eltern sind beide berufstätig in Vollzeit, weshalb Lena häufig acht Stunden oder mehr im Kindergarten verbringt. Damit die Verzahnung von Kita und Elternhaus gelingt, brauchen Eltern Informationen über das, was ihre Kinder den Tag über erlebt haben.

 

Die Kommunikation läuft in Lenas Kita über die Anwendung „KigaClick“. Mithilfe von „KigaClick“ können Lenas Erzieherinnen und Erzieher ihren Tag dokumentieren und Fotos gezielt an ihre Eltern verschicken. So haben Lenas Eltern die Möglichkeit, an den schönsten Erlebnissen des Tages teilzuhaben und mitzuverfolgen, an welchen Angeboten und Aktionen ihr Kind teilgenommen hat. Zudem können die Eltern in der Tagesübersicht einsehen, wie es Lena den Tag über ging und wann sie zum Beispiel geschlafen oder gegessen hat. Die so übermittelten Daten dienen auch als Basis für ein persönliches Gespräch mit den Eltern, das sich um die Entwicklung des Kindes dreht.

 

Information zu Entwicklungsverläufen

Dana ist vier Jahre alt und besucht die Kindertageseinrichtung mittlerweile seit drei Jahren. Sie verbringt jeden Tag mehrere Stunden in der Kita. Für beide Seiten – Eltern wie Kita – ist es wichtig, über Danas Entwicklung in ihrer Gesamtheit Bescheid zu wissen. Für Danas Eltern von besonderem Interesse ist beispielsweise, welche Meilensteine der kindlichen Entwicklung ihre Tochter im Verlauf ihrer Betreuungszeit erreicht hat. Gleichzeitig sind sie interessiert an den Stärken und Schwächen ihrer Tochter, die sich im KitaAlltag offenbaren. 

 

Danas Einrichtung arbeitet mit der App „Stepfolio“. Sie erlaubt es dem Kita-Personal, größere und kleinere Entwicklungsschritte eines Kindes (Schritt = engl.: step) digital festzuhalten und daraus ein Portfolio zu erstellen. Mithilfe digitaler Beobachtungsbögen innerhalb der App dokumentieren Erzieherinnen und Erzieher Danas Verhalten in alltäglichen Situationen, zum Beispiel am Frühstückstisch, beim gemeinsamen Spiel mit anderen Kindern oder beim Lösen einer kniffligen Aufgabe. Die App wertet Danas Bögen automatisch aus, macht auf positive Entwicklungen aufmerksam, zeigt aber auch Auffälligkeiten auf. Es entsteht ein Entwicklungsbericht, der mit Fotos und Videos angereichert werden kann.

 

Über einen eigenen Zugang ist es Danas Eltern möglich, Einblick in die Daten ihrer Tochter zu erhalten. Damit wird die App dem Einsichtsrecht der Eltern gerecht. Wann immer sie sich nun zu einem Gespräch mit ihrer Erzieherin treffen, sind die Entwicklungsbögen der App Grundlage für das Gespräch. Dadurch entsteht größere Transparenz, die Dana selbst zugutekommt.

 

Organisation von Gruppen und Personal

Niklas ist drei Jahre alt und besucht nun seit einigen Monaten den Kindergarten. Seine Eltern arbeiten im Schichtdienst, sodass er die Einrichtung jeden Tag zu unterschiedlichen Zeiten besucht. Daher ist es sowohl für seine Eltern als auch für seine Erzieher wichtig, einen genauen Überblick über Bring- und Abholzeiten zu behalten und auch kurzfristig Änderungen vornehmen zu können. In Niklas’ Fall stehen geregelte Absprachen nicht nur zwischen Eltern und Kita-Personal, sondern vor allem auch innerhalb des Personals der Einrichtung im Vordergrund.

 

Die entsprechende Einrichtung nutzt eine Organisations- und Managementsoftware namens „KigaRoo“. Hier haben die Erzieherinnen und Erzieher die Möglichkeit, die Dokumentation der Kinder über das Verwaltungstool zu organisieren. So ist es beispielsweise möglich, Ankunfts- und Abholzeiten einzutragen, Krankmeldungen einzusehen, Termine mit Eltern zu vereinbaren oder Entwicklungsberichte zu verfassen und zu archivieren. Werden pädagogische Angebote geplant und vorbereitet, können diese für alle einsehbar erstellt und passende Teilnehmerlisten herausgegeben werden. Auch die Organisation im Kita-Team erfolgt über die Anwendung. So ist es möglich, Aufgaben zuzuweisen und dadurch zu gewährleisten, dass alle Teammitglieder denselben Kenntnisstand haben.

 

Niklas’ Erzieherin schätzt vor allem die Zeitersparnis, die durch die Anwendung erreicht wird. Dokumentationen, die fester Bestandteil des Arbeitsalltags sind, kann sie im Moment des Geschehens vornehmen und abspeichern. Es ist nicht mehr notwendig, diese Daten im Nachhinein einzutragen, sie hat wichtige Ereignisse mithilfe von Fotos bereits direkt in der App festgehalten. Da sie am Nachmittag von ihrem Kollegen abgelöst wird, kommentiert sie gerade noch einige Vorkommnisse des Vormittags, sodass diese Informationen dem restlichen Personal zur Verfügung stehen. Auf diese Weise wird Niklas stetig von Personen betreut, die über Vergangenes und Geplantes im Bilde sind.

 

Mehr Zeit für individuelle Betreuung

Die Auswahl an Kommunikationsanwendungen für Betreuungseinrichtungen wächst stetig. Alle verfolgen sie das grundsätzliche Ziel, die organisatorische Arbeit von Erziehern den heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen anzupassen und den Organisations- und Vorbereitungsaufwand zu minimieren. Was bleibt, ist mehr Zeit für die individuelle Betreuung der Kinder. Die unterschiedlichen Angebote reichen von Nachrichtentools über Apps zur Erstellung von Portfolios bis hin zur Verwaltungssoftware. Je nach Bedürfnissen der Einrichtung gilt es hier, sich individuell für mögliche Anwendungen zu entscheiden.

 

Anwendungen zur Elternkommunikation – ein Überblick:

 

Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 3/2019, S. 12-15

Johanna Mosbach

Johanna Mosbach ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe und im Forschungsinstitut Bildung Digital an der Universität des Saarlandes.

 

Eva Laßotta

Eva Laßotta ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe und im Forschungsinstitut Bildung Digital an der Universität des Saarlandes.

 

Prof. Dr. Julia Knopf

Prof. Dr. Julia Knopf leitet den Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe und das Forschungsinstitut Bildung Digital an der Universität des Saarlandes. Sie ist Gründungspartnerin der Beratungsunternehmen für digitale Medien KLEE (Kreativ lernen – Erfolg erleben) und der Didactic Innovations GmbH.

 

Von Julia Knopf, Eva Laßotta, Johanna Mosbach • 09.08.2019

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