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International

Erfrischendes Sprachbad in der Kita

Anna Saarni, 42 Jahre alt, zog 2013 vom finnischen Tampere nach Essen. Sie berichtet von ihrem Weg nach Deutschland, den Unterschieden zum finnischen Bildungssystem und der Bereicherung des zweisprachigen Kita-Alltags im Kinderhaus Lumiland am Campus.

Jessica Kellner

Mit Finnland assoziieren manche die finnische Saunakultur mit anschließendem Eisbad. Bei Anna Saarni dreht sich auch einiges ums Baden, aber ums sogenannte Sprachbad. Sie hat Soziale Arbeit studiert, viele Jahre in der drittgrößten Stadt in Finnland gelebt, auch schon als Englischlehrerin in Thailand gearbeitet und spricht drei Sprachen. Als Anna Saarni 2007 das erste Mal in Essen zu Besuch war, so erzählt sie, war sie sofort von Deutschland begeistert und hat zudem noch ihren heutigen Partner kennengelernt. Tampere und Essen sind Partnerstädte und so hat Anna Saarni damals eine Jugendaustauschgruppe begleitet. Ein fast zufälliger Besuch, der ihren Lebensweg stark beeinflussen sollte. Sie und ihr Partner lebten dann erst in Finnland, zogen aber 2013 gemeinsam nach Essen, wo Anna Saarni mittlerweile als bilinguale Fachkraft im Kinderhaus Lumiland am Campus arbeitet, der betriebsnahen Kinderbetreuungseinrichtung der RWE.

Das finnische Bildungswesen bietet Freiräume und zielt auf Chancengleichheit

Ein großer Unterschied zum finnischen Bildungssystem besteht darin, dass die finnischen Kinder die sogenannte Einheitsschule besuchen, die neun Schuljahre umfasst und in die sie erst mit sieben Jahren eingeschult werden. Die obligatorische Vorschule erleichtert dabei den Kindern ihren Übergang an die Schule. Mit häufigen Ausflügen zur Bücherei, zur Fußballmannschaft oder in das Seniorenheim ist die Vorschulzeit geprägt vom außerschulischen Lernort und dem spielerischen Zugang zum Lehrprogramm. Vorschulen sind meist an die Kindergärten angeschlossen. So bilden die finnische frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung über die Vorschule und Einheitsschule ein Ganzes. Anna Saarni sagt: „Das nimmt enorm den Druck und das Tempo aus der Familie und macht es möglich, dass Kinder ihre unbeschwerte Kindheit auskosten.“

Anna Saarnis finnischer Blick auf die Frühpädagogik sorgt auch dafür, dass für sie die beiden Werte und Prinzipien Gerechtigkeit bzw. Gleichberechtigung sowie das Lernen als Prozess eine wichtige Rolle im Kita-Alltag spielen. Eine gleichberechtigte Teilhabe aller Mädchen und Jungen in der Kita, unabhängig von ethnischer oder sozialer Herkunft usw. wird unter anderem durch gelebte Partizipation ermöglicht.

Das Dino-Projekt

In der Kita Lumiland am Campus haben die Kinder im März beispielsweise ein Dino-Projekt durchgeführt. Mehrere Kinder trugen im Vorfeld Dinosaurier T-Shirts und wollten wissen, „Warum gibt es keine Dinos mehr? Warum sind die so groß?“, sodass sich das Team für ein Projekt inspirieren ließ. Die fiktive Wissenschaftlerin Sarah Sand und ihr Kollege Michael Wood schrieben fortan Briefe an die Schmetterlingsgruppe, die zum forschenden Lernen anregten. Im Brief waren z. B. Fragen zur Größe der Dinosaurier, was kurzerhand mit den Kindern anhand von Seilen im großen Indoor-Spielplatz abgemessen wurde. Das Lernen als Prozess ist dabei für die finnische Fachkraft wichtiger als das konkrete Lernergebnis. Lernen zu lernen, ist der Schlüssel – und im Spiel liegt der Anfang für alle kindlichen Lernprozesse: kommunizieren und Beziehungen aufbauen, Probleme lösen oder neue Ideen entwickeln.

RWE-Kita arbeitet seit Jahren erfolgreich mit der Immersionsmethode

Im Kinderhaus Lumiland am Campus arbeitet in jeder Gruppe zusätzlich eine englischsprachige Fachkraft, die ausschließlich Englisch mit den Kindern spricht. Die Arbeit nach der Immersionsmethode kann auch als Sprachbad übersetzt werden. Dahinter verbirgt sich also kein wöchentlicher Sprachunterricht, sondern die Kinder erwerben die neue Sprache durch Zuhören und Mitmachen – ebenso wie die Muttersprache. Anna Saarni erklärt, wie gut die Kleinkinder damit umgehen: „Für die Kinder ist das ganz klar. Die sagen sich, aha, die Frau Saarni spricht immer Englisch.“ Im Team und mit den Kindern untereinander mag sich das dann auch mal witzig anhören – denn wenn z. B. ihre Kollegin in der Gruppe ihr eine Frage auf Deutsch stellt, antwortet Anna Saarni auf Englisch. So bleibt es für die Kinder eindeutig und die Finnin ist überzeugt, „dass das Team im Lumiland hinter dem Konzept steht und möchte, dass es funktioniert.“

Kulturelle Bildung

Neben der englischen Sprache bringt Anna Saarni selbstverständlich auch ihre Kultur ein Stück weit mit in die Kita. Die Kinder fragen sie gerne, „Wo genau liegt Finnland und welche Sprache spricht man dort?“ oder „Gibt es dort immer Schnee? Wo wohnt der Weihnachtsmann und seine Rentiere?“.

Die finnische Weihnachtskultur bringt die pädagogische Fachkraft ihnen z. B. über einige finnische Autoren näher und macht sie für die Kinder erlebbar. Gemeinsam mit den Erfahrungen der anderen pädagogischen Fachkräfte ergänzen sie sich so ideal. 

Fünf neue Gruppen: Die Kita in Essen wächst

Die pädagogische Fachkraft schätzt an der  Kita Lumiland am Campus neben dem sehr engagierten Team vor allem die Freiheit, die vielen Ideen, die sie haben, auch umzusetzen. Neben den persönlichen Spielräumen gibt es auch gute Strukturen, wie z. B. klare Rollen und Aufgaben im Früh- oder Spätdienst sowie eingespielte Rituale in den Teams. Das unterstützt die pädagogischen Fachkräfte im Alltag mit den Kindern und gibt Halt und Orientierung. „Wenn jemand ein Team sucht, wo man sich weiterentwickeln darf und kann, dann kann ich unser Haus auf jeden Fall empfehlen“, so die 42-Jährige. Mit Blick auf die nahe Zukunft, wenn fünf neue Gruppen dazukommen, glaubt die Finnin, dass sie und das Team, zusammen mit dem Träger Impuls Soziales Management gGmbH, dafür gut gewappnet sind.  „Impuls", erklärt die Pädagogin, „ist immer dran an dem, was gerade aktuell ist und was auch in naher Zukunft noch aktuell sein wird.“

 „Qualität in der Kita und Bilingualität hängen für mich eng zusammen.“

Es macht Anna Saarni große Freude zu erleben, welche Fortschritte die Kleinen Tag für Tag machen: „Wenn ich bei den Kindern sehe, dass sie jetzt verstehen, tall  ist das Gleiche wie groß, wenn es also klick gemacht hat, dann ist das ein besonderer Moment.“ Wenn Anna Saarni den Morgenkreis auf Englisch leitet, gibt es englische Spiele und Lieder, z. B. den Dinosaur Song. Darüber hinaus finden sich englische Spielmaterialien in jeder Gruppe. Ein Kind, das neu in die Gruppe kommt, bekommt beim ersten Rundgang durch die Gruppe viel gezeigt und damit werden ihm schon einzelne wichtige Worte wie glass oder toilet nähergebracht. Durch Wiederholungen und das Zeigen und Benennen von Objekten fällt es den Kindern leichter, in der Gruppe mit zwei Sprachen anzukommen. Die englische Sprache ist also ganz alltäglich für Kinder und Erwachsene. Für Anna Saarni ist klar: „Qualität in der Kita und Bilingualität hängen für mich eng zusammen.“

Ansprechparterinnen für Rückfragen:

Jennifer Tönis (kaufmänn. Leitung): 0201 47950291

 jtoenis@e-impuls.de, pbuss@e-impuls.de

Petra Buss (päd. Leitung): 0201 47950290

Von Jessica Kellner • 16.04.2021

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