Schreibende Schülerin
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Bilingualer Grundschulunterricht steigert übergreifend Leistungen

Grundschülerinnen und –schüler, die ihren Sachunterricht in englischer Sprache erhalten, haben nicht nur deutlich bessere Englischkompetenzen, sondern weisen auch in den Fächern Deutsch und Mathematik bessere Leistungen auf als Kinder in herkömmlichen Klassen. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Dr. Heiner Böttger (Professur für Didaktik der englischen Sprache und Literatur an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, KU), der mit seinem Team seit 2015 den bayernweiten Modellversuch „Lernen in zwei Sprachen – Bilinguale Grundschule Englisch“ wissenschaftlich begleitet.

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

„Damit bestätigt sich die Hypothese, dass zweisprachig Unterrichtete bzw. Aufwachsende durch die Herausbildung von neuen Netzwerken im Gehirn kognitive Vorteile entwickeln, die weit über das reine Englischlernen hinausreichen“, erklärt Böttger. Der von der Stiftung Bildungspakt Bayern sowie dem bayerischen Kulturministerium initiierte Modellversuch läuft noch bis Ende dieses Schuljahres. Beteiligt sind daran 21 Grundschulen mit über 900 Schülerinnen und Schülern sowie 42 Lehrkräften. Als freiwilliges Angebot erfolgt an den Modellschulen der Unterricht in Kunst, Musik, Sport und weiteren Fächern in englischer Sprache. Zwischenergebnisse der laufenden Evaluation präsentierte Böttger mit seinen Mitarbeiterinnen in der vergangenen Woche bei der „Language Education & Acquisition Research Conference“ an der KU.

„Der sprachliche Vorteil im Englischen von zweisprachig aufwachsenden Kindern ist im Vergleich sehr deutlich: In den Kompetenzbereichen Hörverstehen, Leseverstehen und Schreiben zeigen die untersuchten Schülerinnen und Schüler am Ende der dritten Jahrgangsstufe beeindruckende Leistungen. Die Ergebnisse der bilingual unterrichteten Drittklässler entsprechen mindestens denen von Viertklässlern, die nicht bilingual unterrichtet wurden bzw. übersteigen diese sogar“, betont Böttger. Zweisprachig aufwachsende Kinder seien zudem in den Fächern Mathematik und Deutsch deutlich besser als monolingual aufwachsende: Die bilingual unterrichteten Schülerinnen und Schüler zeigten in Deutsch in der zweiten Jahrgangsstufe zunächst gleich gute, ab der dritten Jahrgangsstufe bessere Ergebnisse. In Mathematik schnitten die Kinder bereits ab der zweiten Jahrgangsstufe signifikant besser ab.

„Die Vermittlung der englischen Sprache erfolgt im bilingualen Unterricht implizit. Es wird dabei der normale Unterricht genutzt – ohne zusätzliche Stunden oder Nachmittagsunterricht“, so Böttger. Auch inhaltlich orientierten sich die bilingualen Klassen an den allgemein gültigen Fachlehrplänen und den darin formulierten Kompetenzerwartungen. Bei geeigneten Themen und Anlässen werden Unterrichtseinheiten oder –phasen in allen Fächern in englischer Sprache durchgeführt. Die wissenschaftliche Begleitung der bilingualen Grundschulen erfolgt seit 2015 durch jährliche Untersuchungen mit Fragebögen (die sich an Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern sowie Schulleitungen richten), Tests in Englisch, Mathematik und Deutsch, Unterrichtsdokumentationen, Beobachtungen und Interviews. Die Aufnahme in eine bilinguale Klasse erfolgte ohne gezielte Zuteilung der Kinder, etwa auf besonderen Antrag der Eltern.

Wie die Wissenschaftler bei ihrer Evaluation feststellten, sind alle befragten Schulleitungen mit dem Modellversuch zufrieden und stellen fest, dass Eltern mittlerweile gezielt für eine Zuteilung zur bilingualen Projektklasse anfragen. Es würden vermehrt Gastschulanträge von Eltern gestellt, so dass an manchen Schulen aufgrund des Interesses noch mindestens eine weitere bilinguale Klasse eingerichtet werden könnte. „Etwa 95 Prozent der von uns befragten Eltern würden ihre Kinder gerne weiter bilingual unterrichten lassen, wenn sie für weiterführende Schulen die Wahl hätten“, berichtet Böttger. Nach Ende des Modellversuchs wird der abschließende Evaluationsbericht voraussichtlich im Herbst dieses Jahres vorgestellt werden.


Von Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt • 23.04.2019

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