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Enten können auf Eis laufen ohne festzukleben

Gut, dass Enten kalte Füße haben

Man konnte bei uns schon lesen, dass Enten immer kalte Füße haben. Denn Enten haben ein Wärmeaustauschsystem in ihren Beinen. Nur so ist es möglich, dass sie nicht erfrieren, wenn sie in kaltem Wasser paddeln. Doch kalte Füße haben für Enten noch einen zweiten Vorteil. Denn, hätten sie warme Füße, würden sie im Winter auf Eisflächen festkleben. Festkleben? Wieso das?

Dr. Silke Ottow

Ganz einfach. Und genau genommen hat jeder von uns bestimmt schon einmal erlebt, dass eines unserer Körperteile an Eis festgeklebt ist. Meistens ist es die Zunge.

 

Wenn die Zunge kleben bleibt

Haben die Kinder schon einmal begeistert an einem erfrischenden Eis geleckt und haben die Zunge nicht mehr losbekommen? Das kann sehr schmerzhaft sein. Denn die meisten versuchen, die Zunge sofort vom Eis loszureißen. Dabei bleibt dann Haut am Eis kleben, die Zunge blutet und brennt. Das kann einem das ganze Eis vermiesen. Doch was passiert da eigentlich?

Die Zunge ist warm, das Eis ist aber ziemlich kalt. Vor allem, wenn es direkt aus der Gefriertruhe kommt. Wenn man nun mit der Zunge das Eis berührst, taut die warme Zunge die Oberfläche des Eises etwas an. Dadurch bildet sich eine dünne Wasserschicht zwischen dem Eis und der Zunge. Doch wenn das Eis kalt genug ist, kühlt es die Zunge ziemlich schnell ab. So gefriert die Wasserschicht wieder und die Zunge friert am Eis fest.

Genau das Gleiche würde Enten auf einer kalten Eisfläche passieren, wenn Enten warme Füße hätten. Unter ihren warmen Füßen würde ein bisschen Eis auftauen. Es würde sich – wie bei der Zunge und dem Speiseeis – eine dünne Wasserschicht unter ihren Füßen bilden. Sobald ihre Füße dann kalt werden, frieren sie auf dem Eis fest. Noch einmal gut, dass Enten kalte Füße haben!

Wie du die Zunge wieder losbekommst

Wenn Enten auf Eis festfrieren, hätten sie keine Chance vom Eis wieder loszukommen. Denn ihr kleiner Körper wäre nicht in der Lage, das Eis unter ihren Füßen wieder aufzutauen. Mit einem kleinen Speiseeis ist das allerdings etwas anderes. Man hat verschiedene Möglichkeiten, die Zunge ohne Verletzungen wieder loszubekommen. Man kann zum Beispiel einfach ein bisschen warten. Da man das Eis wahrscheinlich nicht im Winter, draußen, bei Minustemperaturen isst, wird es nach kurzer Zeit ganz von selbst warm genug, und die Zunge löst sich.

Man kann aber auch warme Luft auf die Zunge und das Eis hauchen. Dann löst sie sich auch ganz von selbst und etwas schneller. Oder man bringt etwas Spucke zwischen die Zunge und das Eis. Die Spucke ist warm und taut das Eis etwas auf.
 

Die Zunge am Laternenpfahl

Anders ist es, wenn deine Zunge an größeren Gegenständen festfriert. Es soll nämlich Menschen geben, die sich im Winter nicht beherrschen können und unbedingt, zum Beispiel an einem kalten Laternenpfahl oder Treppengeländer lecken wollen. Dann hängt die Zunge wirklich fest. Der Laternenpfahl ist so groß und liefert so viel Kälte nach, dass wir keine Chance haben, die Eisschicht zwischen der Zunge und dem Pfahl aufzutauen. Man sollte also niemals ausprobieren.

Falls es doch einmal jemandem passieren sollte, kann man versuchen, mit vereinten Kräften zu hauchen. Allerdings müssen die Helfer aufpassen, nicht ebenfalls festzukleben. Bei sehr starker Kälte wird das möglicherweise nichts nützen. Vielleicht ist aber ein warmes Getränk in der Nähe. Das könnte dir jemand langsam über Zunge und Pfahl laufen lassen. Das Getränk darf aber auf keinen Fall heiß sein. Wenn ein Fön und eine Steckdose in der Nähe ist, kann man auch fönen.
 

Dr. Silke Ottow

Dr. Silke Ottow ist Chemikerin und schreibt Bücher, in denen sie naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht erklärt. Weitere Informationen: www.miteinander-buecher.de

Von Dr. Silke Ottow • 04.12.2018

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