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Wir sagen DANKE!

Eine Botschaft der Bundeselternvertretung an alle Tagesmütter und -väter

Katharina Queisser, Vorstandsfrau der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi) schildert in ZeT - Zeitschrift für Tagesmütter und -väter 2/2019 - die Beziehung zwischen Eltern und Kindertagespflegepersonen aus Sicht der Eltern. Wir übernehmen ihre Laudatio auf die Tagesmütter und -väter mit freundlicher Genehmigung der ZeT-Redaktion.

Katharina Queisser

Wir Eltern wünschen uns, dass es unseren Kindern in der Betreuung, also bei euch Tagesmüttern und -vätern, gut geht. Wir wünschen uns, dass ihr es genauso toll findet wie wir, den Kindern beim Aufwachsen zuzusehen. Wir wünschen uns, dass es allen in der Kindertagespflege, unseren Kindern und euch, gut geht und ihr euch wohlfühlt.

 

Die eigene Erfahrung – ein Danke an die Tagesmutter

Mein Kind und du, ihr habt im Laufe der Zeit eine enge Beziehung zueinander aufgebaut. Ich beobachte, wie wichtig du für mein Kind geworden bist. Deine einfühlsame Art, dein Zuhören und dein großes Interesse daran, die Signale, Interessen und Bedürfnisse unseres Kindes wahrzunehmen, zu verstehen, zu beantworten und das Entdecken und Lernen unseres Kindes zu begleiten, macht dich zu einer der vertrautesten Personen, die mein Kind umgeben. Die Achtung, Wertschätzung, Offenheit, das Mitgefühl und den Respekt, den du unserem Kind entgegenbringst, spüre ich auch mir und meinen Angehörigen gegenüber. Auch wenn es mal zu Konflikten kam, hast du den Kontakt aufgebaut und vermittelt, du hast uns und/oder unser Kind nie im Regen stehen lassen, sondern uns immer abgeholt und ermutigt.

Wir wollen beide das Gleiche, nämlich dass unser Kind ein neugieriges und glückliches Kind ist und zu einem neugierigen und glücklichen Erwachsenen wird. Und das unterstützt du, indem du ein Beziehungs- und Sprachvorbild bist und die individuellen Entwicklungsprozesse nicht nur meines Kindes, sondern aller Kinder in deiner Gruppe begleitest. Du schaffst für das Erleben, Erfahren und Entdecken die entsprechenden notwendigen Rahmenbedingungen.

Dein Betreuungsverständnis hast du uns ganz zu Beginn unserer Reise in die Welt der außerfamiliären Betreuung, im Erstkontaktgespräch, mitgeteilt. Ich war damals sehr unsicher, sollte doch jemand, den ich gar nicht kannte, mein Kind nun viele Stunden am Tag betreuen und ihm nahe sein. Du hast mir erklärt, dass wir als Erwachsene ein wichtiger Bestandteil sind im gelingenden Aufwachsen unseres Kindes und dass wir eine Erziehungspartnerschaft eingehen – das heißt, wir begegnen uns auf Augenhöhe und nicht als Konkurrenz.

Als ich zum ersten Mal die Räumlichkeiten der Großtagespflegestelle betrat, fiel mir sofort auf, dass vieles auf die Kinder ausgerichtet war. Im Flur in der Umkleide dürfen die Kinder ankommen, jedes Kind hat sein Fach für persönliche Dinge und einen Kleiderhaken und Platz für die Schuhe. Außerdem gibt es im Flur Informationen in der Augenhöhe der Erwachsenen, etwa dazu, mit welchen Themen sich die Kinder gerade gern beschäftigen. Ich entdeckte gebastelte Tulpen, Sonnen, Herbstblätter oder Schneemänner mit aufgeklebten Kinderfotos, an denen Schnüre mit Perlen hingen. Du erklärtest mir, dass das ein Geburtstagskalender ist. Die Motive stehen für die Jahreszeiten, in denen die Kinder Geburtstag haben, und am Geburtstag wird jedes Jahr mit dem Kind zusammen eine neue Perle ausgesucht und an die Schnur geknotet. Auch von dir hängt dort ein Bild, „nur mit kleinen Perlen, sonst wäre die Schnur viel zu lang“, sagtest du lachend.

Nachdem nun klar ist, dass mein Kind zu dir kommt, bittest du mich zu einem weiteren Gespräch. Du möchtest wissen, was es gerne macht, wie der Schlafrhythmus zuhause ist, was für Lieder bei uns gerne gehört und welche Spiele gerne gespielt werden.

Als mein Kind sechs Monate bei dir ist, lädst du mich zu einem Entwicklungsgespräch ein. Es findet für jedes Kind einmal im Jahr ein solches Gespräch statt. Du sprichst so toll über mein Kind, ich bin sehr stolz, ich sehe die Entwicklungsschritte zuhause und du erlebst sie hier im Alltag und erzählst davon. Wir überlegen gemeinsam, welche Herausforderungen das Kind gerade gerne annimmt und wie wir es dabei unterstützen können. Zum Beispiel macht es zu Hause keinen Mittagsschlaf mehr und auch bei dir möchte es mittags nicht mehr schlafen. Du hast auch schon mit ihm gesprochen und möchtest mit ihm gemeinsam entscheiden, wie es weitergeht.

Diese Informationen helfen mir sehr nachzuvollziehen, was mein Kind in seinem Alltag erlebt und welchen Herausforderungen es sich stellt.

Wir haben unsere Beziehung ausgebaut und wir vertrauen einander, dass wir beide dasselbe für das Kind wollen, nämlich, dass es seine eigenen Erfahrungen in einem herausfordernden, aber sicheren Rahmen sammeln kann und wir uns als Erwachsene unserer verantwortungsvollen Rolle dabei bewusst sind. Ich bin sehr dankbar dafür, zu wissen, dass wir für mein Kind dieselben Ziele haben, gemeinsam an einem Strang ziehen und dass mein Kind bei dir in den besten Händen ist.

 

Die Erfahrungen anderer – wenn es mal nicht so gut läuft

Ich weiß, dass es natürlich auch Probleme geben kann, dass das Miteinander nicht immer so von gegenseitigem Vertrauen und übereinstimmenden Vorstellungen geprägt ist wie zwischen unserer Tagesmutter und uns. Tagesmütter und -väter haben mir berichtet, dass die Zusammenarbeit mit Eltern schwierig und herausfordernd sein kann.

Ich habe auch selbst Eltern erlebt, die unzufrieden sind mit der Art der Dokumentation oder der Häufigkeit der Spaziergänge, der Fortbildungstage und Schließzeiten. Wenn sie dann nicht den Weg ins Gespräch finden oder sehr fordernd und undiplomatisch auftreten, können Konflikte eskalieren. Aus dem Grund bin ich Elternvertreterin geworden: Es hat mich geärgert, dass es Eltern gab, die nur rumgemeckert und unter den Eltern schlechte Stimmung gemacht, aber nie das direkte Gespräch gesucht haben.

Es kann jedoch auch tatsächlich so sein, dass man einfach nicht zusammen passt. Dass die Vorstellungen, wie die Betreuung gestaltet sein sollte, zu unterschiedlich sind, oder dass einfach die Chemie nicht stimmt. Und sicher gibt es auch Tagesmütter und -väter, die viel krank sind und bei denen die Vertretung nicht geregelt ist, oder bei denen Eltern ihre Kinder aus ihrer Sicht zu Recht als nicht gut aufgehoben empfinden. Dann ist es ein Problem, wenn Eltern keine Wahl haben und von diesem einen Betreuungsplatz abhängig sind, weil es insgesamt viel zu wenige Plätze gibt. Das ist eigentlich für alle nicht tragbar.

Wir Eltern sind darauf angewiesen, dass unsere Kinder gut und verlässlich betreut werden, um arbeiten, eine Ausbildung machen oder studieren zu können. Wir sind schon genügend gefordert mit Beruf, Haushalt, Kind oder Kindern. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass unsere Kinder gut aufwachsen, und müssen im Alltag ständig alles Mögliche koordinieren. Wenn es dann regelmäßig Unstimmigkeiten rund um die Betreuung des Kindes gibt, kann die Belastung irgendwann zu groß werden.

 

Eine gesellschaftliche Aufgabe

Aber dieses Problem können nicht Tagespflegepersonen und Eltern lösen. Hier sind Politik und Gesellschaft gefordert. Die Kinderbetreuungslandschaft müsste so groß, also mit ausreichend Plätzen, und so vielfältig sein, dass es für jede Familie und jedes Kind den passenden Ort gibt. Unsere Kinder haben doch alle das Recht auf einen herausfordernden und gleichzeitig sicheren Rahmen für ihre Entwicklung und ihr Aufwachsen, und zwar unabhängig von ihrer Herkunft, der Sprache oder des finanziellen Hintergrunds ihrer Eltern.

Die Realität ist jedoch, dass Tagesmütter und -väter schlecht bezahlt werden, als Selbstständige mit hohem Risiko arbeiten und zum Teil in stark belastenden Verhältnissen tätig sind. Es gibt zum Beispiel Tagespflegepersonen, die Betreuungszeiten von 8 bis 18 Uhr anbieten. Wie kann man das bewerkstelligen? Das sind prekäre Arbeitssituationen. Ist das eine Antwort auf die Notwendigkeit, ausreichend verdienen zu müssen, und vielleicht zugleich auf den Druck, dem einige Familien ausgesetzt sind, Arbeitswege und Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Wenn Tagespflegepersonen viel Zeit für Abrechnungen und Verwaltungsaufgaben aufwenden müssen, Zeit, die sie nicht mit den Kindern verbringen können und die sie auch nicht gesondert finanziert bekommen, ist das nicht in Ordnung.

Kinder brauchen Erwachsene, die sie kompetent und unter angemessenen Bedingungen dabei begleiten können, zu selbstbestimmten, verantwortungsbewussten und glücklichen Menschen als Teil der Gesellschaft aufzuwachsen. Und das ist eine Aufgabe, die alle angeht. Unsere Gesellschaft und die Politik muss die Umgebung der Familien stärken, damit Familien überhaupt stark werden können. Erziehungspartnerschaft geht uns alle an!

Die Gesellschaft, der Bund, das Land und die Kommune, alle politisch Verantwortlichen müssen verstehen lernen und akzeptieren, dass Familien stark sein müssen, damit es Kindern gut geht – alle Familien, ob klein, ob bunt, einfach oder besonders komplex.

Wenn wir Kindern Raum und Zeit zum Entdecken, Erschaffen, Erfahren und Erleben geben, dann ist Erziehung wirksam und sinnvoll. Diese Aufgabe können Eltern, die oft selbst unter vielfältigem Druck stehen, nicht allein erfüllen. Und auch Tagespflegepersonen können das unter ihren Arbeitsbedingungen oft nicht so leisten, wie sie es eigentlich wollen und müssten. Das oberste Ziel von Politik für Kinder muss also sein, die Verantwortung der gesamten Gemeinschaft zu wecken, das Wohlergehen von Familien als Aufgabe für alle zu sehen und nicht davon auszugehen, dass Erziehung ausschließlich Privatsache der Eltern und Angelegenheit – unterbezahlter und wenig anerkannter – in der frühkindlichen Bildung Tätiger ist. Das Aufwachsen der Kinder ist eine öffentliche Verantwortung, an der sich die ganze Gesellschaft beteiligen muss.

Quelle: ZeT - Zeitschrift für Tagesmütter und -väter 2/2019, S. 6-7

Übrigens: ZeT 2/2019 hat das Schwerpunktthema "Eltern".

 

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Die Autorin Katharina Queisser

ist Vorstandsfrau in der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi)

katharina.queisser@berlin

Für das Aufwachsen der Kinder sind alle verantwortlich - nicht nur Eltern und im Bildungsbereich Tätige.

Katharina Queisser
Von Katharina Queisser • 18.04.2019

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