Ein Kind beim Händewaschen um Infektionen zu vermeiden
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Hygiene in der Kita

Infektionsschutzgesetz: Hygiene in der Kita

Hygiene in Kitas ist besonders wichtig. Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz, Erstellen des Hygieneplans und kranke Kinder versorgen: Auf was Erzieher alles achten müssen.

Silvia Schumacher

Jede Kita muss einen Hygieneplan vorlegen

Kitas müssen sich an § Paragraf 36 des Infektionsschutzgesetzes, kurz IfSG, halten und sind dazu verpflichtet, einen Hygieneplan zu führen, der von allen Mitarbeitern befolgt wird. Die Kita-Leitung ist für die Einhaltung des Hygieneplans verantwortlich.

Hygienekontrolleure der zuständigen Gesundheitsämter überprüfen, ob er den Vorschriften entspricht. Einer davon ist Oliver Lauterbach. Er arbeitet seit 2003 beim Landratsamt Augsburg und besucht mit seinen Kollegen jährlich fast 200 Kitas.

„Bei unseren Besuchen stellen wir häufig fest, dass die Hygienepläne unvollständig sind, manche Einrichtungen verwechseln ihn mit einem Reinigungsplan, damit ist es aber nicht getan“, sagt Lauterbach. Es reicht nicht, wenn darin nur aufgeführt ist, nach welchen Tätigkeiten die Mitarbeiter Hände waschen müssen und wie Spielzeug zu desinfizieren ist. Es muss vermerkt sein, welche Krankheiten nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig sind, Informationen über Gefahrenstoffe in der Einrichtung und genaue Anweisungen, wie der Mitarbeiter verfahren muss, wenn ein Kind Läuse hat oder auf den Boden erbricht.

„Der Hygieneplan sollte eine Art Nachschlagewerk sein: ‚Was mache ich, wenn…?‘“, erklärt Lauterbach.

Vorgaben nach dem Infektionsschutzgesetz (Paragraf 34)

Wenn ein Kind Läuse hat:

 

  • Falls ein Erzieher bei einem Kind Läuse feststellt, dieses unverzüglich nach Hause schicken.
  • Gesundheitsamt sofort über Kopflausbefall informieren mit der Angabe von personenbezogenen Daten. 
  • Eltern anderer Kinder über das Auftreten von Kopfläusen informieren.
  • Kind erst nach Bestätigung durch die Eltern über Behandlungserfolg wieder in die Kita aufnehmen.
     

Bei Infektionskrankheiten wie Norovirus, Windpocken und Röteln: 

 

  • Nach Feststellen der Infektionskrankheit bei einem Kind unverzüglich das Gesundheitsamt informieren. Eine Liste meldepflichtiger Infektionskrankheiten gibt es auf Gesetze im Internet
  • Eltern der anderen Kinder nach Absprache mit dem Gesundheitsamt über das Auftreten der Infektionskrankheit informieren.
  • Das Kind erst nach ärztlicher Bestätigung, dass keine Ansteckungsgefahr besteht, wieder in die Kita aufnehmen.
     

Bei Influenza:

 

  • Die Grippe ist hoch ansteckend und wird durch kleisten Tröpfchen übertragen. Durch den engen Kontakt in Einrichtungen in denen mehrere Kinder sind, kann sie schnell verbreitet werden.
  • Personen mit den Anzeichen wie plötzliches Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelforst und Schweißausbrüche sollten die Einrichtung nicht besuchen und einen Hausarzt aufsuchen.
  • Um einer Ansteckung und Verbreitung vorzubeugen, ist regelmäßiges Händewaschen und das regelmäßige Lüften von Räumen zu empfehlen, sowie das Vermeiden von engem Körperkontakt wie Umarmungen, Küssen und Händeschütteln. 

HYGIENE IN DER KITA

Das Ziel eines Hygieneplans ist es, Kinder und Erzieherinnen, sowie Kinderpflegerinnen vor Infektionskrankheiten zu schützen und deren Gesundheit aufrechtzuerhalten. Da ein Hygieneplan nicht allgemeingültig sein kann, muss er auf baulich-funktionellen und organisatorischen Bedingungen angepasst werden. Dennoch sind folgende Inhalte notwendig:

ANALYSE

Hierbei werden mögliche Infektionsrisiken in einer Ist-Analyse und Soll-Analyse ermittelt und Maßnahmen zur Minimierung des Risikos herausgearbeitet.

KONTROLLE

Mit diesen Aktionen soll die Einhaltung der festgelegten Maßnahmen überwacht und zudem Schulungsmaßnahmen eingeleitet werden. 

HYGIENERELEVANTE BEREICHE

Für folgende Bereiche gilt eine besondere Aufmerksamkeit:

  • Spielsachen, Spielgeräte und Spielsand
  • Entsorgung und Abfall
  • Tierhaltung
  • Turn- und Gymnastikraum
  • Ruhe- und Schlafraum
  • Sanitärräume
  • Gruppen- und Spielräume
  • Erste-Hilfe-Raum
  • Putzmittelräume
  • Küche

EINEN HYGIENEPLAN ERSTELLEN LASSEN

Träger und Kindertagesstätten ist es selbst überlassen, wer den Plan erstellt. Allerdings ist Hygieneexperte Lauterbach der Meinung, dass Mitarbeiter ohne Fachwissen nur in Ausnahmefällen in der Lage sind, alleine einen Hygieneplan anzufertigen, der vom Gesundheitsamt abgesegnet wird.

„Ohne professionelle Hilfe ist das nicht möglich, welcher Erzieher kennt sich schon mit Schädlingsprophylaxe oder der Wechselwirkung von basischen oder säurehaltigen Reinigungsmitteln mit anderen Stoffen aus?“.

Im Internet gibt es zwar Vorlagen – der Öffentliche Gesundheitsdienst in Baden-Württemberg bietet beispielsweise einen ausführlichen Musterhygieneplan für Kindertagesstätten –, allerdings muss der Plan an die Gegebenheiten der Einrichtung, wie die Räumlichkeiten oder verwendete Reinigungsmittel, angepasst sein.

„Ich empfehle daher jedem Träger, einmalig das Geld in die Hand zu nehmen und eine professionelle Firma für die Erstellung zu beauftragen. Das kostet zwischen 400 und 800 Euro und dann hat man einen ordentlichen, auf die Kita zugeschnittenen Hygieneplan“.
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Langfristig spare das Geld – halten sich alle daran, gibt es weniger krankheitsbedingte Ausfälle bei den Mitarbeitern. Um geeignete Stellen für die Erstellung zu finden, können sich Einrichtungen vom zuständigen Gesundheitsamt beraten lassen. Gesundheitsämter dürfen aber keine Stellen empfehlen.

Das Gesundheitsamt hilft bei Fragen zur Sauberkeit

Das staatliche Gesundheitsamt im Landratsamt Augsburg erhält oft Anrufe von besorgten Kindertageseinrichtungen. Meistens geht es aber nicht um den Hygieneplan, sondern um aktuelle Vorfälle in der Einrichtung. Vor allem bei Krankheiten seien sich die Fachkräfte häufig unsicher, erzählt Lauterbach.

„Im Moment häufen sich die Fragen zu Läusen, auch Krätze und Tuberkulose wird immer mehr Thema“, erzählt er. Diese Krankheiten nahmen in Deutschland in den letzten Jahren wieder zu und sind laut Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes meldepflichtig. Das Gesundheitsamt muss bei einem Vorfall schnellstmöglich benachrichtigt werden. „Häufen sich Krankheiten in einer Einrichtung, besuchen wir sie außerplanmäßig und schauen, wo beim Thema Hygiene vielleicht nachgebessert werden kann“, sagt Lauterbach.

HILFE BEI DER HYGIENE IN DER KITA

Im Normalfall werden die Kindertagesstätten alle zwei Jahre von Lauterbach und seinen Kollegen kontrolliert. „Uns geht es aber nicht darum zu beanstanden, sondern zu unterstützen“, betont er. Neulich sei er in einer Kita gewesen, die Konzentrat zur Desinfektion der Wickelkommoden verwendet, dabei seien Wipe-Desinfektionstücher deutlich einfacher zu handhaben und zählen nicht als Gefahrengut.

Zu Hygienemanagement in der Kita gehört auch, Gefahrenquellen zu minimieren. Und für solche Tipps sind die pädagogischen Fachkräfte dankbar. Auch das Thema Desinfektion gehört in einen Hygieneplan. Hier gibt es eine Vorlage für einen Desinfektionsplan, wie er aussehen kann. 

https://www.youtube.com/watch?v=ewE4ChbqoV4

Pädagogische Fachkräfte sollten Vorbild sein 

Grundvoraussetzung, damit Hygiene in Kitas überhaupt funktioniert, sei, dass das ganze Team das Thema ernst nimmt und im Alltag lebt, sagt Lauterbach. Auch, um den Kindern ein Vorbild zu sein.

„Hygiene ist immer eine Teamleistung! Der Erfolg hängt vom Einsatz jedes Einzelnen ab. Vom Vorbild der Erwachsenen lernen die betreuten Kinder ‚quasi nebenbei‘ wichtige hygienische Verhaltensweisen für ihr späteres Leben“, heißt es im Vorwort des Hygieneplans des badenwürttembergischen Gesundheitsdienstes. Dazu zählt, den Kindern klarzumachen, dass richtiges Händewaschen dabei hilft, nicht krank zu werden, aber eben auch, selbst die Hände ordentlich zu waschen.

„Sich selbst an die Hygieneregeln zu halten und im Ernstfall den gesunden Menschenverstand einzusetzen ist genauso wichtig wie der Hygieneplan. Man muss nicht tagtäglich die Türklinken reinigen, wenn aber ein Kind eine ansteckende Krankheit hat, dann eben schon“, sagt Lauterbach.

 

Erstveröffentlichung: Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 3/2018, S. 44-46, www.fruehe-bildung.online

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Autorin Silvia Schumacher

Studierte Sprach- und Erziehungswissenschaft an der Universität Augsburg. Heute ist sie Redaktionsleiterin von didacta – das Magazin für lebenslanges Lernen und Teil des Redaktionsteams von Frühe Bildung Online. Zuvor unterrichtete sie mehrere Jahre an einer privaten Bildungseinrichtung und weiß daher, wie der Alltag von Pädagogen aussieht.

Von Silvia Schumacher • 13.09.2018

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