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Interaktion Kinder und Erzieher/-innen

Qualität braucht Interaktion zwischen Kindern und Erzieher/-innen

Qualität in der Kita bedeutet eine gute Interaktion zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern. Die dialogische Portfolio-Arbeit bietet dafür Anlässe.

Marion Lepold

„Schau mal, da hab ich mit Fingerfarben ein Bild gemalt“, sagt der 4-jährige Tino zu seiner Erzieherin. Die beiden sitzen zusammen, blättern durch Tinos Portfolio-Ordner. Er erzählt immer wieder zu einzelnen Einträgen, was ihm dazu einfällt. Die Erzieherin geht darauf ein, stellt Nachfragen: „Welche Farben hast du denn benutzt, Tino?“. So könnte eine Situation in einer Kita aussehen, in der ein dialogischer Portfolio-Ansatz gelebt wird. Bei den Dialogen zwischen Fachkraft und Kind werden Erinnerungen gestärkt, der Austausch angeregt und Wertschätzung ausgedrückt. Die Kinder werden bestärkt und ermutigt.

 

Fachkräfte, Kind und Eltern wirken am Portfolio mit

Die dialogische Portfolio-Arbeit bietet Fachkräften, Eltern und Kindern die Möglichkeit, an der Dokumentation teilzuhaben. Dabei steht der Austausch untereinander im Mittelpunkt: während der Portfolio-Erstellung, direkt im Anschluss oder als Reflexion mit zeitlichem Abstand. Wenn Fachkräfte, Kind und Eltern am Portfolio mitwirken, kann es die Entwicklung des Kindes ganzheitlich aufzeigen. Dabei braucht es eine gesunde Balance zwischen Portfolios der Fachkräfte über das Kind, Einträgen der Kinder selbst und dem Mitwirken der Eltern. Beim dialogischen Portfolio geht es darum, die Alltagssituationen aktiv zu nutzen und das Portfolio als integralen Teil der Bildungsarbeit der Kita zu sehen. Wenn Kinder ihre eigene Sicht wiedergeben, dann erleben die pädagogischen Fachkräfte und auch die Eltern einen neuen Blick auf die Kinder und Einblicke in ihr Denken, die ihnen sonst vielleicht verborgen geblieben wären. Kinder entwickeln dabei Selbstkompetenz.

 

Fachkräfte als Entwicklungsbegleiter und Moderator

Wird die Portfolioarbeit dialogisch gelebt, nehmen die Fachkräfte dabei unterschiedliche Rollen ein. Sie begleiten die Kinder, die Inhalte ihres eigenen Portfolios zusammenzutragen. Es wird kein Portfolio über das Kind geführt, sondern ein Portfolio-Eintrag entsteht aus der Perspektive des Kindes gemeinsam im Austausch von Kind und Fachkraft. So wird beispielsweise das Kind bei der Auswahl der Fotos für einen Portfolioeintrag miteinbezogen oder kann, je nach Ausstattung der Einrichtung, die Aufnahmen dazu selbst anfertigen.

 

Alle Stufen des Portfolioprozesses werden von der Fachkraft moderiert. Durch ihre Beobachtung lenkt sie beispielsweise mittels sprachlicher Begleitung und gezielter Impulse die Aufmerksamkeit des Kindes auf Schlüsselmomente. Das Kind lernt dadurch seine Handlungen bewusster wahrzunehmen. So kann sie beispielsweise nachfragen: Was hast du am liebsten gemacht? Was ging für dich leicht? Was war der schwierigste Teil für dich? Wie hast du das herausgefunden?

 

Der Anteil der Fachkraft am Portfolio hängt immer vom Alter und den individuellen Kompetenzen eines Kindes ab. Doch egal wie groß der Eigenanteil der Kinder am Portfolio ist, sollte sich eine Fachkraft darüber bewusst sein, dass sie aufgrund ihrer Professionalität die Verantwortung für das Portfolio trägt. Es ist ihre Aufgabe, Kind und Eltern das Wesen des Portfolios näherzubringen und es ist auch ihre Aufgabe, den Dialog anzustoßen.

 

Bildungs- und Erinnerungsarbeit vereinen

Viele Alltagssituationen bieten Anlässe, um in den Portfolio-Dialog mit dem Kind zu treten. Das kann bereits bei dem Fingerfarben-Bild von Tino umgesetzt werden: Welchen Titel gibt Tino dem Bild? Neben dem Titel gibt er viele andere Informationen zum Kunstwerk. Diese können auf einem extra Blatt notiert oder als Audioaufnahme hinzugefügt werden. Die pädagogische Fachkraft sollte das Kind fragen, ob es das auch möchte. Die Meinung von Tino ist dabei zu akzeptieren.

 

Viele Kinder durchblättern gern ihren Portfolio-Ordner. Das Portfolio macht für die Kinder sichtbar, dass sie Herausforderungen aus eigener Kompetenz bewältigen können und führt ihnen vor Augen, was sie bereits geschafft, gelernt und erlebt haben. Sie erhalten damit Einsicht in ihr Lernen und ein konkretes Bild ihrer Entwicklung in ganz verschiedenen Gebieten über einen längeren Zeitraum. Portfolio vereint Bildungsarbeit und Erinnerungsarbeit miteinander, denn die Kinder setzen sich gedanklich, emotional und praktisch mit ihrer eigenen Person, ihrer Unverwechselbarkeit, ihrer Identität, mit ihren Interessen, ihrem Können, mit dem von ihnen selbst Geschaffenem, mit dem Erlebten und mit Schönem und Besonderem auseinander.

Zum Weiterlesen:

Dialogisches Portfolio. Alltagsintegrierte Entwicklungsdokumentation. Marion Lepold & Theresa Lill Verlag Herder, 2017

Erstveröffentlichung: Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 1/2019, S. 10-11

Marion Lepold

Marion Lepold ist freiberufl iche Trainerin, Coach für Kitas und Autorin. Sie hat sich auf die Themen pädagogische Dokumentation und digitale Medien spezialisiert.

www.qualitaet-kita.de

Von Marion Lepold • 06.02.2019

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