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Sprachförderung

Sprachförderung beim Mittagessen in der Kita

Oft bleibt das Gesprächspotenzial, das Essenssituationen bieten, ungenutzt. Dabei kann die pädagogische Fachkraft gemeinsame Mahlzeiten mit einfachen Mitteln sprachanregend gestalten.

Monika Wertfein

Mahlzeiten sind Sprachzeiten: Kinder fühlen sich in den ersten Lebensjahren in Essensituationen, die in Gemeinschaft stattfinden, besonders wohl und sind besonders offen und lernbereit. Somit kann jede Mahlzeit als Bildungssituation genutzt werden, um neue Erfahrungen zu machen, gemeinschaftlich zu lernen und bereits Gelerntes einzusetzen. Das bestätigen internationale Studien.

 

Sprechanlässe schaffen

Indem die Fachkraft benennt, was die Kinder gerade tun oder was sie gerade tut, lenkt sie die gemeinsame Aufmerksamkeit auf das gegenwärtige Handlungsgeschehen und bleibt mit den Kindern im Dialog. Zudem regt sie die Kinder an, selbst zu beschreiben, was sie gerade tun. Handlungsbegleitendes Sprechen entschleunigt das Geschehen und macht es für alle Beteiligten kognitiv und sprachlich bewusster. So können Kinder schon sehr früh nebenbei an Sprache herangeführt werden. Die Essenssituation kann bei jüngeren Kindern auch dazu genutzt werden, um die motorischen Abläufe beim Essen und Trinken Schritt für Schritt sprachlich zu begleiten und dadurch zu verinnerlichen, beispielsweise „zuerst kauen, dann schlucken“.

 

Einblick in die innere Welt

Mahlzeiten sind wertvolle Gelegenheiten im KitaAlltag, in denen die Kinder selbst die Gesprächsthemen bestimmen können. Das können Themen rund ums Essen sein, wie Geruch, Geschmack oder Herkunft der Lebensmittel, das Lieblingsessen der Kinder oder was die Kinder darüber hinaus gerade beschäftigt, beispielsweise die Erlebnisse am Wochenende.

 

Essenssituationen eignen sich gut dafür, den Kindern zuzuhören und so Einblick in ihre innere Welt zu bekommen. Auf diese Weise kann die Fachkraft den Initiativen und Themen der Kinder folgen, sie kann nachfragen oder die Themen aufgreifen, indem sie offene Fragen stellt, das Gespräch fortführt und die Kinder zum weiteren Nachdenken anregt. Offene Fragen sind besonders gut geeignet, um miteinander in den Dialog zu kommen.

Praxistipps

  • Reden Sie mit den Kindern über das Essen, beispielsweise was ihnen schmeckt oder nicht schmeckt, welche Zutaten die Gerichte enthalten, wer kocht oder was die Essensgewohnheiten der Familie sind.
     
  • Gestalten Sie kleine Sitzgruppen, also Tische mit vier bis sechs Kindern, und setzen Sie sich zu den Kindern an den Tisch.
     
  • Verteilen Sie das Essen und die Getränke auf kleinere Schüsseln und Kannen, sodass auf jedem Tisch etwas steht, die Kinder sich selbst nehmen können und die Fachkräfte nicht ständig aufstehen müssen.

Weitere Informationen sowie Praxismaterialien für Sprachanlässe in der Kita auf:

www.fachlich-fit.de

Reflexionsfragen für den eigenen Alltag

  • Wie können Sie die Essenssituationen gestalten, damit eine angenehme Atmosphäre beim Essen herrscht und Gespräche möglich werden?
     
  • Wo sind organisatorische Grenzen und was muss das ganze Team mittragen oder verändern, damit die Essenssituation zur Kommunikationssituation wird?
     
  • Wie könnten Sie gezielt Kinder mit sprachlichem Unterstützungsbedarf in Dialoge einbeziehen? Welche Kinder sind das?

 

Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 2/2019, S. 8-10, www.fruehe-bildung.online

 

Monika Wertfein

Monika Wertfein ist DiplomPsychologin am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. Ihre Themenschwerpunkte sind Qualität in Kindertageseinrichtungen sowie sozio-emotionale Kompetenzen in Familie und pädagogischer Praxis.

Von Monika Wertfein • 07.05.2019

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