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Kolumne

Außengelände als Spielplatz für alle Sinne

Der Außenspielbereich oder Außengelände einer Kita muss vielen Anforderungen gerecht werden. Da sind zum einen vorgeschriebene Sicherheitsrichtlinien und zum anderen die Kinder, die eine genaue Vorstellung von dem haben, was und womit sie wie, wann und mit wem spielen möchten. 

Florian Esser

Die Sonne steht am Himmel, keine Wolke ist zu sehen, wir brauchen nicht lange zu überlegen und wissen gleich: heute geht’s nach Draußen. Also rein in die Gummistiefel, rein in die Jacke und Mütze auf – es kann losgehen. Über unsere lange Außentreppe gelangen wir auf unser wunderschönes Außengelände. Die Kinder rennen los, ihr Ziel – das Klettergerüst – fest im Blick.

Ohne wirklich zu bemerken, was mit mir geschieht, laufe auch ich vergnügt los und lasse mich von der Freude der Kinder anstecken. Am Klettergerüst angekommen, wird es gleich von einem Dutzend Kinder in Beschlag genommen. Die anderen warten schon ungeduldig vor dem Gartenhaus, um eines der begehrten Fahrzeuge zu ergattern. Wieder andere Kinder üben sich als Architekten und bauen fleißig Burgen im Sandkasten. Das Außengelände füllt sich, aus den anderen Gruppen stoßen weitere Kinder dazu. Wohin das Auge reicht, hüpfen, rennen, klettern oder schaukeln Kinder und das vergnügte Lachen der Kinder mischt sich mit dem unverwechselbaren Lärm der unermüdlich ratternden Bobby Cars.

Das Außengelände ist als Raum für Kinder "alternativlos". An keinem anderen Ort in der Kindertagesstätte gelingt es , so viel Freiheit zu gewähren und mit so wenig Regeln auszukommen. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jeder kann so laut sein wie er möchte, keiner muss Rücksicht auf schlafende Kinder nehmen; es darf so schnell gerannt werden, wie die Beine es hergeben. Aber das Schönste ist, wenn es für jedes Kind und jedes Alter eine Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeit gibt. In schier unendlicher Variation wird Sand umgeschüttet, die Rutsche hinab gesaust, oder am Wasserlauf geplanscht.

Was für uns wie vergnügtes Spiel aussieht und uns mitunter teilweise an unsere eigene Kindheit erinnert, ist indes mehr, als man hinlänglich vermutet. Das Spiel im Freien ist exzellente Selbstbildung und Entwicklungsförderung in allen Bildungsbereichen zugleich. Die Natur, als essenzieller Lebensraum, bietet eine anregungsreiche Umgebung und abwechslungsreiche Vegetation. Sie ist in ihrer natürlichen Schönheit beständig und dennoch witterungsbedingten Veränderungen unterworfen. Womit sie als ganzheitliche Umgebung immer wieder neue Impulse gibt und Anreize schafft. Das Außengelände gibt uns eine gewisse Vertrautheit und ist zugleich unendlich reich an Entdeckungsmöglichkeiten und im wahrsten Sinne ein Spielplatz. Alles dort ist selbsterklärend, bedeutsam und in seiner zeitlosen Unvollkommenheit außerordentlich perfekt. Da ist es nur wenig verwunderlich, dass Kinder nach Elementarem wie Dreck, Matsch und Gebüsch verlangen. Sie sind förmlich beseelt vom Spiel in der Natur sowie dem unbeschwerten Streifen durch den Außenbereich mit all seinen Attraktionen.

Vor allem in unserer zunehmend digitalisierten Welt ist es wichtig, dass Kinder fernab des emsigen Treibens einer hochtechnologisierten Gesellschaft zur Ruhe und sich selbst finden können. Kinder brauchen (Selbst-)Bildungsräume, in denen sie mit allen Sinnen forschen dürfen und mit tiefer Zufriedenheit ihren Horizont erweitern können, wo sie frei sind und ihr Spielverhalten nicht durch gesellschaftliche Stereotypen diktiert wird.

Jean Paul (1763-1825):

Gib einem kleinen Kind

einen dürren Ast.

Es wird mit seiner Phantasie

Rosen daraus sprießen lassen.“ 

 

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Das Spiel im Freien ist exzellente Selbstbildung und Entwicklungsförderung in allen Bildungsbereichen zugleich.

Florian Esser
Von Florian Esser • 07.05.2019

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