Eltern mit einem Kind
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Gesprächsführungsfortbildung „Kita-MOVE“

Eltern verstehen und erreichen

Einen guten Kontakt zu Eltern aufzubauen ist einer der zentralen Bausteine für effektive Elterngespräche. Das Angebot Kita MOVE richtet sich an pädagogische Fachkräfte, die Methoden und Instrumente an Hand bekommen möchten, um wertschätzend und auf Augenhöhe mit Eltern zu kommunizieren.

Angelika Fiedler

„Die Investition in die Beziehungsarbeit mit Familien ist eine Anstrengung, die sich lohnt und zwar in dem Sinne, dass sie nicht einseitig Kräfte kostet und  `entkräftet`, sondern `kräftigt`: Kinder und Eltern, Fachkräfte und Teams.“

Anknüpfend an dieses Zitat aus dem Artikel von Xenia Roth, soll hier ein Gesprächsansatz vorgestellt werden, der die Grundlage der Fortbildung Kita-MOVE bildet. Erarbeitet und geübt wird dabei eine konkrete, motivierende Gesprächsweise mit Eltern, die auf Augenhöhe basiert und geprägt ist von Respekt, anteilnehmender Neugierde und Akzeptanz.

Motivierende Gesprächsführung

In der Praxis der Frühpädagogik zeigte sich der theoretische Ansatz der „Motivierenden Gesprächsführung“ (MI) nach Miller und Rollnick in den vergangenen Jahren als besonders geeignet. Denn die Haltung dieser Gesprächsführung ist geprägt von Wertschätzung und Akzeptanz. Es wird anerkannt, dass die Eltern die kompetentesten „Experten“ für ihre Kinder und ihre eigene Situation sind und – nahezu immer – das Beste für ihr Kind wollen. Motivierende Gesprächsführung  - und damit Kita-MOVE - vermittelt, wie man den ersten Schritt vor dem zweiten macht. Zunächst geht es darum Kontakt aufzunehmen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, Motivation wecken, dann Veränderung begleiten und unterstützen.

Hilfreich ist es hier, individuelle Zugänge zu Eltern zu finden, denn jedes Elternteil ist anders. Es gibt keinen Königsweg, es gibt viele Pfade. Manche sind erfolgversprechender als andere. Die jeweiligen Pfade müssen sowohl für die pädagogische Fachkraft als auch für die Eltern begehbar und breit genug sein, nebeneinander herzugehen, sonst verlässt einer von beiden diesen Weg, oder bleibt zumindest stehen, oder zurück.

Es gilt sich der unterschiedlichen Lebenswelten und Werteorientierungen, der unterschiedlichen Prägungen und Sozialisation, in oft verschiedensten Kulturkreisen, bewusst zu sein und die Unterschiedlichkeiten, so weit wie möglich bewertungsfrei anzuerkennen.

Dies gelingt indem die Fachkraft davon überzeugt ist, dass nahezu alle Eltern das Beste für ihr Kind erreichen wollen. Die überwiegende Mehrheit der Eltern ist dankbar für Unterstützung.

Ziel der Gespräche ist es beispielsweise, dass die Eltern sich die Erkenntnis erlauben, dass ihre Erziehung in Teilen besser sein könnte - z. B. aktuell doch zu kontrollierend, zu verwöhnend, zu wenig fördernd, zu inkonsequent - und sich nach und nach mit der möglichen Veränderung/Verbesserung der Situation befassen. Für die Fachkraft bedeutet es, bestrebt zu sein, die aktuelle Situation der Eltern erst einmal grundsätzlich zu verstehen  - was nicht gleichbedeutend sein muss mit Einverstanden sein. Es gibt immer Gründe, warum das Verhalten so ist, wie es ist. Und es gibt Gründe, dieses Verhalten im Sinne des Kindeswohls zu verändern. Es gilt, hier einen offenen, druckfreien Raum für Reflektion zu schaffen.

Diese, den Eltern gegenüber grundsätzlich offene und empathische Haltung, bringen die meisten Fachkräfte mit. Doch Haltung benötigt auch Fertigkeiten. Eine solche Haltung in kooperative, partnerschaftliche Gespräche umzusetzen, bedarf zunächst des Beziehungsaufbaus. Zentral und hilfreich ist hier Zuhören, Bestätigen (der positiven Seiten und der Ressourcen) und offenes Fragen. Es geht um die Kunst, wertfrei Informationen zu geben, geschmeidig mit Widerstand umzugehen und Widersprüche vorwurfsfrei anzusprechen. Und es geht vor allem darum, die Eltern zu Fürsprechern ihrer eigenen Veränderung zu machen.

Kita-MOVE erarbeitet mit den Teilnehmenden die Fertigkeiten der Motivierenden Gesprächsführung und setzt sie unmittelbar in die Praxis um.

Dies bedarf auch der Einschätzung des „Motivationsstandes“ der Eltern. Hier arbeitet Kita-MOVE mit der Motivationsspirale (TTM) nach Prochaska, DiClemente u.a.

Das TTM beschreibt, wie die die Motivation verschiedene Stadien durchläuft. Im ersten Stadium, der „Absichtslosigkeit“,  wird kein Problem gesehen (auch, wenn andere es sehen), deswegen will sich der Mensch in diesem Punkt gar nicht ändern. Im nächsten Stadium, dem der „Absichtsbildung“, ist der Mensch hin- und hergerissen. Es gibt Gründe, warum man sich aktuell so (ungünstig) verhält und es gibt Gründe, das zu verändern, was jedoch Anstrengung und Umgewöhnung verlangen würde. Wie soll man sich entscheiden? Hat man sich grundsätzlich für eine Veränderung entschieden, ist man in das Stadium der „Vorbereitung“ eingetreten. Erst hier ist man offen für Hilfsangebote, sucht diese sogar, um sein Vorhaben in die Tat umsetzen zu können. Erst im Stadium der „Aktion“ nun wird die Veränderung „angepackt“ und ist für andere sichtbar. Bewährt sich das neue Verhalten über längere Zeit, wird von „Aufrechterhaltung“ gesprochen.

 

Es sind nicht ausschließlich und unmittelbar die Eltern, die im Mittelpunkt der Schulung stehen, vielmehr ist es der Kontakt zu den Eltern. Es geht um eine neue Qualität der Fachkraft-Eltern Beziehung.

Für den Kontakt mit den Eltern ist es äußerst hilfreich, zu berücksichtigen, in welchem Stadium der Veränderungsabsicht sich das Elternteil befindet. Denn je nach Stadium bedarf es einer spezifischen Form von Kommunikation.

 

So ist es förderlich für die Gesprächsführung zu erspüren, in welcher Phase die Eltern eher

  • anregende Fragestellungen,
  • Zurückhaltung,
  • ein offenes Ohr,
  • weiterführende Informationen,
  • Hilfe bei der Zielsetzung,
  • Ansprechen von Ambivalenzen,
  • Reflexion von Veränderungsbemühungen,
  • Bestärkung und Ermutigung

benötigen. Was in der einen Phase hilfreich ist, ist in einer anderen kontraproduktiv. Wer z.B. (noch) kein Problem in seinem Verhalten sieht, ist nicht offen für ausführliche Informationen, schon gar nicht für Zielsetzungen, Hilfestellung oder gar Lösungen. Dies dennoch bereits zu diesem Zeitpunkt anzusprechen, gefährdet den Kontakt und macht zukünftiges Miteinander schwieriger.

In vielen Übungen erhalten die Teilnehmenden von Kita-MOVE Gelegenheit, die Wirkung dieser Kommunikationsfertigkeiten an sich selbst und dem Gegenüber zu erfahren - den Umgang damit zu den einzelnen Stadien auszuprobieren.

Schulung

Kita-MOVE wird seit 2007 in Nordrhein-Westfalen und seit 2015 in weiteren Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt) umgesetzt. Die Qualität der dreitägigen Schulung wird über das evaluierte Curriculum gewährleistet (Universität Bielefeld, Fachbereich Gesundheitswissenschaften). Die Auswertung der wissenschaftlichen Begleitung hat den hohen praktischen Nutzen und den Kompetenz-Zuwachs der Teilnehmenden durch dieses Fortbildungsangebot belegt.

Die Schulung umfasst 24 Unterrichtseinheiten. Neben den theoretischen Inputs gibt es vor allem viel Raum für das Üben und Reflektieren. Jede Teilnehmerin erhält ein Workbook, das die Schulung begleitet. Kita-MOVE wird grundsätzlich von einem zertifizierten Trainer/innen-Tandem durchgeführt und kann damit die Teilnehmenden bei ihren Übungen eng begleiten.

Die Teilnehmenden erhalten in der Schulung Raum, Zeit und Anregungen, ihre Haltung den Familien gegenüber zu reflektieren und ggf. zu verändern. Es geht um eine Erweiterung der Kooperationskompetenz. Es geht um Kontakt auch zu Eltern, wo das Ansprechen schwerer fällt, wo die Themen heikel sind, wo die pädagogischen Fachkräfte Veränderungen im Umgang mit dem Kind oder im Zusammenhang mit dem Kind für wünschenswert halten, aber unsicher sind, dies anzusprechen.

Echo der Teilnehmenden

Jede Schulung wird mit einem standardisierten Rückmeldebogen evaluiert. Die letzte Frage lautet: „Werden Sie die Fortbildung weiterempfehlen (99 %: ja). Hier drei oft genannte Beispiele der Begründung:

„Ja, weil man mit einem guten und selbstbewussteren Gefühl das Seminar verlässt und definitv besseren Umgang mit Elterngesprächen bekommt.“

„ja, weil es für die Elternarbeit wichtige Impulse setzt und mich auch persönlich weiter bringt (eigene Haltung)“

„ja, weil die Gewichtung theoretischer und praktischer Anteile top war! Vielen Dank!“                                                                                                                       

Links

www.kita-move.de

Kontakt

Angelika Fiedler

Leitung MOVE

g!nko Stiftung für Prävention
Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung NRW

Kaiserstr. 90, 45468 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 0208 30069-35

a.fiedler@ginko-stiftung.de

Von Angelika Fiedler • 08.09.2019

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