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Interview Juliane Seifert: Kita-Qualitätsgesetz

Interview „Wir investieren in qualitative Verbesserungen und Verbesserung der Teilhabe"

Das neue Kita-Qualitätsgesetz wird die Situation von Kitas verbessern, davon ist Staatssekretärin Juliane Seifert überzeugt. Auch, wenn Länder die Gelder für die Beitragsfreiheit verwenden

Redaktion

Frühe Bildung Online / Meine Kita : Um die Qualität der Kinderbetreuung in Kitas zu verbessern, will die Bundesregierung bis 2022 den Ländern 5,5 Milliarden Euro bereitstellen. Den Ländern ist es freigestellt, wie sie die Mittel verwenden. Welche Investition wäre aus Ihrer Sicht am sinnvollsten?

Juliane Seifert: Die Mittel können in zehn Handlungsfeldern eingesetzt werden, beispielsweise zur Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels, zur Erweiterung der Öffnungszeiten oder zur Freistellung der Kita-Leitung. Alle Handlungsfelder dienen der Verbesserung der Qualität in der Kindertagesbetreuung. Da es jedoch unterschiedliche Handlungs- und Entwicklungsbedarfe in den Ländern gibt, ist es nicht nur sinnvoll, sondern auch folgerichtig, den Ländern die Auswahl darüber zu überlassen, in welchem der Handlungsfelder sie Qualitätsmaßnahmen treffen wollen.

Experten befürchten, dass das Geld in die Beitragsfreiheit von Kitas und nicht in die Qualität fließt. Wie wollen Sie sicherstellen, dass Länder die Gelder nicht falsch investieren?

Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt, Eltern bei den Gebühren bis hin zur Beitragsfreiheit zu entlasten. Und genau dies tun wir mit dem Gute-Kita-Gesetz: Wir investieren sowohl in qualitative Verbesserungen als auch in eine Verbesserung der Teilhabe aller Kinder in der Kindertagesbetreuung. Fakt ist doch, dass teils sehr hohe Beiträge für viele Familien den Zugang zur Kindertagesbetreuung erschweren oder verhindern. Wenn Kinder aufgrund zu hoher Gebühren nicht in die Kita gehen können, nutzt ihnen auch kein qualitativ hochwertiges Angebot. Deswegen müssen wir beides machen: in mehr Qualität und weniger Gebühren investieren.

Für die Länder ist es schwierig, dauerhafte Maßnahmen für die Qualität umzusetzen, wenn die Gelder nur bis 2021 gezahlt werden. Rechnen Sie mit einer weiteren finanziellen Unterstützung nach 2021?

Wir haben es bereits geschafft, Mittel bis zum Jahr 2022 zur Verfügung zu stellen – insgesamt 5,5 Milliarden Euro. Wir bekennen uns darüber hinaus zu dem Ziel, nachhaltig und dauerhaft die Qualität der frühen Bildung zu verbessern. Die zusätzlichen 2 Milliarden Euro in 2022 unterstreichen diesen Willen des Bundes nachdrücklich, in dem das Vorhaben und die Mittel in die nächste Legislaturperiode hineingehen und nicht im Wahljahr 2021 enden.

Neben der mangelnden Qualität in vielen Kommunen kämpft der Kita-Sektor mit dem Fach kräftemangel. Welche Lösungsansätze verfolgt hier das Bundesministerium?

Wir brauchen genügend und gut qualifizierte Fachkräfte – ohne sie können wir unsere Ziele nicht erreichen. Deshalb müssen wir mehr Menschen für den wichtigen Beruf der Erzieherin und des Erziehers gewinnen. Gleichzeitig muss es uns gelingen, bereits Beschäftigte länger im Beruf zu halten.

Wie kann das gelingen?

Die Attraktivität dieses Berufsfeldes hängt stark von den Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt von der Bezahlung ab. Die von den Tarifpartnern im Frühjahr verhandelte Gehaltserhöhung für die Sozial- und Erziehungsberufe ist somit ein wichtiger Schritt. Daran müssen sich jedoch weitere anschließen. Mit einer bundesweiten Fachkräfteoffensive wollen wir die Länder darin unterstützen, den besonderen Fachkräftebedarf zu decken und gleichzeitig ein Signal für die weitere Aufwertung sozialer Berufe setzen. Die konkreten Pläne für die Offensive werden wir in Kürze vorstellen.

Was ist das "Gute-Kita-Gesetz"?

  • soll voraussichtlich zum 1. Januar 2019 in Kraft treten
  • will die Qualität der Kindertagesbetreuung verbessern und Eltern bei den Beiträgen entlasten
  • bedeutet eine Investition seitens des Bundes von 5,5 Milliarden Euro bis 2022
  • umfasst zehn Handlungsfelder, die Bund, Länder, Kommunen, Verbände und Wissenschaft gemeinsam festgelegt haben:

    1. Bedarfsgerechtes Angebot (z. B. erweiterte Öffnungszeiten)
    2. Guter Betreuungsschlüssel
    3. Qualifizierte Fachkräfte
    4. Starke Kitaleitung
    5. Kindgerechte Räume
    6. Gesundes Aufwachsen
    7. Sprachliche Bildung
    8. Starke Kindertagespflege
    9. Netzwerke für mehr Qualität
    10. Vielfältige pädagogische Arbeit

Erstveröffentlichung: Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 4/2018, S. 44-45, www.fruehe-bildung.online

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Von Redaktion • 08.11.2018

Juliane Seifert

ist seit 2018 Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium.

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