kleines Mädchen freut sich
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Zweiter Bundeselternkongress in Köln

Mehr, besser, vielfältiger und beitragsfrei!

Frühkindlichen Bildung in der KiTa und Tagespflege: So muss eine bessere Betreuung für Kinder unter 6 Jahren aussehen.

Thea Wittmann

Mehr, besser, vielfältiger – und beitragsfrei: Wie die Betreuung unseres Nachwuchses unter 6 Jahren aussehen soll, darüber gab es beim 2. Bundeselternkongress am 22. September 2019 in Köln regen Austausch. „Damit die Zukunft nicht nur in den Sternen steht!“, so das Motto. Schirmherrin Franziska Giffey ließ per Grußbotschaft ausrichten. „Nichts, was wir für die Kinder tun, ist verschwendet“. Wer Ideen für die zukünftige Kinderbetreuung entwickeln, wer aktiv mitgestalten wollte oder neue Impulse für den Kita-Alltag suchte– für den war dieser Kongress der „Place to be“. Ermöglicht wurde das Treffen durch das Bundesfamilienministerium, das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration Nordrhein-Westfalen sowie durch die Stadt Köln.

Betreuung: mehr als nur Kinderaufbewahrung

Der Wunsch nach Verbesserungen ist laut: „Es geht um mehr als Kinderaufbewahrung. Wir wollen alle das Beste für unsere Kinder und die Kitas immer besser gestalten. Und das erfordert, dass wir miteinander reden und zusammenarbeiten“, begrüßte Moderatorin Claudia Finger-Erben die etwa 200 Gäste im Kölner Gürzenich. Landesfamilienminister Dr. Joachim Stamp wies auf die aktuelle Situation in Nordrhein-Westfalen hin – das Geld ist knapp, dennoch konnte die Vielfalt in der Kita-Landschaft dank eines Rettungspaketes erhalten werden, sodass keine Kita schließen musste. Bürgermeister Dr. Ralf Heinen ist stolz auf seine Domstadt, die mit 700 Kitas und 900 Plätzen in der Kindertagespflege nach München der zweitgrößte Träger ist und das Zertifikat „Kinderfreundliche Stadt“ trägt. Prof. Jörg Maywald, Deutsche Liga für das Kind, stellte in seinem Vortrag „30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention“ die Kinderrechte in den Vordergrund –das Recht auf freies Spiel ist sein Lieblingsrecht.

Warum ein Elternkongress überhaupt nötig ist

Eltern geben ihre Kinder schon mit wenigen Monaten in eine Betreuungseinrichtung, in der die Kleinen viele Stunden verbringen, schlafen, essen, spielen, aufwachsen. Es besteht enormer Bedarf an U3-Plätzen. Knapp 2,4 Mio. Kinder zwischen 3 und 6 Jahren sind in einer Kindertagesbetreuung, im U3-Bereich waren es im letzten Jahr 790.000 Kinder. „Es ist mittlerweile normal, dass unsere Kinder „fremdbetreut“ werden und Eltern ihrem Beruf nachgehen. Aber das können wir nur mit einem guten Gefühl, wenn die Qualität der Betreuung stimmt und es endlich zu einer ernstzunehmenden Mitbestimmung der Eltern kommt“, so Bundeselternsprecherin Katja Wegner-Hens.

Eltern wollen wissen, wie es ihren Kindern in den entscheidenden frühen Jahren in der Kita geht. Deshalb mischen sie sich ein, und sie tun das, nicht um zu meckern, sondern um gemeinsam mit den Fachkräften und Trägern die Umstände zu verbessern. „Partizipation“ ist das Schlagwort der aktuellen Debatten zur Pädagogik: Eltern und Erziehende sollen sich verbünden, eine „Erziehungspartnerschaft“ eingehen und sich als gleichwertig anerkennen. Wie das in der Praxis auch tatsächlich funktionieren kann und was die Bildungspartnerschaft erschwert, dazu gab Dr. Christa Preissing, Direktorin des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung (BeKi), einen Einblick.

Der Bundeselternkongress will Eltern, Fachkräfte, Trägervereine, Wissenschaftler und Politiker an einen Tisch holen – also alle Betroffenen und Entscheider, die mit Angeboten zur Betreuung zu tun haben. Die Gastgeber – Bundeselternvertretung der Kinder in Kitas und Kindertagespflege (BEVKi) und der Landeselternbeirat – boten dafür ein vielfältiges Programm, inklusive Kinderbetreuung im Erdgeschoss. In Workshops und Fachvorträgen stellten Experten Entwürfe für eine frühkindliche Erziehung vor, die kommenden Anforderungen gewachsen ist. Als eine Art Mini-Messe präsentierten sich Organisationen, Unternehmen und Institutionen auf dem „Markt der Möglichkeiten“.

Die Kita der Zukunft: Was muss sich ändern?

Ganz praktisch wurde es in den Workshops, zum Beispiel: Wie kocht die Kita gesundes Essen (Sarah Wiener Stiftung) oder wie wird der Datenschutz nach der neuen DSGVO umgesetzt? Wie wir unsere Kinder auf das Leben und Arbeiten im 21. Jahrhundert vorbereiten, erklärte Michael Fritz von der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Weitere Themen: Kinderarmut, Kita-Recht, Gesundheitsförderung (Stiftung Kindergesundheit), Bilingualität, Bewegung (Bewegungskita Luftikus). Das Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen stellte seine Arbeit vor, der DKJS präsentierte die Ergebnisse seiner Quaki-Studie: Was finden Kinder an einer Kita gut?

In der abschließenden Diskussion legten Martin Patzelt (MdB, CDU), Dr. Dennis Maelzer (familien- und bildungspolitischer Sprecher NRW, SPD), Dr. Carolin Butterwegge (sozial- und kinderpolitische Sprecherin im Landesvorstand NRW, die Linke)  und Bundeselternsprecherin Ulrike Grosse-Röthig ihre Visionen auf dem Podium dar: Die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen für Erzieherinnen müssen besser werden, ebenso die gesellschaftliche Wertschätzung ihrer Arbeit. Alle Kinder, die einen Platz suchen, sollen ihn auch bekommen. Und die Politik muss Bescheid wissen, wo und woran es mangelt. Martin Patzelt forderte daher die Anwesenden auf: „Rücken Sie ihren Abgeordneten mit Ihren Anliegen zu Leibe!“
 

Thea Wittmann

Thea Wittmann ist  Buchhändlerin und Redakteurin. Nach einer Ausbildung im Buchhandel hat sie Germanistik, Psychologie und Pädagogik mit dem Abschluss Magister Artium studiert. Erfahrung in der Zeitschriftenredaktion wie im Lektorat konnte siw während ihres Volontariats bei Bastei Lübbe sammeln. Anschließend hat sie als Leiterin des Verlagsbereichs Buch in einem medizinischen Verlag mehrere Buchprojekte realisiert. Seit 2005 ist sie  freiberuflich als Redakteurin für unterschiedliche Medien tätig, Print wie Online. Ihre Themenschwerpunkte sind: Leben mit Kindern; Ernährung, Gesundheit, Medizin. 2013 eröffnete der Knirps & Riese Kinderbuchladen in Köln. Sie ist eine der beiden geschäftsführenden Gesellschafterinnen. 

Von Thea Wittmann • 23.09.2019

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