© Martin Nink / Kinder laufen für Kinder
Kinder laufen für Kinder

Spendenaktion: Kinder laufen für Kinder

Laufen und gleichzeitig etwas Gutes tun: Darum geht es bei der Schülerspendenaktion „Kinder laufen für Kinder“.

Die Kinder tragen eine Regenjacke über ihren lila Trikots, die Regentropfen stören sie nicht. Es ist 9.27 Uhr, in drei Minuten fällt der offi zielle Startschuss für den fünften Spendenlauf „Kinder laufen für Kinder“ in München. Die Schüler haben sich am Eissportzentrum im Olympiapark versammelt und warten darauf, loszuspurten. „Es geht nicht darum, wer am schnellsten läuft“, sagt Super RTL Moderatorin Vanessa Meisinger, während im Hintergrund das Lied der Black Eyed Peas „I gotta feeling that tonight‘s gonna be a good night“ aus den Lautsprecherboxen wummert. Wichtiger ist, überhaupt dabei zu sein.

Drei Millionen Kilometer für Kinder in Not

Sich bewegen, um etwas zu bewegen – das ist das Motto von „Kinder laufen für Kinder“. Bereits seit 16 Jahren sammelt die Initiative deutschlandweit Spenden für soziale Projekte. Die Schü- ler suchen sich selbstständig Sponsoren, die jeden gelaufenen Kilometer mit einem davor festgelegten Betrag belohnen. Alternativ ist auch die Spende einer Fixsumme möglich. „Wir sind stolz, dass wir seit Beginn der Spendenläufe insgesamt 6,8 Millionen Euro gesammelt haben, mit denen wir Kindern in Not helfen können“, erzählt Änne Jacobs, Gründerin der Initiative. Rund 768 000 Kinder liefen dafür bisher fast drei Millionen Kilometer.

Teilnahme ist unkompliziert

Der Countdown läuft im Münchner Olympiapark. „Fünf, vier, drei, zwei, eins, null“, zählt Moderatorin Vanessa. Die Schüler rennen los. Jeder in seinem Tempo, alleine oder Hand in Hand mit der besten Freundin, eine, zwei oder zehn Runden um den Olympia-See. Am Rand der Laufstrecke feuert Silvana Geiger ihre Schü- ler an: „Theo, super, eine Runde schaffst du noch!“ Sie ist Erzieherin an der gebundenen Ganztagsschule Pater-Rupert-Mayer-Volksschule in Pullach und nimmt mit ihren Drittklässlern am Schülerlauf teil, bereits zum zweiten Mal. „Die Parallelklasse hatte damals zuerst am Lauf teilgenommen, alle waren so begeistert, dass meine Teamkollegin und ich mit unseren Schülern auch mitmachen wollten“, erinnert sich Geiger.

Die Teilnahme sei nicht aufwendig. Die Initiative „Kinder laufen für Kinder“ stellt Materialien zur Vorbereitung wie Vorlagen für Elternbriefe, einen Ablaufplan zur Durchführung des Laufs und eine Sponsorenvereinbarung, die sich jeder Läufer von seinen Geldgebern unterschreiben lässt. „Die meisten Kinder haben mehrere Sponsoren, das kann der Bäcker ums Eck sein, Mama, Papa oder die Großeltern“, erzählt die Erzieherin. Zehn Prozent der erlaufenen Spenden darf die Klasse selbst behalten. Die Hälfte der verbleibenden Summe geht an den Verein Children for a better World in München. Für die andere Hälfte konnten die Schulen im Vorfeld eine der drei Spendenorganisationen von „Kinder laufen für Kinder“ auswählen: den Dachverband Clowns in Medizin und Pflege Deutschland, Save the Children e.V. oder den Verein BLLV-Kinderhilfe. Geigers Schüler haben sich für den Dachverband Clowns entschieden.

Bewegung fördern und soziale Kompetenzen stärken

Das Gute-Laune-Lied „Up, up, up, nobody‘s perfect“ aus dem Kinofilm Bibi und Tina läuft mittlerweile. Und Theo läuft schon die sechste Runde. „Die Kinder sind hochmotiviert“, sagt Geiger. Die Kinder sollen lernen, sich selbst einzuschätzen und ihre Kräfte einzuteilen. Darüber hinaus, ist die Erzieherin überzeugt, stärkt die Teilnahme an dem Spendenlauf ihre sozialen Kompetenzen. „Sie lernen fürs Leben und erfahren, dass man für sich selbst sorgen kann, aber wenn man die Kraft und Stärke hat, auch andere unterstützen sollte.“

Die zwölfjährige Johanna hat diese Erfahrung aus ihren Spendenläufen in Bremen mitgenommen. Auch dort findet jährlich „Kinder laufen für Kinder“ statt. Seit sie gehen kann, nimmt sie mit der Klasse ihres älteren Bruders daran teil. Heute ist sie Juniorbotschafterin der Initiative und mit ihren Eltern extra nach München gereist. „Als Juniorbotschafterin mache ich Werbung, verteile Flyer an meiner Schule und schenke hier Wasser aus. Helfen macht mir Spaß!“, erzählt sie stolz. Ihre Klasse konnte sie auch überzeugen, bei einem Lauf in Bremen mitzumachen.

Theo hat es geschafft. Auf seiner Laufkarte leuchten zwanzig blaue Stempel, für jede gelaufene Runde einen. Dafür erhält er 270 Euro von seinen Sponsoren. Insgesamt haben er und die anderen 2329 Schülerinnen und Schüler heute über 12 000 Kilometer zurückgelegt. Es kamen Spendengelder in Höhe von 58.000 Euro zusammen.
 

Infos zur Teilnahme auf: www.kinderlaufen-fuerkinder.de 

 

Erstveröffentlichung: didacta – Das Magazin für lebenslanges Lernen, Ausgabe 3/2018,
S. 58-59,  www.didacta-magazin.de

 

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Silvia Schumacher

studierte Sprach- und Erziehungswissenschaft an der Universität Augsburg. Heute ist sie Redaktionsleiterin von didacta – das Magazin für lebenslanges Lernen und Teil des Redaktionsteams von Frühe Bildung Online. Zuvor unterrichtete sie mehrere Jahre an einer privaten Bildungseinrichtung und weiß daher, wie der Alltag von Pädagogen aussieht.

Von Frühe Bildung Online • 19.09.2018

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