© Christoph Wehrer / © Stiftung Haus der kleinen Forscher
Forum KITA-Entwicklung

Organisationsentwicklung in Kitas: Stiftungen starten gemeinsame Initiative

Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ und die Robert Bosch Stiftung GmbH haben eine breit angelegte Initiative gestartet, um neue Impulse für die Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten zu setzen. Im Fokus des dreijährigen Projekts „Forum KITA-Entwicklung“ steht die Frage, wie Prozesse aus der Organisationsentwicklung auf Kindertagesstätten übertragen werden können, um sie bei der eigenen Entwicklung zu unterstützen. Zum Auftakt des Projekts kamen am 3. März 2020 Experten aus der Bildungswissenschaft, Organisationssoziologie und der Betriebswirtschaftslehre zusammen, um das Verhältnis von Organisationsentwicklung und Qualitätsentwicklung in Kitas zu diskutieren.

Berlin, 25. März 2020 – Mit einem Fachaustausch mit Expertinnen und Experten aus der Praxis und Forschung zur frühkindlichen Bildung, verwandten Disziplinen und der Politik ist am 03. März 2020 das Forum KITA-Entwicklung gestartet. Im Forum sollen bis Februar 2023 qualitätsrelevante Handlungsfelder innerhalb und außerhalb von Kitas identifiziert werden, die mit Mitteln der Organisationsentwicklung bearbeitbar sind, um Handlungsoptionen für das System Kita zu entwickeln. Das Projekt bietet eine Dialog-Plattform, durch die verschiedene Perspektiven aus dem System Kita in einen Austausch kommen können. So wird das Forum KITA-Entwicklung in den kommenden drei Jahren eine Serie von Fachgesprächen durchführen und weitere Dialogformate etablieren, um Erkenntnisse zur Organisationsentwicklung zu sammeln. Die Ergebnisse werden in Handlungsempfehlungen für das System Kita münden und sukzessive publiziert.

Organisationsentwicklung wird dabei verstanden als planmäßig durchgeführter Entwicklungsansatz, der die Ziele und Strukturen von Organisationen hinterfragt und die gemeinschaftliche Verantwortlichkeit von Mitarbeitenden und anderen Beteiligten für die Kita-Entwicklung befördert. In großen Teilen der Wirtschaft sowie im Kontext von Schulentwicklung werden Prozesse der Organisationsentwicklung bereits erfolgreich angewendet, um Organisationen in die Lage zu versetzen, Probleme aus eigener Kraft bearbeiten und lösen zu können.

Wie arbeitet das Forum KITA-Entwicklung?

Ein theoretisch fundierter Transfer in die Welt der Kitas steht noch aus. Mit dem Forum KITA-Entwicklung wollen die Initiatoren des Projekts dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Das Projekt nähert sich seinem Gegenstand, indem es Probleme und Herausforderungen aus der Kita-Praxis beschreibt und systematisiert. Es untersucht zudem, an welchen Stellen Ansätze der Organisationsentwicklung zu Lösungen beitragen können und stellt unter anderem diese Fragen: Wo gibt es Beispiele partizipativer Weiterentwicklung im System Kita? Welche Rolle spielen Faktoren wie Führung, Personal- und Teamentwicklung? Welche internen Strukturen, Prozesse und Kommunikationswege brauchen Kitas als Organisationen?
Die Erfahrungen von Pädagoginnen und Pädagogen, Fachberatungen und Trägern sollen im Kontext der institutionellen Landschaft betrachtet werden, in der Kindertagesstätten agieren. Ziel ist es, ein Modell des Systems der frühkindlichen Bildung zu entwickeln, das auch die Beiträge von Akteuren aus Politik und Verwaltung zur Qualitätsentwicklung würdigt. Mit diesem doppelten Zugang sollen Potenziale und Grenzen möglicher Maßnahmen der Organisationsentwicklung bestimmt werden.

Kita-Qualität entsteht im Dialog

Die beim Fachgespräch anwesenden Fachleute begrüßen, dass das Projekt eine große Herausforderung in den Blick nimmt, die im Kita-Bereich besteht. Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann von der Fakultät für Bildungswissenschaften an der Freien Universität Bozen betont: „Wir brauchen ein dialogisches Verständnis von Qualitätsentwicklung, das die Blickwinkel von Kindern, Eltern und Fachkräften gleichermaßen einbezieht. Praxisrelevanter als immer neue Kataloge von Qualitätskriterien wäre der Mut zu interperspektivischen Verständigungs- und Aushandlungsprozessen über das, was sich die verschiedenen Akteursgruppen unter Qualität vorstellen. Organisationsentwicklung kann solche Prozesse der Diskussion, Reflexion und des ganz praktischen, innovativen Umgangs mit Herausforderungen fördern, indem sie den Blick auf die Ressourcen vor Ort wirft und Wege zur partizipativen Qualitätsentwicklung aufzeigt.“

Stimmen der Initiatoren

Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, erklärt dazu: „Vom Forum KITA-Entwicklung erwarten wir Impulse, die die Wirkung unserer Bildungsangebote zur frühen MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung für pädagogische Fachkräfte weiter steigern werden. Methoden zu einer planvollen Gestaltung von Veränderungsprozessen sollen die Teams auf ihrem Weg zu einer Kita stärken, in der Kinder im Alltag forschen, entdecken und zentrale Zukunftskompetenzen erwerben können.“
„Der Kita-Besuch ist inzwischen fester Bestandteil der Bildungskette. Das ist eine große Chance für mehr Bildungsgerechtigkeit. Hier können ungleiche Startbedingungen früh ausgeglichen werden, wenn die pädagogische Qualität stimmt“, sagt Dr. Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung. „Mehr Qualität können wir erreichen, wenn sich die Kita als Organisation systematisch weiterentwickelt. Dafür benötigen die Einrichtungen heute anderes Wissen als noch vor einigen Jahren, beispielsweise ähnlich viel Managementkompetenz wie mittelständische Betriebe. Den guten Ansätzen, die es in der Praxis bereits gibt, wollen wir mit dem Forum KITA-Entwicklung das nötige theoretische Fundament hinzufügen und damit über Einrichtungsgrenzen hinaus Veränderungen anstoßen.“
Interessierte aus Forschung, Kita-Praxis, von Trägern und aus der Politik sind eingeladen, am Forum KITA-Entwicklung mitzuwirken.

Über die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich für gute frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) – mit dem Ziel, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnern vor Ort bietet die Stiftung bundesweit ein Bildungsprogramm an, das pädagogische Fach- und Lehrkräfte dabei unterstützt, Kinder im Kita- und Grundschulalter qualifiziert beim Entdecken, Forschen und Lernen zu begleiten. Das „Haus der kleinen Forscher“ verbessert Bildungschancen, fördert Interesse am MINT-Bereich und professionalisiert dafür pädagogisches Personal. Partner der Stiftung sind die Helmholtz-Gemeinschaft, die Siemens Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung und die Deutsche Telekom Stiftung. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Über die Robert Bosch Stiftung

Die Robert Bosch Stiftung GmbH gehört zu den großen, unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. In ihrer gemeinnützigen Arbeit greift sie gesellschaftliche Themen frühzeitig auf und erarbeitet exemplarische Lösungen. Dazu entwickelt sie eigene Projekte und führt sie durch. Außerdem fördert sie Initiativen Dritter, die zu ihren Zielen passen. Die Robert Bosch Stiftung ist auf den Gebieten Gesundheit, Wissenschaft, Bildung, Bürgergesellschaft sowie Internationale Verständigung und Kooperation tätig.
Die Robert Bosch Stiftung bekennt sich zu den Werten und dem Vorbild ihres Stifters, Robert Bosch, und setzt dessen philanthropisches Wirken fort. Mit mehr als 50 Jahren Erfahrung verfügt sie in ihren Fördergebieten über ein breites Wissen, die Qualifikation zur Entwicklung von Lösungen und ein umfangreiches Netzwerk von Partnern, Experten und Praktikern.
Die Robert Bosch Stiftung ist alleinige Trägerin des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart und der zugehörigen Forschungseinrichtungen, Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP), Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT) und Institut für Geschichte der Medizin (IGM). Sie ist außerdem Gesellschafterin des UWC Robert Bosch Colleges in Freiburg, der Deutschen Schulakademie in Berlin und des International Alumni Center (iac) in Berlin. Die Robert Bosch Stiftung hält rund 92 Prozent der Geschäftsanteile an der Robert Bosch GmbH und finanziert sich aus den Dividenden, die sie aus dieser Beteiligung erhält. Seit ihrer Gründung 1964 hat die Robert Bosch Stiftung rund 1,8 Milliarden Euro für ihre gemeinnützige Arbeit ausgegeben.

Von Frühe Bildung Online • 31.03.2020

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