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Rezension

40 Kita-Projektideen für drinnen und draußen

Mit der Idee, den Winter anhand von Bilderbüchern zu entdecken, bietet die Autorin Yvonne Wagner einen Anreiz sich mit dieser oftmals unbekannten Jahreszeit auseinanderzusetzen. Renate Mann hat die einzelnen Geschichten gelesen und bespricht diese mit Blick auf die verschiedenen, methodisch-didaktischen Vorschlägen zum Umgang mit Bild- und Textinhalten.

Renate Mann

Auch wenn die früher so klassischen Winter mit Schnee und Eis in den meisten Regionen Deutschlands nicht mehr vorkommen, so bleibt in unserer Klimazone der Winter als vierte Jahreszeit sicher noch eine Weile bestehen. In dem vorliegenden Ideenheft von Yvonne Wagner wird dem Winter, der ja bis in den Februar hineinreicht, in allen Facetten anhand von fünf Bilderbüchern Rechnung getragen. Es geht um Sachwissen, das Weihnachtsfest und die kalte Jahreszeit als Kulisse für erste Erfahrungen, Traditionen und Freundschaft.

"Zusammensein im Winter" reflektiert auf den ersten Seiten der Broschüre, welche Bedeutung Winter für Beziehungen in Familie und Kita haben kann, welche Rituale in der Regel nur in dieser Jahreszeit gelebt werden und wie das Phänomen Winter erforscht werden kann.

Auf vier Doppelseiten (nur der letzte Beitrag hat fünf) werden - nach einer kleinen Einführung zum jeweiligen Buch - verschiedene, methodisch-didaktisch überzeugende Vorschläge zum Umgang mit Bild- und Textinhalten gemacht. Jeder Themenbereich ist andersfarbig gekennzeichnet und jede Seite benennt einen Schwerpunkt mit Zielvorgabe, empfiehlt Alter, Gruppengröße, Zeitaufwand und benötigte Materialien. Ist eine besondere Vorbereitung für das Gelingen einer dieser Projektideen sinnvoll, wird darauf hingewiesen. Die Seiten sind übersichtlich gestaltet und zeigen oftmals auch die Ergebnisse von Gestaltungsaufgaben. Da man nicht davon ausgehen kann, dass alle Bilderbücher jedermann bekannt sind, wäre es vielleicht für einen Einstieg ohne Buch sinnvoll, wenn anstelle der Kinderfotos zu Beginn, jeder neuen Einheit das Cover des jeweiligen Buches großformatig  -mit einer kurzen Inhaltsangabe - zur Verfügung stehen könnte. 

Die Idee, den Winter anhand von Bilderbüchern zu entdecken, bietet auch für Kinder aus anderen Kulturen einen Anreiz, sich mit dieser oftmals unbekannten Jahreszeit nicht nur haptisch und sensomotorisch auseinanderzusetzen, sondern auch Sprachkompetenzen zu erweitern. Im Folgenden wird nochmals kurz auf die Bilderbücher eingegangen:

Da Schnee in manchen Regionen seit Jahren schon nicht mehr selbstverständlich ist, können sich manche Kinder leicht mit dem Eichhörnchen aus dem Buch "Herr Eichhorn und der erste Schnee" identifizieren, das auf keinen Fall die ersten Schneeflocken verpassen möchte. Wie im Bilderbuch machen sich die Kinder auf, den Wald mit allen Sinnen zu erkunden, ahmen Waldtiere nach und falls Schnee nicht hautnah erlebbar ist, wird er als Watteflockenschneegestöber an einer Scheibe inszeniert.

Erst am Ende des Bilderbuches "Wenn du eine Sternschnuppe siehst, wünsch dir was" erfährt man, dass Sternschnuppen vielleicht Wünsche erfüllen können. Aber sicher ist es nicht. Eine ziemlich ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem Maulwurf und einem Schneeball ist Anlass zum Philosophieren über Beziehungen. Mit dem Gestalten u.a. von einer Sternschnuppe, Wunschfreunden als Collage und einer Schneefamilie,  wird die Botschaft des Buches aufgegriffen. Gibt es keinen Schnee, trösten süße Schneekugeln aus Kuchenkrümeln, Sahne und Kokosraspeln darüber hinweg.

Ganz ohne Worte kommt das Bilderbuch "Was war hier bloß los?" aus, indem verschiedene Spuren, die sich über einen Tag verteilen, dargestellt werden. Der Schwerpunkt im Umgang mit diesem Buch liegt in der Erweiterung der Sprachkompetenz und der Reflexion des  kindlichen Alltags.  Auch hier wird optimistisch von einer Schneedecke ausgegangen, die einlädt, Spuren zu finden, oder selbst zu hinterlassen. Zilly, die verrückte Zauberin mit einem guten Herz und ihr loyaler Kater Zingaro haben längst Kultcharakter. Darum darf ein Buch mit den beiden Protagonisten zum Weihnachtsfest nicht fehlen. Schon der Titel "Zilly und Zingaro. Eine schöne Bescherung" lässt Chaos vermuten, das sich wie gewohnt in Wohlgefallen auflöst. Die detailgetreuen Bilder sind ein willkommener Anlass, von eigenen traditionellen (Weihnachts-)Fest-Riutalen zu erzählen und über materielle und immaterielle Wünsche nachzudenken. Geschenke in selbst gestaltetes Papier fantasievoll einzupacken, eine festliche Girlande herzustellen, oder Weihnachtsgrüße auf mit Tusche gezeichneten Postkarten zu verschicken, ist ganz im Sinne von Zilly, der Zauberin. Eine besondere Idee ist das Backen von Katzen-Leckerlis.

Der über 30 Jahre alte Klassiker "Es klopft bei Wanja in der Nacht"  hat bis heute nicht an Aktualität verloren: Tiere, die sich in der Natur eher gegenseitig auffressen würden und ein Jäger, der seine ursprüngliche Profession beiseite schiebt, um in einer kalten, schneereichen Nacht Asyl zu gewähren, bietet genügend Stoff, um über die vermeintlich festgelegten Rollen von Feindbildern nachzudenken. Informationen über die einzelnen Tiere und den Beruf des Jägers lassen die Situation in Wanjas Haus erst recht wie ein Wunder erscheinen. Ein selbstgebackenes Lebkuchenhaus soll an Wanjas Haus am Waldrand erinnern. Abschluss dieser Einheit bildet eine Spurensuche in der Natur, die das Ende des Winters erahnen lässt und  mit Tiermasken und einem improvisierten Theaterstück die  Fastnacht im Februar andeutet.

Die beiden letzten Seiten geben noch Hinweise zu Musik, Fach- und Kinderbüchern und listen eine profunde Übersicht "Projekte und Angebote zu den Bildungsbereichen" auf.

Yvonne Wagner: Winter mit Bilderbüchern entdecken. 40 Kita-Projektideen für drinnen und draußen, Beltz Nikolo, Weinheim 2018. ISBN 978-3-407-72768-8. 16,95€

Eine besondere Idee ist das Backen von Katzen-Leckerlis

Renate Mann
Von Renate Mann • 23.12.2018

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