Lehrerin mit Schülern
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Rezension: Supervision mit Lehrkräften, Ein Leitfaden für die professionelle Beratung, Beltz Verlag, Weinheim 2018

Supervision im System "Schule"

Vor etwa 30 Jahren wurde die Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. gegründet und trägt seither dem Bedürfnis Rechnung, Probleme im Beziehungsgeflecht des beruflichen Umfeldes mit Hilfe qualifizierter Begleitung möglichst zu lösen, zumindest aber Veränderungen herbeizuführen. Das vorliegende Buch versteht sich als "Leitfaden für die professionelle Beratung" im Bereich Schule.

Renate Mann

Die Forderung nach einer Beratungskultur in einem per se asymmetrisch, hierarchisch gestalteten System Schule steht schon lange im Raum, scheinen die komplexen Anforderungen doch kaum zu bewältigen zu sein. Supervision als wichtiger Beitrag zur Lehrergesundheit, der Balance von Ressourcen und Anforderungen, ist jedoch wegen verschiedener Vorbehalte selten Realität.

Erfolgreich kann Beratung nur dann sein, wenn sie nicht von oben verordnet, sondern im Einverständnis mit den Lehrerinnen und Lehrern erfolgt. Dies setzt einerseits Führungsqualitäten der Schulleitungen, andererseits aber auch eine umfassende Information dieser Methode voraus. Es scheint besonders Lehrkräften schwer zu fallen, Supervision präventiv als Chance zu verstehen, um nicht nur Beziehungskonflikte zwischen Lehrpersonen, Schüler und Eltern, sondern auch in den Kollegien untereinander zu klären. Vielleicht steckt auch die Angst dahinter, selbst als Person zu einem "Fall" zu werden.

Auch wenn der einzelne Beratungsprozess in seiner Komplexität wissenschaftlich nicht umfassend abgebildet werden kann, ließen sich doch durch die Mehrspektivität die Rahmenbedingungen für personenbezogene Veränderungsprozesse weiter erhellen." (S.106) . Weiterhin wird versucht, die fließenden Grenzen von Supervision zu dem allseits bekannten Begriff Coaching darzulegen.

Um Vorbehalten zuvorzukommen, wird schon am Anfang des Buches darauf hingewiesen, dass es bei Supervision nicht um Kontrolle und Beurteilung geht, sondern um einen geschützten Raum, indem Resonanz erfahren wird, in dem experimentiert werden darf und in dem Reflexion Methoden immanent ist. Die Inhalte des Buches geben Einblick in langjährige Praxis und die sich daraus ergebenden Fragen, auf die der Autor Meinfried Jetzschke ausführlich eingeht. Er beschreibt verschiedene Settings, mögliche Abläufe innerhalb eines Supervisionsprozesses und widmet ein Drittel der Inhalte der "Supervision mit Lehrkräften in der Praxis". Beispiele, Statements von Klienten, zentrale Kernsätze und Grafiken ergänzen das Anliegen des Autors. Zusammenfassend stellt er "Zehn Thesen: Schule und Supervision" (S.112) zusammen, mit denen er nochmals eindringlich darauf hinweist, Supervision zum Nutzen aller im System Schule zu etablieren. Ein Materialteil mit wichtigen Adressen und Kopiervorlagen u.a. mit Anträgen für eine Einzel- und Gruppen-Supervision, Checklisten und Evalutionsbögen und einer umfassenden Literaturliste und einem Sachregister machen Mut, sich mit dem Thema produktiv auseinanderzusetzen und vielleicht zu einem Angebot für das eigene Kollegium zu kommen.

Meinfried Jetzschke: Supervision mit Lehrkräften, Ein Leitfaden für die professionelle Beratung, Beltz Verlag, Weinheim 2018

Von Renate Mann • 17.11.2018

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