Grafik mit vielfältigen Menschen
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Umgang mit Vielfalt

Verbindend oder entzweiend: Wie geht Deutschland mit Vielfalt um?

Akzeptanz von Vielfalt ist eine zentrale Stellschraube für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Zwar ist die Akzeptanz von Vielfalt in Deutschland insgesamt hoch, jedoch gibt es neben deutlichen regionalen Unterschieden auch klare Unterschiede in der Akzeptanz verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Zu diesem Thema legt ein Forschungsteam der Jacobs University Bremen im Auftrag der Robert Bosch Stiftung das Vielfaltsbarometer 2019 vor.

Quelle: Presse-Info Jacobs University Bremen gGmbH

Deutschland ist ein vielfältiges Land. Nicht nur Einwanderung, sondern auch zunehmende Individualisierung von Lebensweisen prägen unsere Zeit. In der öffentlichen Debatte wird die zunehmende Vielfalt häufig kritisch diskutiert; manchmal wird sie sogar als Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt betrachtet. Aber wie ist es tatsächlich um die Akzeptanz von Vielfalt in unserem Land bestellt?

 

Für die Mehrheit ist Vielfalt eine Bereicherung

Dieser Frage geht die repräsentative Studie „Zusammenhalt in Vielfalt: Das Vielfaltsbarometer 2019 der Robert Bosch Stiftung“ nach, in der bundesweit 3.025 Personen ab 16 Jahren telefonisch zu ihren Meinungen und ihrem Verhalten gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen befragt wurden. Die Studie wurde an der Jacobs University unter Leitung von Prof. Klaus Boehnke von Dr. Regina Arant, Dr. Georgi Dragolov und Björn Gernig unter Mitarbeit von Jonas A. Seppälä durchgeführt. Das Jacobs-Team konnte zeigen, dass zunehmende Vielfalt für die Mehrheit der Deutschen eine Bereicherung darstellt und dass die Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt hierzulande gut ausgebildet ist. Auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten liegt der Durchschnittswert für die Akzeptanz von Vielfalt in Deutschland aktuell bei 68 Punkten. Gleichzeitig gibt es ein relativ deutliches West-Ost- und auch ein Nord-Süd-Gefälle. Auf den fünf Spitzenplätzen liegen mit Hamburg (72 Punkte), Schleswig-Holstein (71 Punkte), Bremen (71 Punkte), Berlin (71 Punkte) und Niedersachsen (70 Punkte) die drei Stadtstaaten und zwei norddeutsche Flächenländer, die anderen westdeutschen Länder und dann die ostdeutschen Länder folgen erst danach.
 

Skepsis gegenüber religiöser Vielfalt

Neben diesen regionalen Unterschieden lassen sich auch bezogen auf einzelne Vielfaltsaspekte deutliche Differenzen feststellen. So ist die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung (83 Punkte) bzw. mit einer nicht-heterosexuellen Orientierung (77 Punkte) und auch von Menschen mit anderer ethnischer Zugehörigkeit (73 Punkte) hoch. Auch Offenheit gegenüber Menschen eines deutlich anderen Lebensalters (‚die Jugend‘, ‚Alte‘), des jeweils anderen Geschlechts und gegenüber sozioökonomisch Schwachen (‚Hartz-IV-Empfänger‘) ist noch mehrheitlich vorhanden. Lediglich gegenüber Religion und religiöser Pluralität (44 Punkte) überwiegt Skepsis. Ein genauerer Blick auf die Ergebnisse legt dabei nahe, dass es sich trotz der öffentlich-medialen Fokussierung keineswegs allein um eine kritische Einstellung gegenüber ,dem Islam‘ handelt, sondern dass sich in der geringen Zustimmung eher eine weitverbreitete Distanz gegenüber religiösen Lebensweisen und Traditionen zeigt.

Des Weiteren belegt die Studie, dass sich die deutsche Gesellschaft in vier Gruppen unterschiedlichen Umgangs mit Vielfalt aufteilen lässt. Es handelt sich um Kosmopoliten (ca. 23 % der Bevölkerung), die bei allen Aspekten von Vielfalt die stärkste Zustimmung aufweisen; säkulare Liberale (ca. 40 % der Bevölkerung), die sich von den Kosmopoliten durch eine skeptischere Einstellung zu Religion abgrenzen; Wertkonservative (ca. 15 % der Bevölkerung), die Vielfalt bezüglich Geschlechterrollen, sexueller Orientierung, Religion und sozioökonomischer Schwäche etwas kritischer sehen; und Skeptiker (ca. 22 % der Bevölkerung), die allen Vielfaltsaspekten mit Ausnahme von Behinderung ablehnend gegenüberstehen.

 

Stellschraube Emapthiefähigkeit

Das Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung zeigt darüber hinaus, dass die Akzeptanz von Vielfalt neben dem Vertrauen in Institutionen und dem Vertrauen in die Mitmenschen eine entscheidende Stellschraube ist, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Aus diesem Grund hat das Team der Jacobs University auch Faktoren untersucht, die die Befürwortung einer pluralen Gesellschaft positiv beeinflussen können. Eine zentrale Erkenntnis des Vielfaltsbarometers ist, dass die Akzeptanz von Vielfalt weniger eine Frage von strukturellen Bedingungen als vielmehr der eigenen Haltung bei Bürgerinnen und Bürgern ist. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Empathiefähigkeit des Einzelnen zu fördern und die individuellen Ängste gegenüber „fremden“ sozialen Gruppen abzubauen. Dazu sind Begegnungen und das persönliche Kennenlernen notwendig. Dem Diversity Barometer gemäß ist der Ort für solche Begegnungen die Nachbarschaft, da dort die Bereitschaft am höchsten ist, sich mit Menschen auseinanderzusetzen, die anders sind als man selbst.

Weitere Informationen:
www.vielfaltsbaromter.de

 
 

 

Von Quelle: Presse-Info Jacobs University Bremen gGmbH • 08.04.2019

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