Kita Planung und Raumgestaltung
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Bildungsraum Kita

Kita: Was bei der Planung und Raumgestaltung wichtig ist

Kita-Konzept, Brandschutz, Sicherheit, Beleuchtung, Farben, Akustik, Elterncafé und Kita-Büro - bei der Planung und Raumgestaltung von Kitas gibt es viel zu bedenken. Matthias Wilk, Architekt und Experte für Bildungsräume, erläutert, worauf es ankommt.

Magazin Meine Kita: Kitas sollen Orte zum Spielen und Lernen sein. Wie sollte eine Kita-Raumgestaltung idealerweise aussehen?

Matthias Wilk: Matthias Wilk: Jeder Kita liegt ein eigenes pädagogisches Konzept zugrunde. Das sollte man zunächst genau kennen, bevor man die Raumaufteilung und die Gestaltung der Einrichtung plant. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Flur Spielfläche und kein Fluchtweg sein sollte. Für den Brandschutz empfehle ich eine enge Zusammenarbeit mit dem Brandschutzplaner und eine Verlegung des  Fluchtweges und Sammelpunkts in den Hinterhof oder zum rückwärtigen Ausgang hin. Dort kann man im Notfall gut kontrollieren, ob alle Kinder da sind.

Worauf achten Sie bei Kitaplanungen besonders?

Für einen reibungslosen Tagesablauf ist es wichtig, genügend Abstellraum für nicht benötigte Spielsachen und Bücher einzuplanen. Aber besonders wichtig ist eine gute Akustik. Denn hohe Lärmpegel sind ein häufiger Grund dafür, dass pädagogische Fachkräfte krank werden. Für sie ist es viel einfacher, eine gute Erzieher-Kind-Beziehung aufzubauen, wenn sie nicht ständig mit erhobener Stimme sprechen müssen. Ein lautes Umfeld erschwert auch den Kindern zu lernen. Leider wird auch die Schalldämmung häufig nicht wirklich durchdacht geplant.

Inwiefern?

Sie erfolgt oft einfach durch abgehängte Decken. Damit können die pädagogischen Fachkräfte diese nicht mehr pädagogisch nutzen, also beispielsweise eine Schaukel oder ein Seil anbringen.

Was sind weitere häufige Fehler bei der Kita-Raumplanung?

Zu wenige und zu kleine Räume. Optimal ist es, beispielsweise einen großen Raum einzuplanen, in dem die Kinder – wann immer sie wollen – essen können. Das hat den Vorteil, dass in den Gruppenräumen viel weniger Möbel, also Tische und Stühle, herumstehen müssen. Die Kinder haben dann viel mehr Platz zum Spielen. Ein eigener Raum zum Malen und Werken ist ebenfalls ideal. Dann entfi ele die Bauecke in allen anderen Räumen, es gäbe es dort mehr Platz zum Toben. Die Kinder können von einem Raum zum nächsten gehen, ihr Projekt aussuchen und dann dort arbeiten.

Und wie sieht es mit den Räumlichkeiten für die Fachkräfte aus?

Jede Kita-Leitung benötigt ein eigenes Büro, von dem aus sie sieht, wer kommt und in das sie sich, falls nötig, zurückziehen kann. Auch der Eingangsbereich sollte einladend sein, denn der erste Eindruck ist entscheidend dafür, wieviel Vertrauen einer Kita entgegengebracht wird. Es sollte auch eine Art Hoteltresen geben, an dem eine Erzieherin morgens steht, die Kinder in Empfang nimmt und „Tür-und-Angel“-Gespräche mit den Eltern führt. Das halte ich für wesentlich sinnvoller als den Trend zu Elterncafés, denn morgens muss es oft schnell gehen. Den Eingangsbereich würde ich mit einer gemütlichen Sitzecke und Abstellmöglichkeiten für Kinderwägen planen. Dort sollten nicht zu viele Sachen rumstehen, sodass sich das ankommende Kind leicht orientieren kann und seinen Weg findet.

Die Sicherheit der Kinder in der Kita sollte an erster Stelle stehen. Was wird dabei häufig übersehen?

Obwohl die Unfallkasse genau vorgibt, welche Rutschfestigkeit die Bodenbeläge haben müssen, sind sie oft viel zu glatt. Gefährlich sind insbesondere kleine Bodenabsätze und Stufen bis zu zehn Zentimeter Höhe, weil sie nicht als solche wahrgenommen werden. Da gibt es häufig Stürze. Eine weitere Gefahrenquelle sind Fenster, die im geöffneten Zustand in den Bewegungsraum der Kinder hineinragen. Dadurch kommt es immer wieder zu Kopfverletzungen. Reichen Fensterscheiben bis zum Boden, muss man zusätzlich unbedingt Sicherheitsglas verwenden. Eine weitere Verletzungsgefahr bringen offene Heizungen und hervorstehende Türklinken in Bewegungsräumen mit sich. Unbedingt vermeiden sollte man dort auch freistehende Pfeiler.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Beleuchtung. Worauf muss man achten?

Ich empfehle ein richtiges Beleuchtungskonzept mit verschiedenen Lichtzonen und Lichtinseln. Alle Leuchten sollten dimmbar sein und bei den Lichtinseln sollten zusätzliche Lampen dazu geschaltet werden können. So steht immer genügend Licht für alle Gelegenheiten und Stimmungen zur Verfügung. Außerdem sollte man auf die Wahl der Beleuchtungskörper achten. Alle momentan üblichen LEDs sind sogenannte Blaubrenner und verfälschen das Farbsehen. Ich löse das Problem, indem ich die Lichtquellen mische. Es kommt einfach darauf an, wo man welches Licht einsetzt. Wenn man Kinder den ganzen Tag solchem Licht aussetzt, lernen sie nicht richtig, die Farben wahrzunehmen.

Falsche Beleuchtung führt also dazu, dass das Sehvermögen der Kinder sich nicht richtig entwickelt?

Genau. Kinder entwickeln über das Licht ihr Farb- und Fernsehen. Man weiß zum Beispiel, dass Kinder, die mit Legosteinen spielen oder Bilderbücher ansehen, so viel Licht wie ein Feinmechaniker brauchen, also wie in einer Fabrikhalle.

Und wie sollte man Farben bei der Kita-Raumgestaltung einsetzen?

Es ist förderlich, mit kräftigen Farben zu arbeiten. Vor allem in den ersten Jahren sind starke Farben wichtig, damit die Kinder Unterschiede gut erkennen können. Wenn beispielsweise Lichtschalter farbig hervorgehoben werden, können diese viel leichter wahrgenommen werden. Gerade für Kinder mit Sehschwäche ist das wichtig.

Was würden Sie sich für die Raumgestaltung von Kitas zukünftig wünschen?

Architekten müssen lernen, die pädagogischen Fachkräfte frühzeitig in ihre Kitaplanung einzubeziehen, ihnen zuzuhören und ihre Bedürfnisse und Wünsche zu berücksichtigen. Gleichzeitig sollte bei den Pädagogen schon in der Ausbildung das Thema Raumgestaltung fest im Lehrplan verankert werden. Sie sollten ‚sprachfähiger‘ werden und ihr pädagogisches Wissen bewusst in die Gestaltung und Einrichtung ihrer Kita-Räume einfließen lassen.

 

Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 3/2018, Meine Kita Spezial, S. 26-27 , www.fruehe-bildung.online

 

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Von Frühe Bildung Online • 09.08.2018

Dr.-Ing. Matthias Wilk

ist Architekt und Bildhauer. Er forscht, plant und berät zum Thema Bildungsräume. Einer seiner Schwerpunkte liegt in der Planung von Kitas.

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