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Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

Situation bei Familien von Kindern mit ADHS

In einer Studie wurde festgestellt, dass ADHS bei Kindern oder Jugendlichen Auswirkungen auf das gesamte Familienklima hat.

Vera Schilling, Franz Petermann, Petra Hampel

Erste Studien belegen, dass die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nicht nur mit einer ungünstigen Entwicklung des erkrankten Kindes oder Jugendlichen verbunden ist, sondern auch Auswirkungen auf die psychosoziale Situation aller Familienmitglieder hat. Die Pilotstudie ging der Frage nach, ob sich die Lebensqualität der Eltern von Kindern mit ADHS von der Lebensqualität der Eltern gesunder Kinder unterscheidet. Außerdem war von Interesse, inwieweit das Ausmaß des hyperkinetischen Verhaltens des erkrankten Kindes mit der psychosozialen Anpassung der gesunden Geschwister und der Lebensqualität der Eltern verbunden ist. Insgesamt 48 Elternteile beurteilten das Ausmaß hyperkinetischen Verhaltens der gesunden Geschwister sowie ihre eigene Lebensqualität. Die Eltern mit einem an ADHS erkrankten Kind schätzten zusätzlich das Ausmaß hyperkinetischen Verhaltens des erkrankten Kindes sowie die psychischen Auffälligkeiten der gesunden Geschwister ein. Die Ergebnisse legen nahe, dass das psychische Wohlbefinden der Eltern mit einem an ADHS erkrankten Kind gegenüber Eltern gesunder Kinder beeinträchtigt ist. Des Weiteren hing das Ausmaß des hyperkinetischen Verhaltens des erkrankten Kindes positiv mit den internalisierenden und Aufmerksamkeitsproblemen der gesunden Geschwister zusammen. Das Ausmaß des hyperkinetischen Verhaltens des erkrankten Kindes war außerdem mit einem beeinträchtigten psychischen Wohlbefinden des Elternteils assoziiert. Die Befunde unterstreichen die Forderung nach familienorientierten Interventionsmaßnahmen in der Behandlung von ADHS, die die psychosoziale Anpassung aller Familienmitglieder berücksichtigen.

Dieses Abstract erschien 2006 in der Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie (2006), 54, pp. 293-301. DOI: 10.1024/1661-4747.54.4.293. © 2006 Verlag Hans Huber. Es wäre hochinteressant zu erfahren, ob die Kritik an der schnellen Diagnostizierung dieser neuen Erkrankung heute andere Forschungsergebnisse bringen würde.
 

Von Vera Schilling, Franz Petermann, Petra Hampel • 12.07.2018

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